Gutes Ende für Marmor und die Liebe

4. August 2014, 17:30
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Jean-Philippe Rameaus Einakter "Pigmalion" und "Anacréon" auf Schloss Greinburg

Da hat der arme Pigmalion (sic!) schon sechs Flaschen Rotwein ausgepichelt, der Liebeskummer will aber trotzdem nicht weichen! Was nicht verwunderlich ist, schließlich hat sich der antike Bildhauer in eine von ihm selbst geschaffene Frauenstatue verliebt. Indes, in der Mythologie wie auch im efeuumrankten Arkadenhof der Renaissanceburg von Grein an der Donau, kommt es zum Happy End: Göttin Aphrodite erweckt den kalten Marmor zum Leben.

Und zum Singen: Seit zwanzig Jahren schon wird an der Spielstätte im oberösterreichischen Strudengau allsommerlich Barockoper gespielt. Für heuer hat Intendantin Michaela Gaigg den 250. Todestag von Jean-Philippe Rameau zum Anlass genommen, um zwei Einakter dieses zu selten aufgeführten Komponisten vorzustellen: Pigmalion und Anacréon.

Es ist bewundernswert, welch exzellente Produktion in Grein mit einem Minibudget gezaubert worden ist! Das Bühnenbild (Isabella Reder) ist schlicht, aber dank goldfarbener und mondrianschen Farbmuster-Flächen reizvoll, und die vier Tänzerinnen, die die recht aufwendigen Ballettszenen ersetzen, sind die halbe Zeit der zwei Stunden im von Rose Breuss choreografierten Einsatz.

Die jungen Solisten erweisen sich unter der Regie von Manuela Kloibmüller nicht nur als ausgezeichnete Sänger, sondern auch als darstellerisch begabt: der auch in hohen Lagen sichere Tenor David Munderloh (Pigmalion/Batile), der volltönende Grazer Bariton Markus Volpert (Anacréon), die belgische lyrische Sopranistin Soetkin Elbers (Aphrodite, Chloé) und die schwedische Mezzosopranistin Annastina Malm (die Statue!).

Da meinte es der Himmel gut und bescherte ein traumhaftes Premierenwetter. (hast, DER STANDARD, 5.8.2014)

8., 9., 10.8., 18.00

  • Tanzen nach Mythen: "Pigmalion" in Grein.
    foto: reinhard winkler

    Tanzen nach Mythen: "Pigmalion" in Grein.

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