IWF sorgt sich um Österreichs Banken

1. August 2014, 18:09
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Russland-Sanktionen bringen Banken und ÖIAG-Präsident erneut unter Druck

Wien – Es war ein historischer Moment: Am Freitag um 0.01 Uhr sind breite Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland in Kraft getreten. Die Union möchte damit Moskau zu einem Einlenken im Ukraine-Konflikt bewegen. Bezüglich mehrerer Aspekte heikel ist dabei die Situation für Österreich.

Die EU nimmt drei Sektoren – Banken, Energie, Waffen – ins Visier. Österreichs Achillesferse sind die Banken. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat diese Woche in einem Bericht erneut auf die exponierte Lage Österreichs hingewiesen. Gemessen an der Größe des Finanzsektors sei das Exposure Österreichs in Russland größer als jenes aller anderen EU-Länder. Die Kundenforderungen der Bank Austria belaufen sich auf rund 12,5 Milliarden Euro in Russland, jene der Raiffeisen Bank International (RBI) auf rund zehn Milliarden.

Während dies schon bekannt war, machte der Fonds quasi in einem Nebensatz auf ein ganz anderes Risiko aufmerksam. Die österreichischen Banken sind neben schwedischen Instituten offenbar auch die größten Geldgeber russischer Geldhäuser.

Das Problem dabei aus heimischer Sicht: Die schärfste Sanktionsmaßnahme der EU ist ein Refinanzierungsverbot für russische Staatsbanken wie die Sberbank und die VTB. Die Institute dürfen in Europa keine Anleihen mit Laufzeiten über 90 Tagen begeben. Auf kurze Sicht dürften Sberbank und Co kein Problem damit haben, sich zu refinanzieren. Sollten die Sanktionen aber länger in Kraft bleiben, könnte die Situation für die Institute schwieriger werden, sagt Vasily Astrov vom Wiener Osteuropainstitut (WIIW). Sprich: Zahlungsschwierigkeiten wären nicht ausgeschlossen.

Wie hoch das Exposure gegenüber russischen Geldhäusern ist, sagt der IWF nicht. Die Erste Bank spricht auf Anfrage von lediglich 100 Millionen Euro. Die Bank Aus tria möchte sich im Vorfeld einer Präsentation neuer Geschäftszahlen nicht äußern. Bei der RBI heißt es, die Bankenkredite der Russlandtochter belaufen sich auf 3,2 Milliarden Euro. Allerdings entfalle ein großer Teil davon auf quasi interne Einlagen der Tochter bei der RBI.

"Fatales Signal"

Wegen der Sanktionen erneut in den Fokus rücken nicht nur Banken, sondern auch der Aufsichtsratschef der Verstaatlichtenholding ÖIAG, Siegfried Wolf. Der Ex-Magna-Manager mit besten Kontakten nach Russland sitzt nämlich im Aufsichtsrat der Sberbank Europe, die von Wien aus die Aktivitäten der Sberbank in Osteuropa leitet. Die Sberbank gehört zu 60 Prozent der russischen Notenbank.

Offiziell von der EU sanktioniert wird zwar nur die russische Mutterbank. Kritik gibt es aber an der Optik, weil der ÖIAG-Präsident zeitgleich für die Tochterbank eines von allen 28 EU-Ländern sanktionierten Unternehmens arbeitet. „Das Signal aus Österreich ist fatal“, sagt der Grün-Politiker Peter Pilz. Im Finanzministerium wollte sich zur Personalie niemand äußern, für die Ernennung Wolfs sei der ÖIAG-Aufsichtsrat zuständig. Dort hatte Wolf breite Unterstützung. Daran soll sich laut einem anderen Aufsichtsratsmitglied auch nichts geändert haben. (András Szigetvari, DER STANDARD, 2.8.2014)

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