Griechische Medienlandschaft in der Krise

5. August 2014, 17:16
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Umstrittene Gesetzesänderung geplant - Journalisten-Gewerkschaft wirft Regierung "Schutz der Medienmogule" vor

Athen - Die griechische Medienlandschaft befindet sich einer schweren Krise - finanzielle Schwierigkeiten und politische Machtspiele setzen ihr seit Jahren zu. Eine umstrittene Gesetzesänderung bringt nun erneute Turbulenzen: Aus Protest werden am morgigen Mittwoch manche Zeitungen nicht erscheinen, Fernseh- und Rundfunksender senden keine Nachrichten.

"Die Änderung erlaubt Mediengruppen zu verschmelzen, um Kosten zu sparen. Doch in Wirklichkeit ermöglicht es verschuldeten Geschäftsleuten einen Ausweg", heißt es in einem Statement der Journalisten-Gewerkschaften. Sie werfen der Regierung vor, bei dem Gesetz die Interessen der Medienmogule schützen zu wollen. Denn die zwei größten, regierungsnahen Verlage des Landes - DOL und Pegasus - sind beide hoch verschuldet.

Laut Gewerkschaften könnten die verschuldeten Verlage durch die "maßgeschneiderte" Gesetzesänderung neue Kredite aufnehmen und außerdem Mitarbeiter entlassen. Bei Verlagsverschmelzung könnte jeder zweite Journalist seinen Job verlieren, wird befürchtet. Über das Gesetz wird am morgigen Mittwoch im griechischen Parlament abgestimmt.

Fehlende Transparenz

Bei dem Streik sind jedoch nicht alle Medien des Landes vertreten: "Die regionalen Zeitung schließen sich dem Streit nicht an. Wir werden unsere Zeitungen veröffentlichen und auf die Regierung Druck ausüben, damit nicht für das Gesetz gestimmt wird", sagt Paraskevas Perakis, Chefredakteur der regionalen Zeitung "Haniotika Nea", im Gespräch mit der APA. Seiner Meinung nach sind die engen Beziehung zwischen Medien und Politik und die fehlende Transparenz die großen Probleme für die griechische Medienlandschaft.

"Eine Handvoll von mächtigen Medieninhabern - die ebenfalls meistens sehr große und reiche Geschäftsmänner sind - kontrollieren den Markt, während die Gehälter für Medienangestellte sinken und die Arbeitslosigkeit jedes Jahr neue Höhen erreicht", meint George Psaroulakis, Chefredakteur der kretischen Tageszeitung "Nea Kriti", zur APA. Die meisten Medien würden Verluste schreiben, aber es dank politischer Verbindungen noch schaffen, Kredite von griechischen Privatbanken zu bekommen, so Psaroulakis. Er befürchtet, dass durch die geplante Gesetzesänderung die wenigen großen Medien die kleineren Medien "schlucken" könnten.

Verbindungen von Politik und Medien sind in Griechenland nichts Neues: So erzielte der ehemalige TV-Moderator Stavros Theodorakis mit seiner neugegründeten Partei "Der Fluss" bei den EU-Parlamentswahlen 2014 auf Anhieb 6,6 Prozent. Die Ex-Journalistin Maria Spiraki zog als Kandidatin von "Nea Dimokratia" auch ins Europaparlament ein - sie hatte zuvor jahrelang für "Mega Channel" über die Partei berichtet.

Politische Neubesetzung von Medienposten

Der wahre Grund für die Schließung des staatlichen Rundfunks ERT durch die griechische Regierung vergangenes Jahr soll - laut Journalisten - zudem ebenfalls politische Gründe gehabt haben. Offiziell sei die Schließung aufgrund des aufgeblähten und zu kostenintensiven Apparates von ERT erfolgt. Hinter verschlossenen Türen sei jedoch die politische Neubesetzung von Medienposten und die kritische Haltung und "falsche" politische Gesinnung vieler der "alten" ERT-Mitarbeiter der wahre Grund gewesen, heißt es aus Journalistenkreisen.

Was es auch letzten Endes für Gründe waren: Die Schließung sorgte für einen Sturm der Entrüstung. Journalisten streikten, sprachen von einer "Knebelung der Massenmedien" und einer neuen "Junta". Viele sahen die Pressefreiheit in Gefahr, die Demokratische Linke verließ aufgrund der Schließung die griechische Regierungskoalition. Bis zur Stürmung durch die Polizei Anfang November besetzten ehemalige ERT-Beschäftigte den Sender fünf Monate lang.

Rund 2700 Journalisten arbeiteten vor der Schließung bei ERT, dessen Nachfolgesender ERIT - der vergangenen Mai seinen offiziellen Betrieb aufnahm - soll nur noch etwa 1000 Mitarbeiter haben. Auch bei regionalen Zeitungen hätten Journalisten mit Schwierigkeiten zu kämpfen, meint Perakis: "Es gibt viele regionale Zeitungen, die kein Geld mehr haben und ihren Arbeitnehmern den Lohn schulden." (APA, 05.08.2014)

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