Reisezeit und Reiseleid

Einserkastl3. August 2014, 18:03
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Stereotype und Vorurteile

In den deutsch-britischen Beziehungen ist wieder einmal Feuer am Dach, seit "Bild" ihrer Leserschaft vorige Woche "den englischen (Mallorca-)Patienten" "erklärt" hat. Unter diesem bildungsbürgerlichen Titel läuft die Beschreibung des britischen Touristen als, wie es der "Telegraph" zusammenfasst, "besoffen, fett, mit Sonnenbrand". Und kontert mit "arrogant, langweilig, nackt" über die Deutschen.

Daraus, dass auch die Deutschen den Briten den Vorwurf der "Dessous-Amnesie" (selbsterklärend) und des "Prinz-Harry-Syndroms" ("krankhaftes Bedürfnis, sich ständig auszuziehen") machen, darf man schließen, dass diverse Nuditäten beiden Seiten nicht fremd sind. Besoffen, na ja, das hat bereits Tacitus auch den Germanen vorgeworfen. Und Saufen macht bekanntlich fett, (fast) alle. Während dem seltsamen Verhältnis der Inselbewohner zur Sonne schon der Brite Noel Coward mit "Mad dogs and Englishmen go out in the midday sun" ein Denkmal gesetzt hat.

Arrogant und fad: Das Stereotyp schlechthin über deutsche Touristen ist offenbar, dass sie im Morgengrauen am Strand oder am Pool die besten Liegen mit Badetüchern reservieren. Das ist immer wieder Stoff für Satire, aber auch für echten Zoff, wobei sogar schon Rechtsanwälte bemüht wurden. Geklärt wurde: 1. Darf man reservieren? 2. Darf man die Reservierungsfetzen entfernen? Die Antwort lautet: Ja, ja. Und jetzt hebt einen miteinander. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 4.8.2014)

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