Erstmals Pflegeelterngeld für jugendlichen Flüchtling in Salzburg

5. August 2014, 05:30
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Laut Sozialabteilung des Landes sei dies ein Einzelfall - Flüchtlingsreferenten der Länder bemühen sich um österreichweite Regelung in der Grundversorgung

Salzburg - Said* ist seit einem Jahr in Österreich. Der 16-jährige Afghane wohnte bis vor kurzem in einer betreuten Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nun hat ihn eine Pflegefamilie in Salzburg aufgenommen. Seine Pflegemutter hat den 16-Jährigen über die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) kennengelernt und als Mentorin betreut. Heute kann er ganz offiziell bei ihr wohnen, seine Pflegemutter erhält für ihn Pflegeelterngeld.

Die Kija Salzburg möchte dieses Modell der Unterbringung ausbauen. "Ich denke, dass sich viele Menschen vorstellen könnten, Gastfamilie zu sein, wenn ihnen die bürokratischen Formalitäten abgenommen würden und die Jugendlichen zusätzlich rechtliche und psychosoziale Begleitung bekämen" , sagt die Salzburger Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt. Die Jugendlichen sollten weiterhin an der WG angedockt bleiben und dort Sprachkurse absolvieren.

Grundsatzdilemma

In der Sozialabteilung des Landes betont man, es handle sich um einen Einzelfall. Es ändere nichts an dem Grundsatzdilemma, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nicht unter die Jugendwohlfahrt, sondern in die Grundversorgung fallen. Auch bei der Novelle des Jugendwohlfahrtsgesetzes werde sich daran wohl nichts ändern. Der Gemeindebund stelle sich quer, heißt es aus dem Büro des Soziallandesrats Heinrich Schellhorn (Grüne).

Auch die Asylkoordination hält eine Unterbringung in Pflegefamilien für manche minderjährige Flüchtlinge für sinnvoll und förderwürdig. "Rechtlich gesehen spricht nichts dagegen. Es scheitert an der mangelnden Bereitschaft der Länder, einzusehen, dass ein Jugendlicher ein Jugendlicher ist, egal woher er kommt", kritisiert Katharina Glawischnig von der Asylkoordination.

"Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge leben hier de facto wie Kinder und Jugendliche zweiter Klasse", kritisiert Holz-Dahrenstaedt. Mit Tagsätzen aus der Grundversorgung von 77 Euro steht für Flüchtlingskinder nur ein Drittel von dem zur Verfügung, was für Kinder, die im Rahmen der Jugendhilfe fremduntergebracht sind, ausgegeben wird. Da bleibt kein Geld für Freizeitgestaltung oder einen Ausflug. Behördengänge oder Termine beim Arzt müssen die Jugendlichen trotz mangelnder Sprachkenntnisse alleine bewältigen.

Auch den zuständigen Integrationslandesräten dürfte dieses Dilemma bewusst sein. In einer österreichweiten Arbeitsgruppe zur Valorisierung der Grundversorgung werde derzeit die Unterbringung in Pflegefamilien diskutiert, erklärt die Salzburger Integrationslandesrätin Martina Berthold (Grüne). Die Idee sei: Pflegefamilien als organisierte Unterbringung zu werten. 670 Euro monatlich sollen aus der Grundversorgung für Pflegefamilien zur Verfügung stehen. Damit wäre die Finanzierung mit dem Pflegeelterngeld gleichgestellt. Der Vorschlag soll im September bei der Flüchtlingskonferenz in Kärnten aufs Tapet gebracht werden.

Kaserne Ebelsberg ungeeignet

Unterdessen zieht sich die Suche nach geeigneten Asylquartieren in die Länge. In der Hiller-Kaserne in Linz-Ebelsberg werden nun doch keine Asylwerber untergebracht. Das Vorhaben sei am Widerstand des Linzer Bürgermeisters Klaus Luger (SPÖ) gescheitert, heißt es aus dem Innenministerium. Dafür habe sich das Land verpflichtet, bis Ende August die Quote von 88 Prozent zur Unterbringung zu erfüllen. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 5.8.2014)

*Name von der Redaktion geändert

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