"Das ist einer Austria nicht würdig"

3. August 2014, 16:50
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Die Violetten haben einen mehr als holprigen Auftakt in die Fußballbundesliga hingelegt. Das System des neuen Trainers Gerald Baumgartner funktioniert maximal im Training. Beim 0:0 gegen Altach reichte es gerade zu einem Schuss auf das gegnerische Tor

Wien - Die Wiener Austria, prinzipiell ein Fußballverein mit Ambitionen, hat den Saisonstart verpatzt. Zwei Punkte nach drei Runden, das Torverhältnis lautet 1:5, der Rückstand auf Red Bull Salzburg beträgt bereits sieben Zähler. Nach einer natürlich nicht gerade seriösen Hochrechnung betrüge, ginge es so weiter, am Ende der Saison das Minus 84 Punkte. Nach dem 0:0 am Samstag gegen Aufsteiger Altach wird in Favoriten aber lediglich von einer "Mini-Krise" gesprochen.

Das torlose Remis gegen die maximal braven Vorarlberger untermauerte das Dilemma des Meisters von 2013. Trotz nicht zu leugnender Bemühungen kommt die Offensive nicht in Schwung, die Ideen- und Harmlosigkeit in der entscheidenden Zone ist fast schon wieder beeindruckend. Flügelspieler Alexander Gorgon sagte: "Wir haben drei Runden gespielt und erst ein Tor erzielt. Das ist einer Austria nicht würdig." Er sucht immerhin nicht nach Ausreden. "Mit Blick auf die Auslosung haben wir - bei allem Respekt für die Gegner - nicht die erwarteten Punkte geholt. Wir sind bei der Austria, da muss man schon von einer Mini-Krise sprechen." Zuvor gab es ein glückliches 1:1 daheim gegen Grödig und ein gar nicht unglückliches 0:4 in Wolfsberg.

Torarmut

Die sportlich Verantwortlichen führen den schlechtesten Saisonstart seit acht Jahren auf die Systemumstellung, die halt noch nicht greift, zurück. Das vom neuen Trainer Gerald Baumgartner anvisierte Offensiv-Pressing funktionierte gegen Altach maximal in Ansätzen. Zwar verbuchten die Hausherren deutlich mehr Ballbesitz (63 Prozent), nach 94 Minuten stand jedoch nur ein Schuss aufs Gehäuse von Altach-Torhüter Martin Kobras zu Buche. Dass das gegnerische Tor laut Baumgartner "wie vernagelt" war, stimmte also nicht. "Wir tun uns schwer, Angriffe zu Ende zu spielen", klang weit vernünftiger. Im Training klappt das System angeblich. "Unser größtes Problem ist, dass wir es am Wochenende nicht auf dem Platz hinbekommen", sagte Gorgon. Neuerwerbung Marco Meilinger stimmte dem zu. "Wir müssen einfach im Abschluss konsequenter werden."

Abhilfe könnte der jüngst verpflichtete Israeli Omer Damari schaffen, er wartet noch auf seine Arbeitsbewilligung. Ob er den zu Stade Rennes gewechselten Philipp Hosiner auch nur annähernd ersetzten kann, wird sich weisen. Der gegen Altach als Spitze agierende Norweger Ola Kamara konnte es jedenfalls nicht.

Die Austria-Fans reagierten noch zurückhaltend, im Laufe der Partie wurde der Ruf "Wir wollen die Austria sehen" lauter. Nach Schlusspfiff gab es ein für Baumgartner "verständliches" Pfeifkonzert. Am Samstag gastiert die Austria beim Schlusslicht Wiener Neustadt. Im Falle eines Punkteverlusts wird das "Mini" vor der Krise gestrichen. (red, APA, DER STANDARD, 4.8.2014)

  • Mario Leitgeb wird von den Altachern Hannes Aigner (links) und Felix  Roth  in die Zange genommen. Die Wiener Austria ist noch nicht in die  Gänge gekommen.
    foto: apa/punz

    Mario Leitgeb wird von den Altachern Hannes Aigner (links) und Felix Roth in die Zange genommen. Die Wiener Austria ist noch nicht in die Gänge gekommen.

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