Israel zieht Soldaten aus Gaza ab - Kämpfe gehen weiter

3. August 2014, 22:40
7 Postings

Soldaten und Fahrzeuge verlassen das Palästinensergebiet - Kämpfe gehen weiter - Zehn Tote bei Angriff auf UN-Schule - Vermisster Soldat tot

Jerusalem - Die israelische Armee hat nach der weitgehenden Zerstörung von Angriffstunneln der radikalislamischen Hamas am Wochenende mit dem Abzug von Truppenteilen aus dem Gazastreifen begonnen. Kolonnen von Fahrzeugen und Soldaten verließen den Küstenstreifen und postierten sich auf israelischem Gebiet, wie Augenzeugen berichteten. Die Kämpfe wurden aber dennoch fortgesetzt. Nach palästinensischen Angaben starben bei einem neuerlichen israelischen Luftangriff auf eine von den Vereinten Nationen (UN) betriebene Schule zehn Menschen im südlichen Gazastreifen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer "Gräueltat und einem Verbrechen". Diejenigen, die für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlich seien, müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte Ban in New York. Die USA übten ebenfalls scharfe Kritik am Vorgehen Israels. Das Außenministerium zeigte sich "entsetzt" über den "schändlichen" Angriff und forderten Israel dazu auf, mehr zur Vermeidung ziviler Opfer zu tun. Verhandlungen mit der Hamas über eine Waffenruhe lehnte die Regierung in Jerusalem ab.

Umfang des Rückzugs unklar

Der Umfang des Truppenrückzugs aus dem Gazastreifen war zunächst unklar. Israelische Medien berichteten, dass der größte Teil der Soldaten den Küstenstreifen am 27. Tag der Kämpfe wieder verlassen habe. Die Armee sprach von einer Umgruppierung, betonte zugleich aber, dass die Streitkräfte ihre Operationen fortsetzten: "Wir entlassen Truppen von der Front, die Mission geht aber weiter: Die Bodentruppen operieren, die Luftwaffe operiert", betonte Armeesprecher Peter Lerner.

Am Samstagabend hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereits deutlich gemacht, dass die Militäroffensive auch nach der Zerstörung des Tunnelsystems der Hamas fortgesetzt werde, bis "wir unsere Ziele erreicht haben, die Sicherheit für die israelischen Bürger wieder herzustellen." Netanjahu warnte die Hamas vor weiteren Angriffen. "Wir akzeptieren keine Fortsetzung des Beschusses. Hamas muss das verstehen, egal wie lange es dauert, dass sie einen aus ihrer Sicht unerträglich hohen Preis für eine Fortsetzung des Beschusses zahlen", sagte der Regierungschef. Vor gut drei Wochen hatte Israel seine Offensive begonnen, um den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu stoppen.

Kämpfe gehen weiter

Am Sonntag setzten die Streitkräfte ihre Angriffe im Süden des Küstengebiets fort. In Rafah wurde nach Darstellung von Sanitätern und anderen Zeugen erneut eine UN-Schule getroffen. Zehn Menschen seien getötet, rund 30 verletzt worden. Andernorts seien 30 Menschen bei neuen Angriffen ums Leben gekommen, sagten Krankenhausvertreter. Erst am Mittwoch waren 15 Palästinenser, die sich im Flüchtlingslager Dschabalja in einer UN-Schule in Sicherheit bringen wollten, nach UN-Angaben beim Einschlag eines israelischen Geschosses ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten des jüngsten Konflikts stieg nach palästinensischen Angaben auf 1775. Israel hat den Tod von 64 Soldaten und drei Zivilisten bestätigt. Die israelische Regierung nannte die von den Palästinensern verbreitete Zahl ziviler Opfer stark übertrieben. Zahlen der Armee zeigten, dass rund die Hälfte der auf palästinensischer Seite Getöteten "Terroristen" seien.

Zerstörung der Tunnel abgeschlossen

Die Zerstörung der Tunnel der Hamas ist nach Angaben der Armee weitgehend abgeschlossen. Mehr als 30 solche Bauwerke seien vernichtet worden. "Wir hoffen, dass die Angelegenheit in Stunden, nicht Tagen abgeschlossen ist", sagte der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer, in einem Interview mit Blick auf die Tunnelzerstörung. Bei einem Angriff aus einem Tunnel waren am Freitag zwei Soldaten durch einen Selbstmordattentäter getötet worden. Der zunächst als verschleppt gemeldete dritte Soldat, Hadar Goldin, sei ebenfalls ums Leben gekommen, teilte das Militär mit. Der 23-Jährige sei nach dem Angriff in den Tunnel verschleppt worden. Erkenntnisse vor Ort hätten ergeben, dass er aber schon bei diesen Kampfhandlungen ums Leben gekommen sei.

Israel lehnte nach dem Vorfall weitere Verhandlungen über eine Waffenruhe ab und schickte keine Delegation zu Vermittlungsgesprächen nach Kairo. Die Gespräche sollten am Sonntag wieder aufgenommen werden. Delegationen der Hamas und der Gruppe Islamischer Dschihad trafen in Ägypten ein.

Palästinenser: Waffenstillstand unter Bedingungen

Die palästinensische Delegation, die sich für mögliche Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Kairo aufhält, hat den ägyptischen Vermittlern am Sonntag ihre Bedingungen vorgestellt. Zuvor habe sich die Gruppe, zu der sowohl Mitglieder der Autonomiebehörde des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas als auch der islamistischen Hamas gehören, auf die Forderungen an Israel geeinigt.

Diese Bedingungen sollten nun von den ägyptischen Vermittlern an Israel weitergeleitet werden, sagte ein palästinensischer Vertreter am Abend in Kairo. Zu dem Forderungskatalog gehörten neben einer Waffenruhe selbst der Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, das Ende der Besatzung des Gebiets, die Freilassung palästinensischer Gefangener sowie die Öffnung der Grenzübergänge, sagte Maher al-Taher von der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas. Ein Hamas-Mitglied bestätigte die Einigung innerhalb der Delegation. "Das sind die Hauptpunkte, die aber mit den Ägyptern diskutiert werden müssen", sagte er.

Israel hatte nach dem schnellen Scheitern einer Feuerpause Freitagfrüh angekündigt, die Regierung werde keine Unterhändler nach Kairo entsenden, da die Hamas sich an Abmachungen nicht halte. (Reuters, 3.8.2014)

  • Rauchsäule in Rafah am Sonntag.
    foto: reuters/ibraheem abu mustafa

    Rauchsäule in Rafah am Sonntag.

  • Israelischer Panzer nahe dem Gazastreifen.
    foto: reuters/baz ratner

    Israelischer Panzer nahe dem Gazastreifen.

  • Zerstörte Häuser in Khuzaa im südlichen Gazastreifen.
    foto: reuters/finbarr o'reilly

    Zerstörte Häuser in Khuzaa im südlichen Gazastreifen.

  • Israelische Panzer ziehen sich zum Teil aus dem Gazastreifen zurück.
    foto: epa/atef safadi

    Israelische Panzer ziehen sich zum Teil aus dem Gazastreifen zurück.

Share if you care.