Wie der Fund Tutanchamuns eine Modewelle auslöste

3. August 2014, 17:48
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Oxforder Ashmolean-Museum dokumentiert Geschichte der Entdeckung und deren kulturelle Auswirkungen

Oxford - Nachdem der britische Archäologe Howard Carter 1922 das Grab des vor über 3.000 Jahren verstorbenen Herrschers Tutanchamun im Tal der Könige in Luxor entdeckt hatte, wurden in den 1920er Jahren alle vom Tutanchamun-Fieber angesteckt. Eine Ausstellung im Ashmolean-Museum in Oxford dokumentiert nun die Geschichte der Entdeckung und die Auswirkungen auf die kulturellen Strömungen der damaligen Zeit.

Nach dem archäologischen Sensationsfund verzierten Pariser Modehäuser ihre Kreationen mit handgestickten Mustern aus dem alten Ägypten, entwarfen Top-Juweliere Diamanten-Broschen mit einem Skarabäus, überschwemmten Liebesromane über den jungen Pharao ("Der Kuss des Pharaos") den Markt und wurde in den USA der Charleston zu der Melodie von "King Tut" getanzt. "Die Faszination dauert an, das Erbe lebt fort", sagt Chefkurator Paul Collins.

"Wir wissen im Grunde gar nichts"

Für Collins ist die Universität Oxford besonders geeignet, die Geschichte der Entdeckung noch einmal zu erzählen. Das ihr angeschlossene Griffith-Institut beherbergt mehr als 5.300 Objekte, Fotos und Dokumente, die seinerzeit von dem Künstler und Archäologen Howard Carter und seinem Forscherteam sorgfältig gesammelt, registriert und verwahrt wurden. Der 75. Jahrestag der Gründung des Instituts sei Anlass, zahlreiche Funde erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Bisher seien nur etwa 30 Prozent der in der Grabkammer gefundenen Objekte gründlich analysiert worden, so Collins.

"Wir meinen, über Tutanchamun alles zu wissen, aber wir wissen im Grunde gar nichts", sagte Collins auf einer Pressekonferenz. Die bis 2. November geöffnete Ausstellung solle deshalb auch ein Appell an die junge Generation sein, die Forschungsarbeit fortzusetzen. Dennoch, ohne die akribische Dokumentation, Konservierung und Nummerierung durch Carter und seinen Kollegen und Förderer George Herbert (Lord Carnarvon) wäre nur etwa ein Zehntel dessen bekannt, was die Welt heute über Tutanchamun weiß, schätzt Collins.

Die Exponate

Erstmals öffentlich zu sehen sind Skizzen, Zeichnungen und Tagebucheinträge des Teams während der zehn Jahre dauernden Ausgrabungen. Carter, der Künstler und Maler war, ehe er sich der Archäologie zuwandte, hielt alles Gesehene und Gefundene schriftlich fest und markierte sogar die Farben der Objekte auf den Schwarz-weiß-Aufnahmen des berühmten Fotografen Harry Burton. Leihgaben aus den USA, britischen Museen und dem Neuen Museum in Berlin sind darunter - aber nicht aus Ägypten. Der Besucher wird daran erinnert, dass die Schätze aus ägyptischen Museen zuletzt auf ihrer weltweiten Tour 1972 außerhalb des Landes zu sehen waren, und nur sehr wenige künftig transportfähig sein werden.

Schmuck und Kleidung, die in den 1920er und 1930er Jahren den alten Ägyptern nachempfunden wurden, sind ausgestellt. Die "Hände einer Königlichen Doppelstatue" aus den Staatlichen Museen zu Berlin, die Nachbildung der Gold-verzierten Totenmaske von Tutanchamun und eine vergoldete Couch aus dem Vorzimmer der Grabkammer gehören dazu. "Grabkammer unterhalb des Grabs von Ramses VI gefunden und untersucht, Siegel intakt", schrieb Carter am 5. November 1922 in sein Tagebuch. Rund zwei Wochen später, bei einer ersten Öffnung der Kammer, berichtete er, "wunderbare Dinge" zu sehen, und überall glitzerndes Gold. Ein Foto zeigt das Forscherteam am gedeckten Mittagstisch in der Grabkammer. (APA/red, derStandard.at, 3. 8. 2014)

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