golem.de: "Adblocker sind ein sehr großes Problem"

5. August 2014, 15:22
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Erste Reaktionen auf Abomodell für werbefreie Seite waren positiv, sagt golem.de-Chefredakteur Sterbenz: "Wir plädieren ans Gewissen"

Wien - Bei Webseiten von Tageszeitungen und Zeitschriften liege der Anteil der Adblock-User bei 20 bis 30 Prozent, schätzt Benjamin Sterbenz, "bei technikaffinen Zielgruppen sind es noch viel mehr." Eine technikaffine Zielgruppe hat auch das deutsche IT-Onlinemagazin golem.de, dessen Chefredakteur Sterbenz ist. Das katapultiert den Prozentsatz jener, die Werbung sperren, in Richtung 50 Prozent oder noch mehr; vorsichtig geschätzt.

"Adblocker sind ein sehr großes Problem", sagt Sterbenz im Gespräch mit derStandard.at: "Wir leben schließlich von der Werbung." Um die Abhängigkeit zu verringern hat golem.de - wie berichtet - am Montag ein Abomodell für eine werbefreie Seite eingeführt. Je nach Abodauer fallen Kosten zwischen 2,50 Euro und 4 Euro pro Monat an. Mit dem Start und der Akzeptanz der User ist er zufrieden, auch wenn es noch zu früh ist für eine erste Bilanz: "Wir sind aber überrascht, dass es so gut ankommt." Einen weiteren Schub erwartet er sich im September, "wenn die Leute aus dem Urlaub zurückkommen".

Modell wird adaptiert

Die ersten Reaktionen hätten gezeigt, dass es bei den Abomodellen noch Nachjustierungen braucht. Weitere Bezahloptionen sollen implementiert werden. Vielfach geäußert wurde beispielsweise der Wunsch, dass sich das Abo nach Ablauf der Bezugsdauer nicht gleich automatisch verlängert: "Die Leute scheuen davor zurück."

Neben jenen, die bereits ein Abo abgeschlossen haben, sei es auch gelungen, ein Stück Bewusstseinsbildung zu betreiben: "User haben uns gesagt, dass sie jetzt ihren Adblocker für unsere Seite deinstallieren werden", sagt Sterbenz, der seit Jänner 2014 die Geschicke bei golem.de leitet. Davor war der Österreicher Technikjournalist bei der "Futurezone".

Anti-Adblocker-Initiative

Bereits früher, nämlich 2013, war golem.de Teil einer Anti-Adblocker-Initiative, zu der sich Nachrichtenseiten wie spiegel.de und zeit.de formiert hatten. Das Ziel war, Lesern klarzumachen, dass sich Onlinejournalismus primär über Werbung finanziert. Das ist der "Preis", den User für kostenlose Inhalte im Netz zahlen. Eine Redaktion müsse finanziert werden.

Die Argumentation sei damals durchaus auf fruchtbaren Boden gefallen, resümiert Sterbenz, nicht wenige hätten ihren Adblocker abgedreht. Nur, der Erfolg war nicht von Dauer, bedauert er: "Unsere Adblock-Nutzer haben ja nicht den Vergleich zu anderen Seiten wie etwa focus.de und sehen nicht, dass unsere Werbeformen viel dezenter sind."

"Lehnen auch viele Werbeformen ab"

Was User stört, seien invasive Werbeformate, die sich über Inhalte legen, darauf verzichte golem.de bewusst; schon seit längerer Zeit: "Wir lehnen auch viele Werbeformen ab." Technisch hätte es auch die Möglichkeit gegeben, Inhalte von golem.de komplett für Adblock-User zu sperren. Die Folge wäre aber ein Katz- und Maus-Spiel gewesen, so Sterbenz. Sperren und umgehen. Mit der werbefreien Seite gebe es jetzt eine "faire Alternative". Und: "Wir plädieren ans Gewissen."

Golem.de hatte im Juni 1,33 Millionen Unique User und knapp zehn Millionen Visits. (omark, derStandard.at, 5.8.2014)

  • Golem.de verlangt für die werbefreie Version zwischen 2,50 Euro pro Monat bei einem Jahresabo und 4 Euro pro Monat für ein monatlich kündbares Abo.
    foto: golem

    Golem.de verlangt für die werbefreie Version zwischen 2,50 Euro pro Monat bei einem Jahresabo und 4 Euro pro Monat für ein monatlich kündbares Abo.

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