Umgang mit Asylsuchenden: Falsche Überschrift

Kommentar1. August 2014, 18:20
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Wenig Wissen trifft hierzulande auf eine ganze Reihe von Vorurteilen

Selten ist man sich über Parteigrenzen hinweg bis hinunter zum letzten Bürgermeister so einig: Bei "uns" können keine zusätzlichen Asylwerber aufgenommen werden! Dann schubst man, begleitet von Verweisen auf Quoten und die Sicherheit, das leidige Thema an die nächste Bürokratieverwaltungsstelle weiter. Und gut ist's. Wer seinen weichen, mitunter christlichen Kern hervorstreichen will, beklagt noch kurz die mangelnde Menschlichkeit. Politisch sei damit aber nichts zu gewinnen.

Ist das so? Eine UN-Studie von 2011 legt nahe, dass die föderalistischen Maurer ganz im Sinne ihrer Wählerschaft agieren: Wenig Wissen trifft hierzulande auf eine ganze Reihe von Vorurteilen. Statt Mitgefühl regt sich Angst - um den Arbeitsplatz, vor Kriminalität, vor der vermeintlichen sozialen Hängematte für die ungebetenen Gäste. Dass Asylwerber nicht arbeiten dürfen und keinen Anspruch auf Sozialhilfe haben, hat sich nicht herumgesprochen. Gleichzeitig glaubt nur jeder zweite Befragte, dass Flucht und Verfolgung Asylsuchende nach Österreich kommen ließen.

Verwunderlich ist das ob der politischen Überschrift "Asyl als Problem" nicht. Was die Studie auch zeigt: Wer persönlich Kontakt zu Asylwerbern hat, erlebt diese meist positiv. Umso wichtiger, dass die Ortschefs ihren Bewohnern eine solche Horizonterweiterung ermöglichen und die Türen öffnen. Mit vorauseilendem Gehorsam gegenüber rechts ist politisch nämlich ebenso wenig zu gewinnen. (Karin Riss, DER STANDARD, 2.8.2014)

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