Gaza-Konflikt: Fragen für danach

Kommentar5. August 2014, 18:00
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Über die Frage, warum Staaten wie Israel offenbar sehr viel wissen − und manchmal sehr wenig tun

Glenn Greenwald, Partner von NSA-Aufdecker Edward Snowden, hat auf "The Intercept"
ein Dokument von April 2013 veröffentlicht, das eine vertiefte geheimdienstliche Zusammenarbeit zwischen Israel und den USA beweist. Über Greenwalds Schluss, dass die USA damit Teilnehmer jeder militärischen Aktion Israels werden, lässt sich trefflich streiten. Erstens ist Informationsaustausch keine Einbahnstraße, zweitens war die Prämisse, dass alles, was Israels Sicherheit zugutekommt, einen möglichen israelischen Kompromiss mit den Palästinensern befördert, immer westlicher nahostpolitischer Standard.

Interessanter ist die Frage, warum Staaten wie Israel offenbar sehr viel wissen − und manchmal sehr wenig tun. Als in Ägypten Abdelfattah al-Sisi im Juli 2013 den Muslimbruderpräsidenten Mohammed Morsi stürzte, stand die Zerstörung der Hamas-Tunnel auf seiner Agenda ganz oben. Es ist richtig, dass die Tunnel nach Israel schwerer zu orten waren: keine Versorgungs-, sondern Angriffsröhren bis knapp unter die Oberfläche. Dennoch, der erste warnende Bericht dazu soll bereits im Juni 2013 auf dem Tisch von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gelandet sein.

Auch an die Armeeführung werden Fragen gestellt werden. Angesichts der horrenden Opferzahlen in Gaza scheinen die Verluste Israels gering. Für eine Hightech-Armee wie die israelische sind sie jedoch hoch, vor allem offenbar der Anteil der durch "friendly fire" und Sprengfallen Getöteten. Die Diskussion darüber wird nicht ausbleiben. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 6.8.2014)

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