Das Silicon Valley will Nordkorea hacken

5. August 2014, 14:10
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Hacker, Programmierer und Entwickler wollen Informationskluft überwinden

Das Silicon Valley hatte schon immer Großes im Sinn. Die Tech-Gründer kamen mit ihren Geschäftsideen Hotels und Taxifirmen in die Quere, oder sie kümmerten sich um internetfähige Zahnbürsten. Jetzt richtet die Szene ihr Augenmerk auf das weitgehend isolierte Nordkorea.

Am Wochenende trafen sich rund 100 Hacker, Programmierer und Entwickler in San Francisco, um die Informationskluft zu überwinden, die das Land vom Rest der Welt trennt. Die Organisatoren der Human Rights Foundation tauften das Treffen „Hack North Korea". Es ist Teil einer breiter angelegten Kampagne, um mit dem Reichtum und dem Knowhow des Silicon Valley Probleme der realen Welt anzugehen. Und nur wenige Themen sind verzwickter als das diktatorisch regierte Nordkorea.

Der „Hackathon" folgt auf den Start eines Ballons Anfang des Jahres, der mit Demokratie-Flugblättern, südkoreanischen Seifenopern auf DVD und der koreanischen Wikipedia-Ausgabe auf USB-Sticks bestückt war. Bei dem Unterfangen wurde der Ballon über die demilitarisierte Zone geschickt, die die beiden koreanischen Staaten voneinander trennt.

Informationen per Mikro-Radio

Während des zweitägigen Events informierten Dissidenten über die Lage in dem Land. Dann präsentierten sie ihre Ideen, wie Technologie eingesetzt werden kann, um Informationen in das Land zu schleusen. Die Teilnehmer teilten sich daraufhin in mehrere Gruppen auf, um diese vagen Vorstellungen in konkrete Pläne umzuwandeln.

„Dies sind Menschen, die normalerweise nicht über Menschenrechte oder Nordkorea nachdenken. Und ich glaube, sie haben eine Menge gelernt", meint Direktor Alex Gladstein von der Human Rights Foundation. Die Veranstaltung endete am Sonntag wie die meisten Hackathons. Teilnehmer präsentierten ihre Pläne in vierminütigen Vorträgen vor einer Jury aus sechs Mitgliedern – drei davon aus dem Westen, drei aus Nordkorea.

Im Gewinnerteam waren auch zwei Zwillinge im Teenageralter vertreten. Die Gruppe präsentierte als Vorschlag ein System, mit dem Nordkoreaner im Inland einfacher an Echtzeit-Informationen gelangen können, berichtet Gladstein. Der Plan: Es sollen Mikro-Radio-Empfänger in der Größe von Kreditkarten verwendet werden. Diese könnten Signale aus dem Süden empfangen und entweder ins Land geschmuggelt oder per Ballon abgeworfen werden.

Spenden

Darüber hinaus will das Team südkoreanische Satelliten-Übertragungen nutzen, die für China bestimmt sind, aber Nordkorea passieren. Das Team spricht vom Einsatz einfach zu versteckender Satellitenempfänger, in die Nordkoreaner direkt ihre Fernseher anschließen könnten. Für ihren Siegerbeitrag darf das Gewinnerteam gratis nach Südkorea reisen, sich dort mit Regimegegnern treffen und versuchen, ihre Idee zu verwirklichen.

Seit einigen Jahren umgarnen Gruppen wie die Human Rights Foundation das Silicon Valley als Finanz- und Inspirationsquelle. Google -Gründer Sergey Brin und seine Frau Anne Wojcicki sowie Wagniskapitalgeber Peter Thiel sind großzügige Spender für gemeinnützige Organisationen.

Die aktuelle Nordkorea-Kampagne finanziert der Wagniskapitalgeber Alexander Lloyd. Er sei das erste Mal auf das Land aufmerksam geworden, als die übergelaufene Hyeonseo Lee die Geschichte ihrer Flucht aus dem abgeschotteten Land erzählte.

Ganz klar: Nordkorea ist Cyber-Kriegsführung nicht fremd. Das Land beschäftigt seine eigenen Legionen von Hackern, die offenbar den Süden attackieren, auch wenn das Regime dies abstreitet. Im Juni erklärte eine Dissidentengruppe aus Seoul, dass Pjöngjang eine von Diktator Kim Jong-un unterzeichnete Anordnung herausgegeben habe, wonach sich der Norden von den Cyberattacken des Südens abschotten soll. (JONATHAN CHENG, WSJ.de/DerStandard.at, 5.8. 2014)

  • Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un
    foto: reuters

    Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un

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