Gründungen und Todesfälle auf dem Tageszeitungsmarkt

5. August 2014, 17:43
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SVZ von 1945 bis 2005 Stimme der Salzburger ÖVP - Streichung der Presseförderung brachte Aus für Regionalblatt - Nur noch 14 Tageszeitungen übrig

Wien - Mit dem endgültigen Aus für die "Salzburger Volkszeitung" (SVZ) umfasst die österreichische Tagespresse nur noch 14 Kauf- und eine Gratiszeitung. Es ist nach der "Kärntner Tageszeitung" (KTZ) bereits das zweite Blatt, das heuer vom Print-Markt verschwindet, der damit weiter ausgedünnt wird. Auch wenn von einem "Zeitungssterben", wie es immer wieder an die Wand gemalt wurde, keine Rede sein kann.

Genau genommen existiert die SVZ bereits seit 8. Juli nicht mehr - damals stellte das frühere ÖVP-Blatt seine Printausgabe ein und erschien nur noch im Internet. Ausschlaggebend dafür war die Streichung der Presseförderung für Zeitungen mit weniger als zwölf angestellten Redakteuren im Juni. Nun folgte auch der Insolvenzantrag.

"Gründerzeit"

Ihre "Gründerzeit" hatte die österreichischen Presseszene 1945 erlebt, gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. Unterstützt von den Alliierten und den politischen Parteien entstanden über 30 tägliche Blätter, teilweise in Anknüpfung an Vorkriegstitel, darunter: "Salzburger Nachrichten", "Oberösterreichische Nachrichten", "Tiroler Tageszeitung", "Arbeiter-Zeitung", "Österreichische Volksstimme", "Wiener Kurier", "Vorarlberger Nachrichten", "Weltpresse", "Wiener Zeitung", "Linzer Volksblatt", "Neue Zeit" und "Tiroler Nachrichten".

Auch die SVZ stammt aus dieser Periode: Erstmals erschien die "Salzburger Volkszeitung" am 23. Oktober 1945 und war von Beginn an Sprachrohr der ÖVP. Erst 2005 übernahmen sie private Eigentümer.

Schon weniger expansiv entwickelte sich der österreichische Pressemarkt in den folgenden Jahren: 1946 und 1947 startete jeweils eine Tageszeitung: Die "Welt am Abend" und im nächsten Jahr die "Wiener Tageszeitung". 1948 folgten drei, unter ihnen die Grazer "Kleine Zeitung" und das Wiener Großformat "Die Presse" (exakt 100 Jahre nach seiner Erstgründung im Jahre 1848). In den 50er Jahren erblickten "Salzburger Volksblatt" (1950), "Bild-Telegraf" (1954) und "Express" (1958) das Licht der Welt.

Ein Riese kehrt wieder

Am 11. April 1959 schließlich erschien erstmals ein Blatt, das die heimische Zeitungswelt nachhaltig prägen sollte: die "Kronen Zeitung", gegründet von Hans Dichand und Kurt Falk. Sie machten das Kleinformat zum auflagenstärksten Titel am Tagesmarkt.

Andere Verlage kämpften in den 1960er-Jahren indes ums Überleben - und so mancher verlor. 1964 stellte die "Österreichische Neue Tageszeitung" ihr Erscheinen ein, 1967 folgten ihr die "Volksstimme"-Ausgaben für Salzburg, Tirol und Vorarlberg in den Zeitungstod. Und es wurde nicht einfacher: In diesem Jahr nämlich begann ein besonders starker, bis 1972 dauernder Konzentrationsschub. Innerhalb von fünf Jahren gaben ebenso viele Zeitungen auf, darunter der "Express", der Mitte der sechziger Jahre zweitgrößte österreichische Tageszeitung gewesen war. Auch das Wiener ÖVP-Organ "Volksblatt" erschien 1970 zum letzten Mal.

Nur wenige Neugründungen

Parteizeitungen hatten überhaupt einen schweren Stand. Die im Besitz der ÖVP Steiermark stehende "Süd-Ost-Tagespost" etwa gab 1987 auf. Die "Volksstimme", Tageszeitung und Zentralorgan der KPÖ, wurde im März 1991 eingestellt. Aufsehenerregendes Ende einer Ära aber war vor allem das Aus für die "Arbeiter-Zeitung", die im Herbst 1991 102 Jahre nach ihrer Gründung ein letztes Mal erschien. Das ehemalige SPÖ-Blatt "Neue Zeit" wurde 2001 eingestellt. Aus der "Kärntner Tageszeitung" zog sich die SPÖ 2009 zurück, im heurigen Frühjahr wurde das Blatt gänzlich eingestellt. Letzte Parteizeitung am Markt ist damit das "Neue Volksblatt" im Eigentum der ÖVP Oberösterreich.

Dieser Todesstatistik stehen nur wenige Neugründungen seit den 1980er-Jahren gegenüber. 1988 lancierte Oscar Bronner den "Standard", 1990 startete "Guten Tag Niederösterreich", 1992 Kurt Falks "täglich alles". Die beiden letzteren existieren nicht mehr - wobei die Einstellung von "täglich alles" im Jahr 2000 ein gehöriger Knalleffekt war.

Seit dieser kleinen Gründerzeit gab es nur mehr wenige Neuzugänge. 1995 startete das "WirtschaftsBlatt" als "Zusatzblatt für Führungskräfte". Es wurde zuletzt immer näher an die "Presse" herangeführt. 2006 startete Wolfgang Fellner mit großen Plänen die Tageszeitung "Österreich". Sie wird mittlerweile überwiegend gratis vertrieben. Von Anfang an gratis zu haben war "Heute", das 2004 in Wien startete. Es war der zweite Anlauf für eine U-Bahn-Zeitung: Nachdem der Trend zum Gratistitel für Pendler auch in Österreich Fuß zu fassen drohte, hatte Hans Dichand zuvor den "U-Express" auf die Reise geschickt. Dichands Partner drehten dieses Projekt aber ab. (APA, 05.08.2014)

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