Jesiden nach Flucht vor dem "Islamischen Staat" vom Verdursten bedroht

6. August 2014, 11:46
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Vertriebene Jesiden harren aus Furcht vor dem "Islamischen Staat" in den Gebirgszügen des Jabal Sinjar aus

Seit die Terrororganisation "Islamische Staat" die Stadt Sinjar und die umliegenden Dörfer eingenommen hat, sind tausende Jesiden, die mit dem Tod rechnen müssen, in die umliegenden Berge geflohen. NGOs berichten, dass 10.000 bis 40.000 Angehörige der religiösen Minderheit in den Höhenzügen des Jabal Sinjar ausharren, weit genug entfernt von ihren Wohnsitzen, dass ihnen die Mitglieder des "Islamischen Staates" nicht mehr folgen können. Allerdings sind in der unwegsamen Landschaft schon erste Flüchtlinge - darunter vor allem Kinder - verdurstet. Von bis zu 40 Todesopfern ist bisher die Rede.

"Kinder sterben in den Bergen, auf den Straßen", sagt Marzio Babille, ein Vertreter der UNICEF im Irak, gegenüber der "Washington Post". "Es gibt kein Wasser, keine Vegetation, die Flüchtlinge sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten und vom 'Islamischen Staat' umgeben." Kontakt mit ihnen herzustellen wird immer schwieriger, da die Handyakkus mittlerweile bei den meisten fast leer sind. Die Leichen können im felsigen Gelände auch nicht begraben werden, sondern würden nur notdürftig mit Steinen bedeckt.

Am Montag versuchte die irakische Regierung die Jesiden aus der Luft mit Wasser zu versorgen, soll aber nur wenige von ihnen tatsächlich erreicht haben. UN-Organisationen haben der Regierung angeboten sie technisch zu unterstützen, wurden allerdings bis jetzt nicht gefragt. 15 bis 20 Flüge wären mindestens nötig, um die Menschen in den Bergen zumindest für eine Woche mit Wasser und Nahrung zu versorgen. Doch eigentlich müssten die Flüchtlinge evakuiert werden: "Wenn wir das nicht tun, endet das in einer Katastrophe", sagt UNICEF-Vertreter Babille.

kurdfromnl

Im irakischen Parlament sorgte die dramatische Situation der Jesiden für Betroffenheit. Eine jesidische Abgeordnete klagte an, dass an den Jesiden ein Genozid verübt werde, und appellierte unter Tränen, die Menschen zu retten. (red, derStandard.at, 6.8.2014)

  • Jesiden protestieren vor dem UN-Büro in Erbil und fordern internationale Hilfe.
    foto: apa/epa/jalil

    Jesiden protestieren vor dem UN-Büro in Erbil und fordern internationale Hilfe.

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