Ampel: Werde doch grün!

5. August 2014, 12:36
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Bevor es Autos gab, gab es den ersten Prototyp einer gasbetriebenen Ampel - Gefeiert wurde am 5. August aber der hundertste Geburtstag der elektronischen Ampel - Hier einige interessante Details

Zuerst war die Ampel, dann das Auto, das sie in die Schranken weist. Der Prototyp der leuchtenden Verkehrsregelung war eine Gaslaterne mit den Farben Rot und Grün - 1868 wurde sie am Londoner Parliament Square aufgestellt. Ihre Aufgabe war es, nachts den Verkehr in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch die Erfindung war gefährlich: Drei Wochen nach Inbetriebnahme explodierte sie und verletzte den Polizisten, der sie bediente.

foto: apa/daniel bockwoldt
Eine mit einem Herz verschönerte Ampel für Fahrradfahrer in Berlin.

Die erste elektrische Ampel

Fast 50 Jahre dauerte es danach, bis am 5. August 1914 im US-amerikanischen Cleveland das erste elektrische Exemplar in Betrieb ging - ebenfalls mit den Farben Grün und Rot. Ein Polizist bediente das Gerät von einer Hütte aus - eine Klingel warnte vor dem unmittelbaren Farbwechsel. Als Erfinder gilt der Amerikaner Garrett Morgan. Mittlerweile hatte Carl Benz auch schon den Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 erfunden - das erste Auto.

foto: siemens ag
1924 installiert Siemens auf Berlins Potsdamer Platz die erste automatisch arbeitende Verkehrsampelschaltung (Bild von 1936).

Die ersten dreifarbigen Ampeln wurden 1920 in Detroit und New York aufgestellt. Vorbild dafür waren die Eisenbahnsignale. In Europa erfolgte dies 1922 in Paris und Hamburg. Auf dem Berliner Potsdamer Platz, damals dem verkehrsreichsten Platz Europas, ging 1924 der berühmte fünfeckige Ampelturm in Betrieb.

Die erste Fußgängerampel

1952 befahl die erste automatische Fußgängerampel den New Yorkern: "Don't Walk". Kurze Zeit später wurden auch in Deutschland Leuchtfelder mit den Worten "Warten" und "Gehen" angebracht. Doch Fußgänger hielten sich angeblich nicht gerne daran. Der Verkehrspsychologe Karl Peglau erfand schließlich 1961 in der DDR das Ampelmännchen. Die erste Ampelfrau ging 2004 in Zwickau in Betrieb.

foto: apa/peter endig
Die ostdeutschen Ampelmännchen, der "Stopper" und der "Läufer", feierten 2011 ihren 50. Geburtstag.

Zeitvertreib beim Warten

Angesichts der Geschichtsträchtigkeit der Signallichter ist der Zeitvertreib der Österreicher beim Warten auf Grün geradezu belanglos: Beobachten ist die Lieblingsbeschäftigung der Österreicher - jeder Zweite sieht sich andere Verkehrsteilnehmer oder die Umgebung genauer an, wie eine Umfrage von AutoScout24 unter 515 österreichischen Autofahrern ergab.

foto: derstandard.at/gueb
Kreatives Upcycling von Ampeln des Wiener Labels Garbarage.

Etwa ein Drittel entspannt gerne beim Warten, jeder Sechste sieht sich wartende Autos an. Der beliebteste Zeitvertreib bei den aktiveren Autofahrern: Wechsel des Radioprogramms oder der CD, Kommunikation mit dem Beifahrer, SMS tippen oder essen und trinken. Jeder Zehnte verbringt die Wartezeit fluchend.

Zum hundertsten Geburtstag wünschen sich die Verkehrsteilnehmer intelligentere Ampeln: Lichter, die das aktuelle Verkehrsaufkommen erfassen und ihre Rot- oder Grünphasen danach ausrichten. Mehr als die Hälfte der Befragten fände Ampeln gut, die die verbleibende Zeit der Rot- oder Grünphase anzeigen, wie in anderen Ländern bereits üblich. (derStandard.at, 5.8.2014)

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