Sprint gibt Deutscher Telekom Laufpass

6. August 2014, 12:38
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Kartellrechtliche Hürden offenbar zu hoch - Französischer Anbieter Iliad bleibt als Interessent

New York/Frankfurt - Der Deutschen Telekom ist der bisher aussichtsreichste Bieter für die Mobilfunktochter T-Mobile US abgesprungen. Der amerikanische Rivale Sprint gibt Insidern zufolge nach acht Monaten das milliardenschwere Rennen um das einst größte Sorgenkind des Bonner Konzerns auf. Der Widerstand der US-Kartellwächter sei zu groß gewesen. Die Aktien des Bonner Telefon-Riesen stürzen daraufhin am Mittwoch ab.

"Die Neuigkeit ist ein großer Schock für uns", sagte eine Person aus dem Umfeld des Telekom-Managements. "Es ist das schlimmste vorstellbare Szenario." Allerdings steht der nächste Bewerber bereits in den Startlöchern: Der französische Telekom-Milliardär Xavier Niel will die Mehrheit an dem US-Mobilfunkanbieter für 15 Mrd. Dollar (11,2 Mrd. Euro) kaufen, was der Deutschen Telekom nach Reuters-Informationen bisher aber zu wenig ist. Niel arbeitet Insidern zufolge bereits an einer Aufstockung des Gebots.

In die Länge

Der Rückzug von Sprint - dem drittgrößten Mobilfunkbetreiber in den Vereinigten Staaten - hatte sich angedeutet, da die Verhandlungen sich immer weiter in die Länge zogen. Ursprünglich wollten die Konzerne bereits im Juni handelseinig werden. Insidern zufolge drohten die US-Behörden trotz einer Werbe-Offensive von Sprint damit, den Kauf zu blockieren. Die Wettbewerbshüter pochten darauf, dass Amerikaner weiter die Auswahl zwischen vier landesweiten Anbietern haben sollten. Deshalb seien beide Seiten zum Schluss gekommen, dass die Kartellwächter einem Verkauf des Branchen-Vierten T-Mobile US an Sprint zurzeit wahrscheinlich nicht zustimmen würden, sagten die informierten Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Sprint und die Telekom wollten sich dazu nicht äußern. Bereits vor drei Jahren war ein Verkauf der US-Tochter in letzter Minute am Veto der Kartellbehörden gescheitert - damals war Branchenprimus AT&T der potenzielle Käufer.

Die Bonner halten 67 Prozent an T-Mobile US. Sprint wollte die Mehrheit kaufen, wieviel genau, blieb aber ungewiss. Das Offert von 40 Dollar je Aktie, auf die sich beide Seiten verständigt hatten, bewertete T-Mobile US insgesamt mit 32 Mrd. Dollar.

Telekom-Anleger, die fest auf einen Verkauf des US-Ablegers an Sprint gesetzten hatten, ergriffen die Flucht: Die T-Aktien brachen um bis zu 5,4 Prozent ein und verzeichneten damit die größten Verluste seit 14 Monaten. Der Börsenwert des Dax-Konzerns sank um 1,2 Mrd. Euro. Die Sprint -Aktien verloren im außerbörslichen US-Handel fast 16 Prozent. Für den japanischen Sprint-Mutterkonzern SoftBank ging es Mittwoch früh in Tokio um 3,6 Prozent bergab.

Die Deutsche Telekom will den mit viel Geld aus Bonn wieder auf Wachstum getrimmten US-Ableger schon länger verkaufen und wird seit vergangener Woche vom französischen Anbieter Iliad umworben, hinter dem der Milliardär Niel steht. Iliad macht unter der Marke Free auf seinem Heimatmarkt ähnlich wie T-Mobile in den USA den Platzhirschen mit niedrigeren Preisen Konkurrenz macht. Das Pariser Unternehmen hatte unter anderem damit geworben, dass die Kartellbehörden der Übernahme wohl zustimmen würden.

Deal geplatzt

Nach dem Platzen des Deals mit Sprint müsse die Telekom den eigentlich als wenig attraktiv angesehenen Iliad-Vorstoß nun genau prüfen, sagte ein Telekom-Insider. Zudem komme eine weitere Option wieder auf den Plan: "Der Konzern muss sich sogar überlegen, ob er länger in den USA bleibt." Nach Reuters-Informationen schließen Sprint und die Deutsche Telekom nicht aus, dass es in Zukunft zu Zusammenschlüssen in den USA kommen könnte.

Für die Telekom ist nun entscheidend, wie sich Iliad verhält. Das erste Angebot der Franzosen von 33 Dollar je Aktie für einen Anteil von 56,6 Prozent an T-Mobile wurde zunächst als zu niedrig zurückgewiesen. Einem Insider zufolge hat sich Iliad deswegen mit amerikanischen Kabel- und Satelliten-TV-Anbietern zusammengetan, um das Offert nachzubessern. Allerdings ist Iliad nun der einzige bekannte Interessent. "Als das Sprint-Angebot noch auf dem Tisch lag, hatte die Deutsche Telekom die Verhandlungsmacht", sagte der Analyst Roger Entner von der Beratungsfirma Recon Analytics in Boston. "Jetzt hat Iliad die Verhandlungsmacht." (APA/Reuters, 6.8.2014)

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