Westafrika: Angst vor Ebola macht sich breit

2. August 2014, 14:52
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Auch Hauptstädte betroffen - Zahl der Infizierten nimmt weiter zu - Emirates fliegt Guinea nicht mehr an

Monrovia/Freetown - Trotz aller Bemühungen und Maßnahmen kommen die Behörden in Westafrika im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in der Region nicht voran. Die dramatischen Statistiken der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zeigen, dass die Zahl der Infizierten weiter zunimmt - zuletzt besonders in Liberia, wo es innerhalb weniger Tage 80 neue Fälle gab. Kein Wunder, dass sich bei der Bevölkerung immer mehr Panik ausbreitet.

Längst grassiert das Virus nicht nur in abgelegenen Landesteilen - auch die Hauptstädte sind betroffen. "Wenn jemand derzeit nur den Namen 'Ebola' erwähnt, bekommen die Leute Angst", sagt Winston Daryoue aus der liberianischen Metropole Monrovia. "Immer häufiger hören wir, dass Freunde und Bekannte sich angesteckt haben oder gar schon gestorben sind. Das ist wahnsinnig frustrierend."

Region zum ersten Mal betroffen

Das Virus hat die Menschen völlig unvorbereitet getroffen. Noch nie war dieser Teil des Kontinents von dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus betroffen - die Krankheit grassierte stets anderswo, im weit entfernten Kongo etwa, in Uganda oder im Sudan.

Viele Länder in Westafrika leiden noch unter den Nachwehen von blutigen Bürgerkriegen und schweren politischen Unruhen. Diese haben auch die Gesundheitssysteme zerstört. Trotz internationaler Unterstützung kann es dauern, bis solche Staaten in der Lage sind, angemessen auf Seuchen zu reagieren.

Bürger versuchen sich selbst zu schützen

Augenzeugen berichten, dass die Bürger versuchen, sich durch das Tragen von Gummihandschuhen und die Benutzung von Desinfektionsmitteln selbst zu schützen. Die Nachfrage sei so groß, dass die Geschäfte kaum noch Vorräte hätten, berichtete die Zeitung "Daily Observer". "Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn die Leute auf der Straße plötzlich Handschuhe tragen, aber immerhin scheinen hier in Monrovia fast alle begriffen zu haben, wie ernst die Situation ist", sagt Daryoue.

Das ist in abgeschiedenen Gebieten, wo die Menschen sich lieber auf traditionelle Heiler verlassen, ganz anders. "Trotz aller Aufklärungskampagnen bezweifeln hier viele immer noch, dass es die Krankheit überhaupt gibt", berichtet Katherine Mueller, die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika, nach einem mehrwöchigen Besuch in den Ebola-Gebieten von Sierra Leone. Deshalb gehöre es zu den Aufgaben der Helfer, auch den Heilern von dem Virus zu erzählen, damit sie dann ihre Patienten aufklären können.

Angehörige können nicht auf traditionelle Weise trauern

"Zudem ist das Konzept einer Quarantäne für die Liberianer etwas völlig Fremdes. Sie verbinden es mit Gefangenschaft", sagt Stephanie SalaMartu Duncan von der Organisation Liberians Against Ebola, einer Gruppe Freiwilliger, welche die Behörden im Kampf gegen die Seuche unterstützt. "Hinzu kommt, dass die Leichen sofort entsorgt werden müssen, so dass die Angehörigen nicht auf traditionelle Weise trauern können."

Einige Kliniken etwa in Monrovia sind inzwischen derart überlastet, dass sie bereits mögliche Ebola-Patienten abweisen. "Einer meiner Bekannten, der sich seit zwei Tagen ständig erbrach und Blut im Urin hatte, wollte sich in einem Krankenhaus testen lassen", erzählt eine Bürgerin aus Monrovia. "Aber ihm wurde gesagt, der zuständige Arzt sei nicht da. Also wurde er auf Malaria und Typhus getestet und dann mit einem Antibiotikum nach Hause geschickt."

47 Ärzte und Pfleger infiziert

Das St. Joseph's Catholic Hospital könnte Berichten zufolge ganz geschlossen werden, nachdem sich dort zwei weitere Krankenhausmitarbeiter mit Ebola infiziert haben. Immer mehr medizinisches Personal ist betroffen. Nach Informationen der Zeitung "Front Page Africa" haben sich allein in Liberia 47 Ärzte und Pfleger mit dem Virus angesteckt. 28 sind bereits gestorben.

Guinea, Liberia und Sierra Leone tun ihre Bestes, um die Epidemie in den Griff zu bekommen - bisher aber ohne durchschlagenden Erfolg. Obwohl letztere beiden Länder sogar den Notstand ausgerufen und neue Maßnahmenpakete verabschiedet haben, steigt die Zahl Neuinfizierter unaufhörlich.

Friedhof für Ebola-Tote

Für die Helfer ist die Arbeit mit den Todgeweihten hart. Ständig werden sie von der Angst begleitet, sich ebenfalls zu infizieren. Und auch die Bilder der Opfer prägen sich ein. Katherine Mueller etwa war in Kailahun in Sierra Leone an einem einzigen Tag bei vier Begräbnissen dabei. Die Toten waren zwischen elf und 21 Jahre alt.

"Sie wurden auf einem neuen Friedhof für Ebola-Tote beigesetzt, ohne Familienangehörige, Freunde oder Priester", erzählt sie. "In ihre letzte Ruhestätte wurden sie von einem Team Freiwilliger herabgelassen, die in ihren Schutzanzügen aussahen, als kämen sie aus einem Science-Fiction-Film."

Emirates fliegt Guinea nicht mehr an

Als erste große internationale Fluggesellschaft hat die arabische Emirates unterdessen wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika ihre Flüge nach Guinea eingestellt. Bis auf Weiteres werde das Land nicht mehr angeflogen, teilte die Airline am Samstag mit. Die Epidemie war in Guinea ausgebrochen und hat sich nach Sierra Leone und Liberia ausgebreitet. Liberia und Sierra Leone stehen nicht auf dem Flugplan von Emirates.

Die togoische Fluggesellschaft ASky fliegt die betroffenen Länder ebenfalls nicht mehr an, nachdem ein Liberianer mit Ebola-Symptomen mit einer Maschine der Airline nach Lagos gereist war. Der Mann war dort am Flughafen zusammengebrochen und wenige Tage später in Quarantäne gestorben.

Luftfahrtdachverband schätzt Gefahr als gering ein

Der internationale Luftfahrtdachverband Iata hatte noch am Donnerstag erklärt, die WHO sehe keinen Grund für Reisebeschränkungen, da sie die Gefahr einer Ansteckung während eines Fluges als gering einschätze. Auch die Lufthansa hatte am Freitag erklärt, derzeit gebe es keine Notwendigkeit, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen.

Die zur Lufthansa-Gruppe gehörende Brussels Airlines, die elf Flüge pro Woche nach Westafrika hat, fliegt die Region ebenfalls weiter an. Es gebe weder mehr Buchungen noch Stornierungen auf den Strecken, sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag in Brüssel. (APA, 2.8.2014)








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