Wie die Buwog-Millionen Flügel bekamen

4. August 2014, 18:45
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Mit dem Lobbyisten Meischberger reiste das Geld aus der Buwog-Provision mitunter sehr weit

Wien - Kommt die Causa Buwog/Grasser zur Anklage, werden Prozessbeobachter auf Reisen gehen - zumindest virtuell, wenn die Geldströme der Buwog-Provision thematisiert werden.

Die 9,6 Mio. Euro, die die Lobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger bekamen, sind auf drei Konten (Natalie, Karin und 15444) gelandet. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass über Letztere Makler Ernst Karl Plech und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser profitiert haben - was die Beschuldigten aber vehement bestreiten.

Die Zahlungsströme führten von einer Immofinanz-Gesellschaft über Hocheggers Astropolis auf Zypern übers steuermilde Delaware (Omega LLC.) nach Liechtenstein. Dort hoben die wirtschaftlich Berechtigten der Omega Meischbergers Tranche ab; eingezahlt wurde es auf die drei Nummernkonten. Von dort ging es wieder bar weiter, rund 1,5 bis 1,7 Mio. Euro wurden Meischberger laut dessen Darstellung in Scheinen übergeben - bevorzugterweise im Hotel am Stephansplatz.

Die Omega LLC. ist jene "Dienstleistungs- und Warengesellschaft" mit Konten in Liechtenstein, die von Vorarlbergern 2000 in New York gegründet wurde. Sie war auch Briefkasten, wie sich aus Einvernahmen der Involvierten erhellt. Interessierte konnten Zahlungen über die Omega laufen lassen - gegen fünf Prozent Provision. Über seinen Banker war Meischberger 2005 mit den Omega-Leuten in Kontakt gekommen. "Er wollte eine Firma benutzen, um den Anteil seiner Provisionen aus Immobiliengeschäften, die er im Ostblock gemacht habe, nach Liechtenstein zur Hypo Investmentbank (HIB; Anm.) zu transferieren", sagten die aus.

Insgesamt kassierte die Omega daraus rund 400.000 Euro. Meischberger selbst nannte das Delaware-Vehikel gegenüber den Ermittlern einmal eine "Servicegesellschaft: Ich kann sie für Abrechnungen verwenden ... Dafür ist mein Geld auf meinen Konten im Ausland gelandet." Er sei "froh gewesen, dass das jemand organisiert hat. Für mich war das eine logische Kette". Auf die Frage der Ermittler, wie er das in Bezug aufs Versteuern gesehen habe, antwortete Meischberger so: "Die Zahlung der Kommission anstelle der Steuer sah für mich steuergünstiger aus." Zur Erinnerung: Im September 2009, als die Causa Buwog ruchbar wurde, erstattete der damalige Grasser-Freund Selbstanzeige bei der Finanz.

Buwog, nicht Ostblock

Wann immer damals, ab 2006, Geld von der Astropolis bei Omega eintrudelte, setzte sich ein Geldringelspiel in Gang: Ein Mitarbeiter der Omega-Eignerin (AGT Trading) behob die Provisionstranche und "übergab sie bar an einen Mitarbeiter der Bank, der sie auf ein HIB-Konto Meischbergers einzahlte", beschrieb es eine Beschuldigte. Dass das Geld in Wirklichkeit auf drei Konten aufgeteilt wurde, habe sie erst anlässlich einer Hausdurchsuchung Anfang 2010 erfahren. Und dass es nicht aus "Immobilien im Ostblock" stammte, sondern aus der Buwog-Privatisierung in Österreich, habe sie erst im Herbst 2009 erfahren. Und zwar bei einem Termin mit Meischberger und seinem Anwalt, bei dem sie "wissen wollte, was da wirklich los war". Erst danach habe die Bank dann übrigens eine Geldwäscheverdachtsmeldung erstattet.

Wie die Geschichte mit den Bareinzahlungen davor von der HIB behandelt wurde, das erschließt sich aus diversen Aktennotizen und den obligatorischen "vertieften Abklärungen" in der Bank. Bloß ein Beispiel, wie die aussahen: Am 9. November 2007 wurden 889.185 Euro bar eingezahlt. Die Transaktion wurde von einem Banker geprüft und als "plausibel" eingestuft. Ihr wirtschaftlicher Hintergrund sei die "Vermittlung von internationalen Immobilientransaktionen", die Vermögenswerte stammten aus Zypern; "die Zyprioten haben einen Gewinnabführungsvertrag mit der Omega. Von dieser werden die Mittel bar behoben und auf die Konti der wirtschaftlich Berechtigten bezahlt." Tranche für Tranche wurde so abgenickt.

Auf die Bareinzahlung folgte die Barabhebung, im Koffer gelangte das Geld Meischbergers dann eben nach Wien.

Oft flog es danach auch weiter - nach Ibiza. Meischberger ("Als ich die Konstruktion über die Omega organisierte, wusste ich noch nicht, was ich mit dem ... Geld machen werde.") brachte laut eigener Aussage "rund 600.000 Euro nach Spanien". Um sich "ungefähr 2006" eine Wohnung in Ibiza zu kaufen. Das Geld dafür habe er auf seinen Flügen "in bar in kleinen Tranchen" mitgenommen. (Renate Graber, DER STANDARD, 5.8.2014)

  • In der Causa Privatisierung der Bundeswohnungen Buwog spielt der Finanzplatz Vaduz eine zentrale Rolle. Die inkriminierte Provision mäanderte ab 2006 über den halben Erdball, bevor sie (zum Teil in bar) in Wien landete
    foto: dpa/hildenbrand

    In der Causa Privatisierung der Bundeswohnungen Buwog spielt der Finanzplatz Vaduz eine zentrale Rolle. Die inkriminierte Provision mäanderte ab 2006 über den halben Erdball, bevor sie (zum Teil in bar) in Wien landete

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