Bank Austria bis Juni mit Gewinnanstieg

6. August 2014, 10:35
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Cernko: Ost-Aktivitäten der Banken nicht systematisch schlechtreden

Wien/Kiew/Moskau - Die Bank Austria hat für die ersten sechs Monate heuer 776 Mio. Euro Nettogewinn geschrieben. Das war gut ein Drittel (34,3 Prozent) mehr als Mitte vorigen Jahres. Bei der Zahlenvorlage am Mittwoch bekräftigte das Institut, strategischer Investor in Zentral-Osteuropa zu bleiben. Die geopolitischen Spannungen in der Ukraine stellten aber das Osteuropa-Wirtschaftswachstum in Frage.

Ihre Ukraine-Tochter hat die Bank Austria zum Verkauf gestellt. Die Beteiligung an der Ukrsotsbank ist in der Bilanz als "zur Veräußerung gehaltene Vermögensgruppe" verbucht. Bis Juni berichtet die Bank Austria für die Ukraine-Bank 29 Mio. Euro Verlust.

Für das zweite Quartal 2014 weist die Bank Austria insgesamt einen Nettogewinn von 426 Mio. Euro (erstes Quartal: 351 Mio. Euro) aus. Bankchef Willibald Cernko sprach in seiner Mitteilung von einem "guten zweiten Quartal". Das Ergebnis resultiere primär aus striktem Kosten- und Risikomanagement, dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man strukturell vor großen Herausforderung stehe. Die um 17 Prozent höheren Bankenabgaben konterkarierten zunehmend die Sparbemühungen des Hauses.

Russland bleibt Ergebnisbringer

Russland soll bei der Bank Austria bzw. im ganzen UniCredit-Konzern weiter ein wesentlicher Ergebnisbringer bleiben, erklärte der Bank-Austria-Vorstand am Mittwoch. Cernko beziffert die mit den Spannungen und westlichen Sanktionen erwarteten Erlöseinbußen in Russland heute mit 10 bis 15 Mio. Euro.

Was die Krise und die Sanktionen nachhaltig kosten, kann die Bank "im klassischen Sinn nicht beantworten. Wir reden gerade einmal von entgangenem Geschäft." Auch die Bank Austria habe ihre Einschätzungen für den russischen Markt angepasst.

UniCredit-Chef Federico Ghizzoni hatte am Dienstag in Mailand erklärt, Russland sei für seine Gruppe kein systemisches Problem. In der Bank-Austria-Bilanz wird der Vorsteuergewinn aus Russland per Ende Juni mit 247 Mio. Euro ausgewiesen. Die Risikogewichteten Aktiva (RWA) werden mit 16 Mrd. Euro beziffert, in Russland sind 13 Mrd. Euro an Krediten vergeben. Außerdem hat die russische Tochter 12,5 Mrd. Euro an Einlagen eingesammelt.

Nicht schlechtreden

Cernko hielte es zudem für angeraten, "das Osteuropa-Engagement der heimischen Banken bei allen aktuellen Herausforderungen nicht systematisch krank zu reden". Er spricht weiterhin von einer Erfolgsgeschichte.

Die Ukraine-Banktochter ist mittlerweile nicht mehr in der "CEE"-Division in der Bank Austria-Bilanz verbucht. In der Ostbankendivision selbst weist die Bank bis Juni nach einem deutlichen, 25-prozentigen, Rückgang der Kreditrisikokosten einen Nettogewinn von 574 (619) Mio. Euro aus. Der Betriebsgewinn (nach Kreditrisiko) aus dem Ostgeschäft lag mit 775 Mio. Euro um 3,5 Prozent unter Vorjahr, wechselkursbereinigt darüber.

Ergebnisrückgänge gab es in der Türkei, in Ungarn belasteten erste Auswirkungen des neuen Kreditgesetzes, in Russland drückte die Rubelabwertung das Handelsergebnis. Aus Russland wurden aber höhere Zinsergebnisse vermeldet.

Das Kreditvolumen wuchs in der Bankengruppe trotz Währungsabwertungen in einigen Ländern im Vergleich zum Ultimo 2013 um 1,9 Prozent auf 118 Mrd. Euro. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 blieb es aber um 1,7 Prozent zurück. Das Wachstum kam aus dem Osten, in Österreich herrschte bei der Kreditnachfrage Stagnation, berichtete die Bank. Die Bank Austria ist im UniCredit-Konzern für die Ost- und Südosteuropatöchter zuständig. (APA, 6.8.2014)

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