Weltbank verspricht 200 Millionen Dollar für Kampf gegen Ebola

5. August 2014, 06:30
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Seitens der Afrikanischen Entwicklungsbank sollen weitere 60 Millionen Dollar fließen - Mann mit Verdachtssymptomen in New Yorker Krankenhaus

Washington - Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika will die Weltbank ein Notprogramm in Höhe von 200 Millionen Dollar (knapp 150 Millionen Euro) auflegen. Die Hilfe diene kurzfristig zur Finanzierung von Fachpersonal, Ausrüstung und Vorbeugemaßnahmen in den am meisten betroffenen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone, teilte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim am Montag mit.

Gleichzeitig sollen die Länder aber auch wirtschaftlich unterstützt werden. Vonseiten der Afrikanischen Entwicklungsbank sollen weitere 60 Millionen Dollar fließen, wie Mitarbeiter berichteten.

Abstimmung mit WHO

Nach Angaben Jim Yong Kims muss das Programm noch vom Verwaltungsrat abgesegnet werden, dies dürfte noch Ende der Woche geschehen. Rasche Maßnahmen seien dringend geboten, mahnte der Weltbank-Präsident, der selbst Experte für Infektionskrankheiten ist. Mit Sorge verfolge er, wie die Ausbreitung des tödlichen Virus zum Zusammenbruch der "vorher schon schwachen Gesundheitssysteme" in allen drei Staaten führe. Sollte es nicht gelingen, den Vormarsch der Seuche zu stoppen, seien zahlreiche weitere Leben in Gefahr.

Bei ihrem Notprogramm wird sich die Weltbank demnach eng mit der Weltgesundheitsbehörde WHO abstimmen. Nach deren jüngsten Angaben sind dem Virus inzwischen 887 Menschen zum Opfer gefallen, die Zahl der Infektionen und Verdachtsfälle stieg auf 1.603.

Demonstrationen in Liberia

In der liberianischen Hauptstadt Monrovia haben am Montag Demonstranten aus Wut über das Behördenversagen die Straßen lahmgelegt. Die Betroffenen wollen erzwingen, dass die verwesenden Leichen geborgen werden.

In einem New Yorker Krankenhaus steht unterdessen ein Mann unter Beobachtung, der ähnliche Symptome wie bei Ebola aufweist. Zwar glaube er nicht, dass sich der Verdacht bestätigen werde, dennoch stehe der Mann unter strikter Quarantäne, sagte der Leiter der Notaufnahme im Mount Sinai Hospital, David Reich. Der Patient sei kürzlich in eines der betroffenen westafrikanischen Länder gereist. Das Ergebnis seines Tests werde in spätestens drei Tagen erwartet.

Gefahr der "Einschleppung" nach Europa gering

Angst vor einer Ausbreitung von Ebola auf Europa ist nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg unbegründet. "Es ist absolut unwahrscheinlich, dass es in Europa zu einer Epidemie kommt", sagte der Leiter der Virusdiagnostik, Jonas Schmidt-Chanasit, am Dienstag.

Der Experte räumte allerdings ein, mit den steigenden Infektionszahlen und immer mehr Helfern aus Europa steige das Risiko, dass ein Erkrankter einreise. "Aber gleichzeitig verstärken die Länder ihre Maßnahmen, damit Infizierte ihre Heimat erst gar nicht verlassen können."

Wie gering das Risiko der "Einschleppung" des Ebola-Virus nach Österreich ist, ergibt sich auch aus dem marginalen Reiseverkehr zwischen Österreich und Ländern wie Sierra Leone, oder Liberia, sagt der Wiener Spezialist Herwig Kollaritsch: "Ich habe in 30 Jahren Tätigkeit als Reise- und Tropenmediziner keinen einzigen 'touristisch' Reisenden betreut, der in Liberia oder Sierra Leone war", .

Dafür gibt es mehrere Gründe. "Sierra Leone war ja zum Beispiel lange ein Bürgerkriegsland. Das war eine 'No-Go-Area für Touristen", erklärte der Tropen- und Reisemediziner am Dienstag gegenüber der APA. Ähnliches hätte viele Jahre lang auch für Liberia gegolten. Außerdem seien die westafrikanischen Staaten, die derzeit von dem Ebola-Ausbruch betroffen sind, keineswegs reich an Touristenattraktionen.

Damit schränkt sich der Reiseverkehr - Direkt-Flugverbindungen zwischen Liberia, Sierra Leone, Nigeria und Guinea nach Österreich gibt es nicht - auf Angehörige von Hilfsorganisationen, Regierungsvertreter und ebenfalls wenige Business-Reisende ein. Diese aber sind über allfällige Infektionsrisiken informiert.

Eindeutig negiert wird von Experten auch die Gefahr der Einschleppung des Ebola-Virus durch Flüchtlinge. "Wer an Ebola erkrankt, kann nicht mehr herumlaufen", führte Kollaritsch die tragische Seite für die Betroffenen an. Flüchtlinge aus den von dem Ausbruch derzeit betroffenen Ländern kämen nicht mit dem Flugzeug in die westliche Welt. Und bis sie sich auf Landweg durchgekämpft hätten, sei die Inkubationszeit längst vorbei.

Drei Wochen Inkubationszeit

Die Ebola-Inkubationszeit beträgt bis zu drei Wochen. Erst bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen könne der Betroffene das Virus weitergeben, sagte der Wissenschafter. "Dafür ist ein enger Kontakt mit Erkrankten oder verstorbenen Patienten notwendig - wie ihn etwa Angehörige haben." Bei dem Schreckensszenario, man sitze zufällig neben einem unerkannt Infizierten in der U-Bahn, bestehe keine Übertragungsgefahr. "Dafür müsste man mit dem Blut oder Erbrochenen in Berührung kommen."

Das Ebola-Virus löst hämorrhagisches Fieber aus, das in vielen Fällen zum Tod führt. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen. (APA/AFP, 5.8.2014)

  • "Ebola finally in town": "Daily Talk" informiert in Liberia über die Epidemie.
    foto: epa/ahmed jallanzo

    "Ebola finally in town": "Daily Talk" informiert in Liberia über die Epidemie.

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    grafik: apa
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