Wiener Gemeinderat: "Wilder" Abgeordneter Aigner wird FPÖ-Mitglied

4. August 2014, 15:42
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Klubeintritt offenbar rechtlich nicht möglich - Causa Krauss ausschlaggebend - Gudenus will Neuzugang keinen fixen Listenplatz für Wien-Wahl 2015 versprechen

Wien - Der einzige "wilde" Abgeordnete im Wiener Gemeinderat und Landtag, Wolfgang Aigner, macht sein Naheverhältnis zur FPÖ gewissermaßen offiziell. Der klubunabhängige Mandatar wird Parteimitglied der Blauen. In den Klub könne er "aus rechtlichen Gründen" aber nicht wechseln, versicherte Klubchef Johann Gudenus in einer Pressekonferenz. Im Wien-Wahlkampf soll Aigner aber sehr wohl eine Rolle spielen.

Aigner war ursprünglich für die ÖVP in das Stadtparlament eingezogen, kehrte allerdings im Herbst 2011 Partei bzw. Klub den Rücken und werkte fortan als klubunabhängiger Abgeordneter. Es dauerte allerdings nicht lange, bis Aigner an die FPÖ angedockt war. Schon wenige Wochen nach seinem Austritt stellten ihm die Freiheitlichen ein Büro zur Verfügung und luden ihn ein, an blauen Klubsitzungen teilzunehmen.

"Ich will keine österreichischen Jihadisten"

Aigner argumentierte am Montag, als er medienwirksam sein Beitrittsformular unterschrieb, dass die FPÖ viele seiner Positionen vehement vertrete - etwa in Sachen differenziertes Schulsystem, "Heimatbezug" oder dem Fokus auf Christen in der Asylfrage. "Für wen der Islam so lebensbestimmend ist, der kann ja auch nach Katar oder Saudi-Arabien gehen, da gibt's genug Geld. Ich will hier keine österreichischen Jihadisten", führte der Neo-FPÖler aus. Den Ausschlag für die Entscheidung habe allerdings die Causa Maximilian Krauss bzw. die kürzliche Entscheidung von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), den nominierten Vize-Stadtschulratspräsidenten vorerst nicht zu ernennen, gegeben.

Gudenus freute sich, den "blendenden Rhetoriker" in der "FPÖ-Familie" begrüßen zu dürfen. In den Klub könne Aigner allerdings nicht wechseln - aus rechtlichen Gründen. Denn dies ginge nur, wenn Aigner auf einer FPÖ-Liste gereiht wäre. In den Wahlkampf sei der personelle Neuzugang fix eingeplant. Einen sicheren Listenplatz, um den Klubeintritt nach der Wien-Wahl 2015 doch noch zu ermöglichen, wollte Gudenus Aigner heute aber nicht versprechen. Für derlei Fragen sei es ein Jahr vor dem Urnengang noch zu früh.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bezeichnete Aigner als "Mensch mit Charakter". Er freute sich, dass Aigner die Angelegenheit Krauss zum Anlass genommen habe, sich klar zu positionieren. (APA, 4.8.2014)

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