Erdbeben in China: Mittlerweile 398 Tote

4. August 2014, 13:05
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Stärkstes Erdbeben seit Jahren in Chinas südwestlicher Provinz Yunnan - Heftiger Regen behindert Bergung

Peking - Heftiger Regen und Nachbeben haben am Montag die Suche nach Überlebenden nach einem Erdbeben mit hunderten Toten in Chinas südwestlicher Provinz Yunnan behindert. Beim stärksten Erdbeben seit Jahren ist die Zahl der Toten im Laufe des Montag auf 398 gestiegen. Fast 2.000 Menschen wurden verletzt, wie das Staatsfernsehen und die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag unter Berufung auf Rettungskräfte berichteten.

Das Beben der Stärke 6,5 ereignete sich laut Chinas Erdbebenwarte am Sonntag um 16.30 Uhr Ortszeit. Seit 14 Jahren hat es laut CCTV kein Beben mehr in dieser Intensität in der Provinz Yunnan gegeben. Mehr als 12.000 Häuser wurden zerstört und 30.000 weitere beschädigt.

Schutthaufen

Das Hypozentrum lag in zwölf Kilometern Tiefe unter dem Ort Longtoushan in der Gemeinde Ludian rund 370 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Kunming. Anschließend registrierte Chinas Erdbebenwarte dutzende Nachbeben.

Fernsehbilder zeigten gewaltige Zerstörungen. Häuser waren nur noch Schutthaufen. Anrainer flüchteten. Die Bergung stellte die Retter vor große Herausforderungen. Das Beben hatte zahlreiche Straßen verschüttet. "Die blockierten Straßen und Platzregen haben einige Unglücksorte abgeschnitten. Die Rettungsfahrzeuge kommen dort nicht hin", sagte ein Parteifunktionär aus der Stadt Zhaotong der Agentur Xinhua.

"Schlachtfeld nach einer Bombardierung"

Der am schlimmsten betroffene Bezirk Ludian mit knapp 266.000 Bewohnern liegt mehr als 300 Kilometer von der Provinzhauptstadt Kunming entfernt. Ein Einwohner berichtete Xinhua, die Gegend gleiche einem "Schlachtfeld nach einer Bombardierung". Er habe noch nie eine solch starke Erschütterung gespürt. "Alles, was ich sehen kann, sind Ruinen."

Die Behörden mobilisierten laut Xinhua rund 7.000 Bergungskräfte, darunter 5.000 Soldaten. Aus dem ganzen Land kamen zudem Freiwillige in die Unglücksregion. "Es ist unsere Pflicht zu helfen", sagte einer von ihnen. "Wir haben keine Zeit, um uns um die Leichen zu kümmern, wir müssen zuerst den Überlebenden helfen", beschrieb ein anderer Helfer die Lage.

Ministerpräsident muss fünf Kilometer zu Fuß gehen

Laut Xinhua reiste auch Ministerpräsident Li Keqiang in die Region, um sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen. Aufgrund der beschädigen Straßen habe er die letzten knapp fünf Kilometer zu Fuß zurücklegen müssen.

Ein Sprecher der Vereinten Nationen sagte, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sei erschüttert angesichts der hohen Opferzahl. Die US-Regierung bot den chinesischen Behörden ihre Hilfe an.

Im Internet wurden dutzende Bilder hochgeladen, die Szenen aus dem Erdbebengebiet zeigen sollen. Dabei wurden Klagen laut, die gewaltige Zerstörung der Häuser sei ein Zeichen, dass es Pfusch am Bau gegeben habe. Anderenfalls hätten die Gebäude aus Beton besser den Erschütterungen standhalten müssen. (APA, 4.8.2014)

Wissen: Schwere Erdbeben in China

China zählt zu den am meisten von Erdbeben bedrohten Ländern. Zur schwersten Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1976, als in Tangshan im Nordosten des Landes mindestens 255.000 Menschen starben. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 700.000 Todesopfern aus. Weitere größere Beben:

April 2013: Bei einem Beben der Stärke 7,0 in der Südwestprovinz Sichuan kommen rund 200 Menschen ums Leben. Mehr als 15.000 Menschen werden verletzt.

September 2012: In einer der ärmsten Regionen Chinas bebt die Erde gleich doppelt: Mehr als 80 Menschen kommen bei zwei Erdbeben an einem Tag in den Provinzen Yunnan und Guizhou ums Leben. Mehr als 800 Menschen werden verletzt und mehr als 400.000 Häuser zerstört. Die Stärke der Beben lag zwischen 5,6 und 5,7.

April 2010: Bei einem verheerenden Erdbeben auf dem tibetischen Hochplateau sterben rund 2.700 Menschen. Etwa 12.000 Menschen werden verletzt. Die Erdstöße der Stärke 7,1 überraschen die Menschen am frühen Morgen in der Provinz Qinghai. Die 100.000 Einwohner zählende Stadt Jiegu wird fast völlig zerstört.

Mai 2008: Bei einem Beben der Stärke 7,9 kommen mehr als 87.000 Menschen ums Leben. Die Erschütterungen bringen 5,3 Millionen Gebäude zum Einsturz und beschädigen weitere 21 Millionen Häuser, vor allem in der Provinz Sichuan im Südwesten. Risse in Hunderten Staudämmen gefährden mehr als 700.000 Anrainer.

Februar 2003: Ein Beben der Stärke 6,8 im Nordwesten Chinas tötet 268 Menschen. Nach offiziellen Angaben gibt es östlich der Handelsstadt Kashgar in der Region Xinjiang etwa 2.000 Verletzte. Mehr als 10.000 Menschen werden obdachlos.

Februar 1996: In Zentralchina sterben etwa 300 Menschen nach Erdstößen der Stärke 7,0. 3.700 werden schwer verletzt. Im Nordwesten der Provinz Yunnan werden mehr als 260.000 Menschen obdachlos. (APA)

  • Zerstörte Häuser in der Gemeinde Ludian.
    foto: reuters/china daily

    Zerstörte Häuser in der Gemeinde Ludian.

  • Das Hypozentrum lag in zwölf Kilometern Tiefe unter dem Ort Longtoushan in der Gemeinde Ludian rund 370 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Kunming.
    foto: apa

    Das Hypozentrum lag in zwölf Kilometern Tiefe unter dem Ort Longtoushan in der Gemeinde Ludian rund 370 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Kunming.

  • Zumindest 1.400 Menschen wurden bei dem Erdbeben verletzt.
    foto: reuters/china daily

    Zumindest 1.400 Menschen wurden bei dem Erdbeben verletzt.

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