"Islamischer Staat" erobert größten Staudamm des Irak

Video4. August 2014, 09:53
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Rückschlag für Kurden im Kampf gegen IS - Minderheiten in der Stadt Sinjar bedroht

Bagdad - Die kurdischen Peschmerga-Einheiten im Nordirak galten bisher als militärisches Bollwerk gegen den Vormarsch des "Islamischen Staats" (IS), den die irakischen Sicherheitskräfte nicht stoppen konnten. Am Wochenende haben jedoch die Jihadisten der IS den größten Staudamm des Irak und drei Städte erobert. Sumar, Sinjar und Wana sowie der Mossul-Damm und ein Ölfeld samt Raffinerie seien den Rebellen in die Hände gefallen, berichteten Augenzeugen am Sonntag.

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Die UN berichtet, dass rund 200.000 Menschen aus der Stadt Sinjar und Umgebung fliehen mussten. Das Video zeigt Konvois, die die Stadt verlassen.

Auf ihrer Internetseite erklärte die radikalislamische Organisation, sie habe zahlreiche kurdische Kämpfer getötet und neben den Städten auch zwölf Dörfer eingenommen. Die fliehenden kurdischen Kämpfer hätten große Mengen an Waffen und Fahrzeugen zurückgelassen.

Der Mossul-Damm ist nicht nur für die Wasserversorgung wichtig, sondern für die Jihadisten von großer strategischer Bedeutung. Allerdings sind die Szenarien einer Sprengung des Damms durch die IS nicht realistisch, solange sie selbst unterhalb der Staumauer Gebiete kontrolliert. Eine Flutwelle würde bis zu einer halben Million Menschen bedrohen.

In Sumar hisste die IS auf Gebäuden ihre schwarze Flagge. Die Bevölkerung von Sinjar ist besonders gefährdet, dort ist die Minderheit der Jesiden stark, deren Religion von radikalen Muslimen nicht anerkannt wird. Auch Christen leben dort - aus Mossul wurden sie bereits vertrieben.

Die Regierung der autonomen Kurdenregion im Norden Iraks hat die USA um Waffen gebeten, um sich gegen die Jihadisten wehren zu können. Auch das humanitäre Desaster in der Region ist immens: Insgesamt sollen etwa 200.000 Menschen auf der Flucht sein.

Die irakische Regierung meldete am Wochenende, dass dutzende "Terroristen" bei Kämpfen mit Sicherheitskräften, die von schiitischen Milizen unterstützt werden, getötet wurden. Wegen der Kämpfe haben mehrere Luftlinien, auch die AUA, ihre Überflüge in der Region eingestellt, auch Flüge nach Bagdad wurden storniert, etwa von jordanischen Fluggesellschaften. (red, DER STANDARD, 4.8.2014)

  • Blick aus einem Helikopter auf den Mossul-Damm im Jahr 2005.
    foto: ap photo/jacob silberberg

    Blick aus einem Helikopter auf den Mossul-Damm im Jahr 2005.

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