Gaza: Waffenruhe hält, Suche nach dauerhafter Lösung

5. August 2014, 22:13
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Umfrage: Für Israels Bevölkerung gibt es keinen Sieger

Gaza - Die seit Dienstagvormittag geltende Waffenruhe im Gazastreifen hält. Auch 24 Stunden nach Beginn der Feuerpause wurden am Mittwoch keine Verletzungen der Vereinbarung bekannt. In der Palästinenser-Enklave verließen nach der ersten ruhigen Nacht seit fast einem Monat viele Einwohner die UNO-Unterkünfte, um zu ihren stark zerstörten Wohnungen zurückzukehren und dort Habseligkeiten zu bergen.

1.875 Tote

Durch die Straßen wehte Verwesungsgeruch, denn unter den Trümmern werden noch zahlreiche Tote vermutet. Insgesamt wurden seit Beginn der israelischen Offensive vor rund einem Monat nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 1.875 Menschen getötet und 9.567 weitere verletzt. Unter den Toten seien 430 Kinder, 243 Frauen und 79 ältere Menschen, teilte Sprecher Ashraf al-Kidra mit.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) hält sich im Gazastreifen auf, um sich ein Bild von den Zerstörungen und der Lage der Verletzten zu machen. "Ich habe noch nie so massive Zerstörungen gesehen", teilte Peter Maurer nach einem Besuch des Viertels Shejaia per Twitter mit. "Ich habe ein tiefes Gefühl des Schocks darüber, was ich gesehen habe, und der Wut, dass wir nicht verhindern konnten, was passiert ist."

Die Nacht auf Mittwoch habe er in Gaza verbracht, um "meine Zuversicht darüber zu zeigen, dass eine Waffenruhe eine ruhigere Nacht für die Menschen in Gaza bedeutet", twitterte Maurer in der Früh.

Verhandlungen in Kairo

In Kairo sollten indes unter ägyptischer Vermittlung die indirekten Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern über einen dauerhaften Waffenstillstand aufgenommen werden. Am späten Dienstagabend besprach Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit dem Sicherheitskabinett die Verhandlungsstrategie für die Kairoer Gespräche.

Ein Regierungsvertreter sagte, Israel wolle rasche humanitäre Hilfe für den Gazastreifen. Allerdings solle die Einfuhr des für den Wiederaufbau notwendigen Zements von Garantien der Palästinenser-Führung abhängig gemacht werden, dass dieser nicht für den Bau neuer Tunnel nach Israel genutzt werde. Wichtigstes Ziel Israels bleibe es, den Gazastreifen zu entmilitarisieren und zu verhindern, dass die radikalislamische Hamas sich wieder mit Waffen versorgen könne.

Ein palästinensischer Regierungsvertreter sagte, für September sei in Oslo eine Geberkonferenz geplant, um Mittel für den Wiederaufbau des Gazastreifens einzuwerben. Für die Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur werden schätzungsweise sechs Milliarden Dollar (4,48 Mrd. Euro) benötigt.

Umfrage: Kein Sieger

Eine Mehrheit der Israelis sieht laut einer Umfrage nach der einmonatigen militärischen Konfrontation zwischen Israel und bewaffneten Palästinensergruppe keinen Sieger im Gazakonflikt. 51 Prozent der Befragten seien der Auffassung, dass es bei der "Operation Schutzlinie" keinen klaren Gewinner gebe, berichtete die Tageszeitung "Haaretz" am Mittwoch.

Die Befragung hatte nach dem Beginn einer zunächst bis Freitag begrenzten Feuerpause am Dienstag stattgefunden. Während des blutigen Konflikts wurden auf palästinensischer Seite fast 1.900 und auf israelischer Seite 67 Menschen getötet.

Israel hielten nur 36 Prozent der 442 befragten Bürger des Landes für den Sieger; sechs Prozent gaben an, die radikalislamische Hamas, die den Gazastreifen militärisch kontrolliert, habe gewonnen. 56 Prozent der Israelis urteilten, die von der Regierung vorgegebenen Kriegsziele seien "nur teilweise" erreicht worden. Israel hatte die Zerstörung der für Angriffe auf Israel genutzten Tunnel der Hamas und eine nachhaltige Unterbindung der Raketenangriffe aus der Palästinenser-Enklave angestrebt.

Dennoch beurteilten 77 Prozent der Befragten das Krisenmanagement von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während der Eskalation als "ausgezeichnet" oder "gut". Vom rechten Flügel seines Kabinetts war Netanjahu immer wieder kritisiert worden, weil er keine vollständige Besetzung des Gazastreifens und die Zerschlagung der Hamas anordnete.

Mehrheit für Verhandlungen

Moderater als das Regierungslager zeigten sich die Umfrageteilnehmer auch bei der Frage, ob Israel nun die Friedensverhandlungen mit der PLO wiederaufnehmen und dadurch dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas den Rücken stärken sollte: Eine klare Mehrheit stimmte hier zu, schreibt "Haaretz". (APA/Reuters, 6.8.2014)

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