Hightech-Bettwäsche aus Vorarlberg meldet Nässe im Patientenbett

5. August 2014, 12:39
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Edelstahlgarne dienen als Feuchtigkeitssensoren, im Nässefall wird das Pflegepersonal alarmiert

Hohenems/Wien - In Pflegeheimen muss das Personal regelmäßig händisch prüfen, ob die Bettwäsche der Patienten trocken ist. Das Vorarlberger Textil-Forschungsinstitut V-Trion will diese für Personal wie Patienten unangenehme Prozedur nun obsolet machen: Intelligente Bettlaken mit integrierten Feuchtigkeitssensoren sollen künftig melden, wenn sie nass sind.

Auf die Laken werden Edelstahlgarne als leitende Strukturen gestickt, die über ein Sender-Empfänger-System (RFID - radio-frequency identification) dem Pflegepersonal signalisieren, wenn sie nass sind und getauscht werden sollten, erklärt Günter Grabher von V-Trion. Da die Edelstahlgarne nicht hart und starr wie Draht seien, sondern eher der weichen und textilen Struktur von Wollgarn ähneln, bleibe der Liegekomfort unverändert.

Einsatz steht kurz bevor

Das gemeinsam mit anderen Unternehmen entwickelte Bettlaken soll bereits in den nächsten Monaten im Pflegeheim Dornbirn eingesetzt werden, so Grabher. Auch eine Weiterentwicklung sei schon im Gang. "Mit diesen leitenden Textilstrukturen kann man auch die Temperatur messen und somit feststellen, ob sich ein Patient gerade im Bett befindet oder nicht", erklärte er. Dies wäre speziell bei Demenzkranken im Eigenheim hilfreich.

Intelligente Bandagen

Außerdem arbeitet das Institut derzeit an Bandagen, die den Stand der Wundheilung anzeigen. "Wenn sich eine Wunde entzündet, ändert sich der pH-Wert in der Wunde, und dies wird durch eine Bandage mit integrierten Messstreifen nach außen hin angezeigt", sagt Grabher. Dadurch müsse man einen Verband nicht oftmals wechseln, um Wunden zu kontrollieren, wobei immer wieder frisch gewachsene Zellen abgerissen werden. "Es sollte dementsprechend die Wundheilung fördern, wenn man den Zustand objektiv von außen beurteilen kann."

Zahlreiche Anwendungsbereiche

Das V-Trion Forschungsinsitut mit Sitz in Hohenems, das kürzlich außerordentliches Mitglied des Dachverbands der angewandten Forschungsinstitute "Austrian Cooperative Research" (ACR) wurde, entwickelt zudem gestickte Carbonfasern für Elektroauto-Karosserien und textile Elektroden für deren Batterien. Die Arbeit an Hightech-Textilien sei eine Reaktion auf Schließungen und das Abwandern von großen Textilbetrieben aus Vorarlberg, wo diese Industrie traditionell stark sei, so das ACR in einer Aussendung.

"Inzwischen werden 50 Prozent der in Europa produzierten Textilien nicht klassisch als Kleidung oder Möbelstoffe verarbeitet, sondern laufen in technische Bereiche wie die Automobilindustrie, Medizintechnik, Bauindustrie oder Luft- und Raumfahrt", so Grabher. Vorreiter sei die Flugzeugindustrie, wo schon viele sogenannte "Smart textiles" im Einsatz und erprobt seien. Das größte Potenzial sei aus der Automobilindustrie zu erwarten.


Am 23. Oktober findet eine Konferenz zum Thema statt: Beim "2. Internationalen Bodensee Textil-Kooperations-Forum 2014" in Bregenz werden Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz über den Einsatz von intelligenten Textilien informieren. Auch im Rahmen der diesjährigen Alpbacher Technologiegespräche werden am 22. August "Advanced Materials und Smart Textiles" diskutiert.

Link

V-Trion Textile research

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