Asylwerber: Diphtherie-, Meningitis- und Polio-Impfung wichtig

4. August 2014, 11:00
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Eventuell fehlende Immunisierungen sollten unbedingt nachgeholt werden, so die Autoren des Österreichischen Impfplans

Asylwerbern werden in Österreich laut Auskunft des Innenministeriums auch "Catch-up"-Impfungen für eventuell fehlende Immunisierungen gemäß dem Österreichischen Impfplan angeboten. In den aktuellen Empfehlungen ist hier besonders von Meningokokken, Polio und Diphtherie die Rede.

Risikogebiete für Meningokokken

Meningokokken kommen weltweit vor, die größte Bedeutung für das Auftreten von invasiven Erkrankungen haben die Gruppen A, B, C, W-135 und Y. In Österreich werden jährlich etwa 60 bis 100 Erkrankungsfälle (ca. 50 bis 70 Prozent durch Meningokokken der Gruppe B und 20 bis 30 Prozent durch Meningokokken der Gruppe C) registriert, heißt es im Österreichischen Impfplan.

Klassische Hochrisikogebiete für Meningokokken A oder W135 sind Afrika und der Nahe Osten. In Afrika sind die Sahelzone, aber auch die ostafrikanische Seenplatte (etwa Tansania) sowie Nordafrika betroffen. Auch im Nahen Osten und in Saudi-Arabien ist diese Erkrankung heimisch, desgleichen sind auch Ausbrüche aus Nepal und Delhi bekannt.

Die Autoren des Österreichischen Impfplans nennen hier eindeutig auch Flüchtlinge als Risikogruppe: "Meningokokkenepidemien werden aufgrund der Übertragung als Tröpfcheninfektion begünstigt, wenn viele Menschen auf engstem Raum unter schlechten Bedingungen zusammenkommen. Dies gilt im Besonderen auch für Flüchtlingslager, aber auch für die Zeit der Pilgerfahrten nach Mekka."

Gefährliche Polioviren

Ein besonderer Fall ist auch die Kinderlähmung, die zuletzt auch wieder in Syrien aufgetreten ist. Der letzte Polio-Fall in Österreich ist 1980 registriert worden. 2013 waren Polioviren nur noch in drei Ländern weiter verbreitet (endemisch): in Afghanistan, Nigeria und Pakistan. Die Fachleute: "Rezente Polioausbrüche mahnen aber zur Vorsicht: Somalia hat seit April 2013 etwa 180 Fälle von Polio gemeldet, Kenia 14, Äthiopien vier und der Südsudan drei Fälle. Damit ist ein großer Teil der Regionen rund um das Horn von Afrika nunmehr von diesem Polioausbruch betroffen."

Jedenfalls sollten Angehörige folgender Gruppen über eine aktuelle Polio-Impfimmunität verfügen oder deren Impfschutz "aufgefrischt" werden, wenn die Immunisierung länger als zehn Jahre zurückliegt oder Impfungen fehlen. Erneuert werden sollte der Impfschutz vor allem bei Reisenden in Regionen mit Infektionsrisiko, bei "Aussiedlern, Flüchtlingen und Asylbewerbern, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, bei der Einreise aus Gebieten mit Polio-Risiko." Das gelte auch für das Personal in solchen Einrichtungen.

Vergangene Diphterie-Ausbrüche

Die dritte in diesem Zusammenhang im Österreichischen Impfplan angesprochene Erkrankung ist die Diphtherie. Die Experten: "Diphtherie kommt nach wie vor in manchen Regionen endemisch vor (wie z. B.: Afrika, Südamerika, Asien, Albanien, einigen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion), und es sterben auch heute noch fünf bis 20 Prozent der Erkrankten."

In den 1990er-Jahren gab es in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion einen großen Ausbruch der Diphtherie mit mehr als 150.000 Fällen und tausenden Toten. "Diese schwere Infektionserkrankung kann jederzeit nach Österreich importiert werden", wird gewarnt.

Alle infrage kommenden Personen sollten deshalb gegen Diphtherie in Kombination mit Tetanus, Pertussis und Polio geimpft sein. Das sei besonders wichtig für "medizinisches Personal, welches Kontakt mit Infizierten haben kann, Personen mit häufigen Publikumskontakten, Flüchtlinge, Asylanten, Immigranten aus Gebieten mit hohem Diphtherie-Risiko, Personal der Grenzkontrollinstitutionen, diplomatisches Personal." (APA, derStandard.at, 4.8.2014)

  • Asylwerber sollten vor allem die Diphtherie-, Meningitis- und Polio-Imfpungen nachholen, so sie diese noch nicht haben.
    foto: dpa-zentralbild/jens wolf

    Asylwerber sollten vor allem die Diphtherie-, Meningitis- und Polio-Imfpungen nachholen, so sie diese noch nicht haben.

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