Oppo Find 7 und 7a im Test: Zwei heimliche Android-Spitzenreiter

23. August 2014, 09:43
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Nachfolger des Find 5 punkten mit Erweiterbarkeit als interessante Alternative zu Samsungs Galaxy S5 und Co.

Mit dem Find 5 hat der chinesische Hersteller Oppo vergangenes Jahr für einiges Aufsehen gesorgt. Erstmals hatte das Unternehmen mit dem Gerät auch den europäischen Markt betreten, das find 5 wurde zum Geheimtipp unter den Highend-Smartphones, zumal es trotz ordentlicher Hardware preislich deutlich unterhalb der Konkurrenz angesiedelt war und sich dazu auch als Plattform für ROM-Bastler anbot.

Nun steht der Nachfolger in den Startlöchern, den Oppo gleich in zwei Versionen an den Start bringt. Als am Papier etwas schmächtigere Ausgabe geht das Find 7a an den Start, das aktuelle Flaggschiff ist das Find 7.

foto: derstandard.at/georg pichler
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Hardware

Beide laufen mit Qualcomms Snapdragon 801-Plattform, die Quadcore-CPU des Find 7a taktet mit 2,3 GHz allerdings etwas niedriger als jene des Find 7 (2,5 GHz). Ihm wurden außerdem nur zwei GB RAM und 16 GB Onboardspeicher spendiert, während sein "großer Bruder" mit 32 GB an Platz und satten drei GB Arbeitsspeicher aufwarten kann. Dazu ist dessen Akku mit 3.000 mAh zu 2.800 mAh etwas stärker bemessen.

Ein weiterer Unterschied: Das 5,5-Zoll-Display des Find 7a bringt Full HD-Auflösung aufs Tapet (ca. 400 PPI), während das Find 7 auf Quad HD (2.560 x 1.440, 534 PPI) setzt.

Darüber hinaus gleichen sich die Spezifikationen. Beide Geräte bringen WLAN (n-Draft), Bluetooth sowie 3G- und LTE-Konnektivität mit und können per GPS/GLONASS ihre Position erfassen. Sie besitzen Hauptkameras mit 13-MP-Auflösung und einem Dual-LED-Blitz sowie Frontkameras mit einer Auflösung von fünf Megapixel.

Die Rückseite der Find-Smartphones ist abnehmbar und schützt den SIM-Slot, den microSD-Steckplatz zur Speichererweiterung und den austauschbaren Akku. Am Find 7a besteht sie aus weißem Kunststoff, beim Find 7 präsentiert sich eine Oberfläche mit Kevlar-Elementen. An der Verarbeitung kann man, Oppo-typisch, nichts bemängeln. Die zwei Handys zeichen sich durch wertig wirkende Materialien und geringe Spaltmaße aus. Einzig die (gut erfühlbaren) Seitentasten fürs Einschalten und Lautstärkeregelung haben etwas viel Spiel.

foto: georg pichler
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Design

In puncto Design hält sich der Hersteller an seinen schon bekannten Stil und hat die Handys mit leicht gekurvten Ober- und unterseiten ausgestattet. Ein durchaus "stylisches" Element ist die ebenfalls gekrümmte LED-Leiste unterhalb des Displays, die blau pulsierend über den Eingang neuer Nachrichten informiert. Der einzige Wermutstropfen: Es gibt ausschließlich eine blaue Diode, die – wie auch Action-Held John Rambo einst schlau beobachtet hat – auch ausschließlich blau leuchtet. Welche App eine Benachrichtigung getriggert hat, ist also nicht auf einen Blick festzustellen.

152,6 x 75 x 9,2 Millimeter messen die Smartphones und wiegen mit 170 bzw. 171 Gramm beinahe gleich viel. Obwohl sie damit etwas schmäler sind als etwa das in den gleichen Fabriken gefertigte OnePlus One, ist aufgrund des großen Displays an eine einhändige Bedienung kaum zu denken. In den meisten Fällen muss man für sinnvolle Verwendung zweihändig arbeite

foto: georg pichler
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Software

Als Betriebssystem bringt das Find 7/7a "Color OS" mit, ein von Oppo angepasstes Android, das derzeit auf der letzten Ausgabe von "Jelly Bean" (4.3) basiert. Das Update auf Android 4.4 ist allerdings schon in Arbeit, zudem lassen sich die Telefone einfach rooten und unproblematisch mit Alternativ-ROMs wie Cyanogenmod bespielen.

Die wesentlichste Änderung im Vergleich zu Stock-Android besteht im ästhetischen Umbau. Mit diversen Themes lässt sich das Aussehen des Systems nach dem eigenen Geschmack trimmen. Darüber hinaus sind die Schnelleinstellungen und das Konfigurationsmenü anders gestaltet. Mehrwert ist durch den Umbau keiner erkennbar, Android-Kenner finden sich aber schnell zurecht.

Neben der als Standard definierten Swype-Tastatur ist auch das normale Google Keyboard mit an Bord. Dazu packt Oppo auch noch eigene Dienste wie den Cloudspeicher und Syncdienst O-Cloud sowie Alternativen zu Standardapps wie dem Kalender.https://images.derstandard.at/t/107/2014/08/02/theme.jpg

foto: derstandard.at/pichler
Eines der vielen auswählbaren Themes.
foto: georg pichler
Im Vergleich: Das Display des Find 7 (links) mit jenem des Find 7a.

Performance

Die Hardware liefert im Alltag die erwartbare Leistung. Apps laden schnell und auch aufwändigere Games laufen flüssig, auf dem Find 7 schleicht sich aber gelegentlich ein kurzer Ruckler ein. Grund dafür dürfte die 2K-Auflösung sein – worauf auch die Benchmarktests einen Hinweis geben. Im Allroundprüftool Antutu liegt das Find 7 mit rund 44.200 Zählern um etwa 1.000 Punkte hinter dem nominell schwächeren Find 7a.

Im 3D-Benchmark mit Epic Citadel liefert es mit einem Schnitt von um die 54 Bildern pro Sekunde zwar eine absolut flüssige Darstellung, hinkt dem Find 7a (über 60 FPS) aber ebenfalls nach. Lediglich im Vellamo-Browsertest scored es mit 3.500 etwas höher. Freilich: In der Praxis ist, von den erwähnten Rucklern abgesehen, kein relevanter Unterschied zu merken.

Das gilt allerdings auch für die Darstellung. Das Full HD-Panel des find 7a und das 2K-Display des Find 7 sind in puncto Schärfe mit freiem Auge von einander nicht zu unterscheiden, was die höhere Auflösung zu einem sinnlosen Feature degradiert, das sich lediglich in der Werbung schön liest. Allerdings liefert der Bildschirm des 7a eim Vergleich twas bessere Farbtreue, Kontraste und Helligkeit. Von Haus aus sind die Farben hier auch natürlicher kalibriert, während das Bild am Find 7 merklich "wärmer" eingestellt ist.

foto: georg pichler
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Kamera

Einen guten, jedoch nicht überragenden Eindruck hinterlassen die Kameras. Diese sind bei beiden Geräten ident und produzieren folglich unter gleichen Bedingungen Aufnahmen in gleicher Qualität. Selfie-Freunde werden mit dem frontseitigen Modul viel Freude haben, dieses liefert selbst unter schlechterne Bedingungen gute Ergebnisse. Die rückseitige Kamera tut dies in der Regel auch, neigt aber bei etwas stärkerem Gegenlicht schon mal dazu, Farben etwas verwaschen zu reproduzieren. Manchmal verzögert auch der Auslöser etwas, was meist eine unscharfe Aufnahme zur Folge hat. Sobald es dunkel wird, leidet die Kamera, wie so viele andere, unter merkbarem Rauschen.

Als Softwarelösung integriert ist die Möglichkeit, Bilder in einer Auflösung von 50 Megapixel aufzunehmen. Dabei kombiniert das Handy praktisch vier normale Aufnahmen zu einem Riesenbild. Dies ermöglicht weites Hineinzoomen, wobei sich zeigt, dass in diesem Modus trotzdem einige Bilddetails verloren gehen. Trotzdem eignet sich dieser Modus als passable Lösung, wenn man vor hat, ein Foto etwa als kleines Poster drucken zu lassen, da er wesentlich bessere Qualität bietet als bei einer nachträglichen Vergrößerung eines kleineren Bildes.

foto: georg pichler

Akustik und Akku

Akustisch liefern die beiden Finds eine solide Leistung ab. Der "Maxx Audio"-Sound durch die rückseitigen Lautsprecher klingt für Smartphones passabel, sofern nicht zu weit aufgedreht. Auch der Klang über die Audioklinke kann sich hören lassen, zumal das beigelegte Headset von merkbar besserer Qualität ist, als das mitgelieferte Accessoir vieler anderer Hersteller. Ordentlich ist auch die Gesprächsqualität auf beiden Enden der Leitung. Was die Empfangsstärke angeht, präsentieren sich die zwei Handys durchschnittlich.

Bleibt last, but not least, noch der Akku zu beleuchten. Beim Durchhaltevermögen liegen beide Geräte gleich auf und bieten bei regelmäßiger Nutzung auch nach einem Arbeitstag noch Reserven. Vom subjektiven Eindruck her hält das Find 7a etwas länger durch, auch das könnte sich auf die niedrigere Auflösung zurückführen lassen. Beim Aufladen erweisen sich die Handys recht flott, zumindest wenn man das mitgelieferte, relativ klobige Ladegerät nutzt, dessen microusb-Kabel zwei zusätzliche Pins aufweist. Dank VOOC-Schnelladefunktion ist der Akku binnen 45 Minuten wieder zu 90 Prozent voll.

foto: georg pichler

Fazit

399 Euro verlangt Oppo für das Find 7a über seinen Webstore, 479 sind es für das Find 7. Beide Geräte bieten ein üppiges Hardwarepaket und viel Leistung für Alltag, Multimedia und Spiele, zu einem Preis, der doch noch merkbar unter jenem der Flaggschiffe von HTC, Samsung und Co. liegt.

Abseits des Galaxy S5 und LG G3 handelt es sich um die einzigen in Europa erhältlich Highend-Smartphone, das mit einer microSD-Karte gefüttert und dessen Akku ausgetauscht werden kann. Doch freilich ist nicht alles perfekt. Im Vergleich mit dem bereits genannten Samsung-Handy verlieren die beiden Geräte den Kameravergleich klar. Das 2K-Display des Find 7 erweist sich zudem als Schuss übers Ziel, der keinen ersichtlichen Mehrwert schafft, dafür aber Leistung und Akkulaufzeit beeinträchtigt.

Trotzdem sind beide Modelle durchaus überlegenswerte Alternativen, mit denen sich der Geldbeutel etwas schonen lässt und für die bereits eine Reihe von Custom ROMS existiert. (Georg Pichler, derStandard.at, 02.08.2014)

Kamera-Testfotos

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HDR-Testfoto
foto: derstandard.at/georg pichler
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50-Megapixel-Testbild

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde dem WebStandard vom Herstellerzur Verfügung gestellt.

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