Beteiligung bei türkischer Auslandswahl unter den Erwartungen

4. August 2014, 17:26
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In Österreich stimmten nur zehn Prozent über den nächsten Präsidenten ab, international lag der Schnitt sogar noch darunter

Wien/Berlin/Ankara - Die erste Wahl von Auslandstürken an ihren Wohnorten ist zu einer herben Enttäuschung für den türkischen Regierungschef und Präsidentschaftskandidaten Recep Tayyip Erdogan geworden. In Österreich, wo Erdogan im Juni eigens zu einem Wahlkampfauftritt angereist war, gaben von rund 104.000 wahlberechtigten Türken laut der Auslands-Wahlbeobachtergruppe Gurbetin Oylari nur 10.433 ihre Stimme ab - knapp zehn Prozent.

Der Durchschnitt bei den Auslandstürken in der EU und weltweit lag noch tiefer: Nur 8,9 Prozent der 2,8 Millionen türkischen Wahlberechtigten ließen sich für die Stimmabgabe registrieren. Die meisten sollen aber die Frist verpasst haben. Zu einem Gastspiel von Fenerbahçe in Kopenhagen seien mehr Türken gekommen als zur Wahl, wurde der türkische Botschafter in Dänemark enttäuscht zitiert.

Auch in Deutschland wenige Wähler

In Deutschland war die Wahlbeteiligung ähnlich niedrig wie in Österreich. Für die 1,4 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland hatte die türkische Regierung in großen Städten der Bundesrepublik sieben Messe- und Veranstaltungshallen zu Wahllokalen umfunktioniert - darunter auch das Berliner Olympiastadion. Laut der Zeitung "Cumhuriyet" wurden aber in manchen Wahllokalen 30 Prozent der Wahlwilligen zurückgewiesen, weil sie sich zuvor nicht für die Stimmabgabe angemeldet hatten. Eigentlich hatte die türkische Wahlbehörde mit einer Beteiligung von 30 bis 35 Prozent gerechnet.

Bisher mussten die Türken in die Heimat zurückfahren, um an Wahlen teilzunehmen. Auch dieses Mal können sie noch bis zum Wahlsonntag am 10. August ihre Stimmkarte an Flughäfen und an den Grenzen einwerfen; das dürfte die Zahlen verbessern. Vor allem Erdogan hatte auf die Auslandstürken gesetzt. (mab, bau, DER STANDARD, 5.8.2014)

  • Auch das Berliner Olympiastadion wurde zu einem riesigen Wahllokal für Auslandstürken umfunktioniert.
    foto: epa/maurizio gambarini

    Auch das Berliner Olympiastadion wurde zu einem riesigen Wahllokal für Auslandstürken umfunktioniert.

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