Ebola: Proteste gegen verwesende Leichen in Liberia

4. August 2014, 18:17
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Straßenverkehr in der Hauptstadt Monrovia wurde behindert - laut WHO bereits fast 900 Tote

Monrovia - Aus Wut über das Behördenversagen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie haben Demonstranten am Montag die liberianische Hauptstadt Monrovia lahmgelegt. Die Betroffenen wollen erzwingen, dass die Leichen geborgen werden: "Wir lassen keine Fahrzeuge durch, bis die Regierung kommt und die Toten holt, die seit vier Tagen in den Häusern liegen", sagte Kamara Fofana im Vorort Douala.

Alleine in seiner Gemeinde seien kürzlich vier Menschen vermutlich an Ebola gestorben, sagte der 56-Jährige. Weil die Regierung davor gewarnt hat, die Leichen zu berühren, traue sich niemand, sie zu bestatten. "Meine tote Mutter liegt seit fünf Tagen im Haus", sagte Miatta Myers, der sich im Zentrum der Stadt an dem Protest beteiligte. "Der einzige Weg, die Aufmerksamkeit der Regierung zu bekommen, ist es, die Straßen abzuriegeln."

Mehrere Dutzend Demonstranten

Die ersten Straßensperren wurden am Wochenende errichtet, am Montag weitete sich der Protest aus. Reporter zählten mehrere Dutzend Demonstranten. Liberia wird neben Guinea und Sierra Leone seit Anfang des Jahres von der bisher schlimmsten Ebola-Epidemie getroffen.

Die Zahl der Ebola-Toten in Westafrika ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf 887 gestiegen. Insgesamt seien bis Monatsanfang 1.603 Erkrankungen mit dem tödlichen Virus registriert worden, teilte die UN-Organisation am Montag mit. In Nigeria - das vierte von der Epidemie getroffene Land - gebe es inzwischen bis zu vier Fälle, darunter ein Toter.

Die Krankheit war in Guinea ausgebrochen und breitete sich dann in Sierra Leone, Liberia und nun auch Nigeria aus. Die Epidemie ist nach Einschätzung der WHO außer Kontrolle. Das Virus führt in 60 bis 90 Prozent aller Fälle zum Tod. (APA, 4.8.2014)

  • Auch in Johnsonville in der Nähe von Monrovia wurde am Montag gegen die Behörden protestiert.
    foto: apa/epa/ahmed jallanzo

    Auch in Johnsonville in der Nähe von Monrovia wurde am Montag gegen die Behörden protestiert.

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