Auf dem Getreidespeicher der Erzbischöfe

Ansichtssache4. August 2014, 05:45
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Über eine vergitterte Treppe im Hohen Stock, dem ehemaligen Wohnhaus der Erzbischöfe, geht es zum Dachboden der Festung Hohensalzburg. Festungsverwalter Bernhard Heil öffnet die Dachbodentür. Durch die ellipsenförmigen Fester dringt Licht in den Raum. Der Regen prasselt auf das Dach, der Geruch von Holz steigt sofort in die Nase. „Das riecht immer so, wenn eine gewisse Luftfeuchtigkeit herrscht“, sagt Heil.

Der Raum ist leer. Nur zwei Leitern lehnen an der Wand. Der Dachstuhl ist dafür umso beeindruckender. Ganze Bäume wurden als Querbalken eingesetzt. Als die Erzbischöfe noch hier residierten, wurde der Dachboden als Getreidespeicher genutzt. Auf der Festung sollten immer genug Lebensmittel gelagert sein, um 300 Menschen ein Jahr lang zu versorgen. Das Hauptgetreidelager war im Schuttkasten, in dem der Schuttmeister das Getreide umschüttete, um es trockenzuhalten.

Ein Teil des Getreides wurde auch im Dachboden des Haupthauses gelagert. Ein Lastenaufzug aus dem 16. Jahrhundert zeugt heute noch davon. Die sogenannte Göpel-Winde ist eine große Drehvorrichtung, bei der im Kreis herumgehende Menschen einen Seilzug betätigten. Über dieses Seil wurden die Getreideballen auf den Dachboden gehievt.

Angst vor Feuer einst und heute

Warum der Dachboden leer ist und nichts in ihm gelagert wird? „Aus Brandschutzgründen“, erklärt Bernhard Heil. „Wenn nichts auf dem Dachboden steht, kann auch nichts brennen.“ Aus ähnlichen Gründen wurde der Dachstuhl 1619 auch komplett umgebaut. Das ehemals hohe gotische Satteldach musste einem Grabendach weichen. Ein baulicher Brandschutz, sozusagen.

Durch das kontinuierliche Auf- und Absteigen der flachen Dachflächen werde im Brandfall das Überspringen des Feuers verhindert und das Löschen erleichtert, erklärt Heil. Wegen der steigenden Angst vor Angriffen während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) ließ Erzbischof Paris Graf von Lodron alle Dächer der Festung abflachen.

Technik unterm Grabendach

Heute findet sich unter dem Grabendach nur noch Technik: Über die Böden der leeren Räume sind die Kabel der Brandmelder der Fürstenzimmer verlegt. An den Fenstern stehen Wireless-LAN-Verstärker. Einer sendet das WLAN zum Altersheim im Nonntal, ein anderer ist für das freie WLAN auf der Festung verantwortlich.

Am Ende des aus mehreren Räumen bestehenden Dachbodens geht es über eine kleine Treppe noch ein Stück höher. Heil öffnet eine Tür nach draußen, und die Festungsglocke ist erreicht. Nur zu besonderen Anlässen, etwa zu Weihnachten, wird die Glocke aus dem Jahr 1503 geläutet. Dann springt der Festungsverwalter auch einmal als Glöckner ein.

Bernhard Heil kennt die Festung wie seine Westentasche und lebt dort auch mit seiner Familie. Sein heute neunjähriger Sohn hat, als er noch kleiner war, gefragt: „Papa, warum wohnen nicht alle Kinder auf einer Burg?“ (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 4.8.2014)

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Die Räume des Dachbodens des Hohen Stocks auf der Festung Hohensalzburg sind aus Brandschutzgründen leer.

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Festungsverwalter Bernhard Heil demonstriert die Funktionsweise des sogenannten Göpels, eines Lastenaufzugs. Durch im Kreis gehende Arbeitskräfte wurden früher über den Seilzug Getreideballen auf den Dachboden gehievt.

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Über eine Treppe am Ende des Dachbodens geht es zur Glocke auf der Festung. Sie wird nur zu besonderen Anlässen, etwa zu Weihnachten, geläutet. Dann springt der Festungsverwalter auch einmal als Glöckner ein.

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Der Blick von einem Fenster am Dachboden auf den großen Burghof und die Georgskapelle.

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Der Hohe Stock von außen. Über die türgroße Luke im obersten Stock wurde das Getreide auf den Dachboden der Festung gehievt. Dahinter befindet sich die Göpel-Winde.

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