Jährliches Ringen um tägliches Turnen in der Schule

5. August 2014, 21:04
64 Postings

Bildungsministerium arbeitet noch immer an Stufenplan - Kinder verlieren fünf Lebensjahre aufgrund mangelnder Bewegung

Wien - Just bei einer Wanderung war es, als man dem Kanzler vergangenen Sommer ein Bekenntnis zur Bewegung entlockte: Eine tägliche Turnstunde in allen Pflichtschulen, und das ab Herbst 2014, versprach Werner Faymann (SPÖ) damals vor einigen Spitzensportlern im Schneeberggebiet. Ein Jahr später scheint der Vorstoß etwas zu sportlich gewesen zu sein. Konkret will man im rotgeführten Bildungsministerium heute gar nichts mehr sagen, nur so viel: Man arbeite an einem "Stufenplan zur täglichen Bewegungseinheit", der sei schließlich auch Teil des Regierungsprogramms.

Ab wann tatsächlich mehr Sport auf den heimischen Stundenplänen steht, bleibt unklar. "Wir fordern die Bildungsministerin auf, sich endlich darum zu kümmern. Jugendliche sind nicht sportscheu, man müsste uns nur motivieren", sagt Edin Kusutra, Sprecher der Schülerunion. Gerade für jüngere Schüler seien täglich 20 Minuten mit Sportübungen vor dem Unterricht wichtig, um Bewusstsein zu schaffen.

Wenig Bewegung trotz Konsens

An politischem Konsens dürfte die Umsetzung einer "täglichen Turnstunde" nicht scheitern. Im Jahr 2012 hat der Nationalrat einen Entschließungsantrag zur Einführung in Schulen wie auch Kindergärten beschlossen - erstmals in der Geschichte des Parlaments zogen dabei sechs Parteien an einem Strang. Bereits damals hieß es aus dem Bildungsministerium, dass nun sofort "Maßnahmen zur Umsetzung der täglichen Bewegungseinheit" ausgearbeitet würden - noch unter Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ).

In der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ betont die aktuelle Ressortchefin Gabriele Heinisch-Hosek, dass zur Umsetzung ihres noch nicht öffentlichen Stufenplans jedenfalls weder zusätzliche Lehrer noch Sportanlagen benötigt würden: Nach Ansicht der Ministerin könne schließlich auch "schulnahe Umgebung" wie etwa Wälder und Wiesen für "Raumerfahrung und Bewegung" genutzt werden.

Kinder verlieren Lebensjahre

Aktuell wurde das Thema wieder durch eine Studie des amerikanischen Sportartikelhersteller Nike: Der zufolge werden Kinder und Jugendliche, die heute in Österreich aufwachsen, fünf Jahre ihres Lebens verlieren, weil sie sich zu wenig bewegen und damit die erste Generation sind, die eine kürzere Lebenserwartung hat als ihre Eltern, berichtet das Ö1 -Morgenjournal. Bereits jedes fünfte österreichische Kind gilt als zu dick, viele würden aus Bewegungsmangel bereits an Bluthochdruck und Diabetes leiden. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 6.8.2014)

  • Wegen einer alarmierenden Studie wurde der Ruf nach einer täglichen Turnstunde wieder laut.
    foto: apa/schneider

    Wegen einer alarmierenden Studie wurde der Ruf nach einer täglichen Turnstunde wieder laut.

Share if you care.