Wolfgang Fellner als Vermehrer des Positiven

1. August 2014, 19:07
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Nicht überall tritt das Positive so unverhüllt zutage wie bei Fellner

Politiker blasen dem Boulevard Millionen aus Steuermitteln in den Hintern, und manchmal kommt dafür auch Entsprechendes an sie zurück. Ein schönes Beispiel dafür lieferte Wolfgang Fellner, auch wenn er sich dafür neulich schwer anstrengen musste. "Österreich" gestaltet nun schon traditionell eine Sonntagszeitung im Quartal mit überwiegend positiven News. Wir wollen damit in Zeiten der negativen Schlagzeilen, des Medien-Pessimismus, der Politik-Verdrossenheit bewusst ein POSITIVES Zeichen setzen. Positives Engagement statt jammern, Hetze, Miesmachen.

Leichter gesagt als getan. Es war der Sommer, der sich Fellners edlem Bemühen in den Weg stellen wollte. Bei der Planung diese Ausgabe schien die heutige Positiv-Ausgabe fast hoffnungslos. So viele negative Schlagzeilen hatte ein Sommer schon lange nicht mehr. Wenn der Sommer einem Fellner ins Handwerk pfuscht, ist eine Positiv-Ausgabe natürlich schwierig herzustellen. Aber der Sommer hat Fellner schwer unterschätzt, denn der lässt sich von der Wahrheit nicht ohne weiteres unterkriegen. In Israel gibt es 12 Stunden Waffenruhe. In der Ukraine die Chance auf eine UN-Friedenstruppe. Schumi kehrt ins Leben zurück. Sogar unsere U19-Kicker spielen plötzlich um den Weltmeistertitel. Und: Unsere Regierung schließt endlich Sommerfrieden.

Nicht genug damit. Lopatka und Schieder gehen im Interview auf Schmusekurs. Spindelegger gibt die Breitband-Milliarde und damit die Internet-Zukunft frei. Und hinter den Kulissen basteln SPÖ und ÖVP sogar schon an einer schnellen Steuerreform. Wenn Fellner findet, Österreich verdient dringend mehr positive News, mehr Aufbruchstimmung, dann lässt er sich von einem Sommer noch lange nicht aufhalten, möge der noch so viele negative Schlagzeilen haben.

Nicht überall tritt das Positive so unverhüllt zutage wie bei Fellner. Claus Pándi in der "Kronen Zeitung" enthüllt es dennoch, wenn gerade Sonntag ist. Zwar fand das Treffen des österreichischen Bundeskanzlers mit Deutschlands sozialdemokratischem Wirtschaftsminister und Merkel-Vize auch "strikt privat" mehr oder weniger unter Geheimhaltung statt, aber auch wieder nicht so geheim, dass es Pándi nicht zugetragen worden wäre. Weniger unter Geheimhaltung stand das Treffen, weil die "Krone" "strikt privat", einschließlich Foto, davon in Kenntnis gesetzt wurde, mehr unter Geheimhaltung, weil Pándi zwar berichten konnte, dass die beiden Herren in schonungsloser Offenheit auch die bedrohliche Entwicklung auf dem europäischen Arbeitsmarkt diskutierten, aber nicht, was sie dagegen auf Lager haben.

Pándi erfüllte dennoch seine Desinformationspflicht, ermuntert von einer Quelle aus erster Hand. Solche tieferen Gespräche seien nur möglich, wenn danach nicht schon die Medien warten würden und man Pressekonferenzen geben müsse, meint dazu Bundeskanzler Faymann. Woraus man nur schließen kann, dass wartende Medien tiefere Gespräche von vornherein verhindern, mögen sie auch in noch so schonungsloser Offenheit geführt werden.

Einer, der in der Sonntags-"Krone" immer Positives spinnt, ist der Kardinal, kein Wunder, heißt doch Evangelium so viel wie frohe Botschaft. Zuletzt war Matthäus 13, 44-46 angesagt, wo es um das Himmelreich geht. Mit dem ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Nun galt es, für die Schlitzohrigkeit, mit der hier die Erwerbung des Himmelreiches empfohlen wird, jenes positive Gleichnis zu finden, das die Aktualität Matthäi beweist. Da war man doch gespannt, wie der Kardinal, beziehungsweise sein Holy-Ghost-Writer, die Kurve kratzen würde. Ausgehend vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges erinnerte er dazu an das Los des Thronfolgers. Es ist bekannt, dass seine Gattin Sophie als nicht "ebenbürtig" galt. Sie war "nur" eine Gräfin, also nicht aus einem königlichen Haus. Es war eine ausgesprochene Liebesheirat. Der Thronfolger wusste, dass er alles riskierte, wenn er darauf beharrte, sie zu heiraten. Er hätte sogar auf den Thron verzichtet! Die Liebe zu Sophie war ihm wichtiger als die Thronfolge selbst.

Er musste seinen Schatz nicht wieder eingraben noch alles verkaufen, um ihn zu gewinnen. Und hätte er nur auf den Thron verzichtet - das Himmelreich wäre ihm als Habsburger sicher gewesen, nur etwas später. Aber man liest die Schnurren gern. (Günter Traxler, DER STANDARD, 2./3.8.2014)

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