Wieder 22 Tote bei Kämpfen in Libyen

3. August 2014, 15:21
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Flughafen weiter umkämpft - neues Parlament zu informeller Krisensitzung in Tobruk - immer mehr Staaten fordern Bürger zu Verlassen des Krisenlands auf - etwa 20 Österreicher in Krisenland

Tripolis/Libyen/Tobruk/London - Die schwersten Kämpfe seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi vor drei Jahren haben in Libyen auch am Wochenende unvermindert angehalten. Laut Regierung starben bei Gefechten zwischen rivalisierenden Milizen in der Umgebung der Hauptstadt Tripolis insgesamt 22 Menschen. Zur Evakuierung ihrer Landsleute entsandte die Regierung in London am Sonntag ein Schiff der Royal Navy.

Mehr als 70 Personen seien aufgrund der Kämpfe verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert worden. Weiter umkämpft war am Wochenende vor allem der bereits schwer beschädigte internationale Flughafen. Dort war ein Brand an einem Treibstoffdepot auch am Sonntag noch nicht unter Kontrolle. Mit Großbritannien kündigte eines der letzten westlichen Länder die Schließung seiner Botschaft an.

Viele verlassen Land

Ein Regierungssprecher in Tripolis sagte, die Versuche eines Vermittlerteams zur Beendigung der Gewalt gestalteten sich schwierig. Beide Seiten zeigten sich aber unnachgiebig und kompromisslos.

Die Mitglieder des neu gewählten, von den Nationalisten dominierten Parlaments kamen am Samstag in der östlichen Stadt Tobruk erstmals zu einer informellen Krisensitzung zusammen. Teilnehmer der von den Islamisten boykottierten Sitzung sagten, die offizielle Eröffnungssitzung solle am Montag in Tobruk stattfinden. Wegen der Sicherheitslage war es den Ende Juni gewählten Abgeordneten nicht möglich, sich wie geplant in Benghazi (Bengasi) zu versammeln.

Angesichts der Eskalation der Gewalt in Libyen drängen immer mehr Staaten ihre Bürger zum Verlassen des Landes. Die Regierung der Philippinen rief tausende philippinische Arbeiter im Land zur Ausreise auf.

Botschaftsschließung

Großbritannien zog seinen Botschafter ab und entsandte zur Evakuierung von mehreren hundert Briten ein Schiff der Royal Navy. Die "HMS Enterprise" ist laut britischem Außenministerium inzwischen in Tripolis eingetroffen. Das Kriegsschiff solle die zwischen 100 bis 300 Briten im Land sowie andere Ausländer in Sicherheit bringen.

"Das Risiko, ins Kreuzfeuer zu geraten, ist zu groß", begründete der britische Botschafter Michael Aron die Botschaftsschließung. Frankreich hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, die Botschaft vorübergehend zu schließen und seine Staatsbürger in Sicherheit zu bringen. Auch Deutschland hat sein Botschaftspersonal bereits aus Tripolis abgezogen und die Vertretung für den Besucherverkehr geschlossen. Die USA und die Vereinten Nationen haben ihre Vertretungen ebenfalls evakuiert.

Etwa 20 Österreicher in Libyen

Zahlreiche andere Länder haben bereits ihre Diplomaten außer Landes gebracht. Die Botschaftspersonal der österreichischen Vertretung wurde in den vergangenen Tagen ins benachbarte Tunesien abgezogen und werde von dort aus bis auf Weiteres Libyen betreuen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Außenministerium. Im Krisenland hielten sich "zuletzt" etwa 20 österreichische Staatsbürger auf, erklärte Ministeriumssprecher Martin Weiss. "Dabei handelt es sich um Doppelbürger oder Mitarbeiter von Unternehmern", erklärte er.

Die im Krisenland verbliebenen Österreicher seien sich der derzeitigen Gefahren bewusst, hätten sich aber für den Verbleib in Libyen entschieden. Bisher habe auch keiner von ihnen sich an das Außenamt mit dem Wunsch nach einer Ausreise gewandt, antwortete Weiss auf die Frage, ob Österreich das britische Evakuierungsschiff in Anspruch nehmen werde. "Wir raten dazu, dass Land zu verlassen", erklärte Weiss jedoch.

Ringen um Vormachtstellung

Tausende Ägypter, die seit Tagen am Grenzübergang Ras Ajdir nach Tunesien festsaßen, überquerten am Sonntag nach und nach die Grenze. Der Übergang war am Freitag nach Zusammenstößen geschlossen worden. Nach Angaben Kairos wurden knapp 1.800 Ägypter zum Flughafen in Djerba gefahren, um von dort nach Ägypten ausgeflogen zu werden, während 1.355 weitere am Sonntag noch in Ras Ajdir auf ihre Ausreise warteten.

In Tripolis und in der für den Ölexport wichtigen Hafenstadt Benghazi im Osten ringen die Milizen seit Monaten um die Vormachtstellung. Eskaliert war der Konflikt vor mehr als zwei Wochen. Seitdem toben in dem nordafrikanischen Land die schwersten Kämpfe seit dem Sturz Gaddafis. Das Militär und die Regierung sind nicht in der Lage, für Ruhe zu sorgen und die Rebellen zu entwaffnen. Schätzungen zufolge starben in den vergangenen zwei Wochen mehr als 160 Menschen bei der Gewalt. (APA, 3.8.2014)

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