Ebola in Westafrika laut WHO außer Kontrolle

1. August 2014, 17:44
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Verdachtsfälle in Nigeria - 100-Millionen-Aktionsplan der WHO - Krisenstab für den 6. und 7. August einberufen

Conakry/Genf - Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außer Kontrolle geraten. Allerdings könne der Ausbruch der Krankheit noch gestoppt werden, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Freitag bei einem Krisentreffen mit den Regierungschefs der am stärksten betroffenen Staaten laut Redemanuskript.

"Dieser Ausbruch entwickelt sich schneller als unsere Maßnahmen, ihn zu kontrollieren", sagte die WHO-Chefin. Wenn sich die Situation weiter verschlechtere, könnten die Folgen katastrophal sein. Viele weitere Menschen verlören ihr Leben, es bestehe zudem die Gefahr einer Ausweitung auf andere Länder. Die Seuche könne zur Zerrüttung von Wirtschaft und Gesellschaft führen.

100 Millionen Dollar

An dem Treffen in Guineas Hauptstadt Conakry sollten die Regierungschefs von Guinea, Liberia, Sierra Leone und der Elfenbeinküste teilnehmen. Das Treffen müsse einen Wendepunkt im Kampf gegen die Seuche markieren, forderte Chan. Die Regierungen müssten die Bewegung der Bevölkerung einschränken und öffentliche Zusammenkünfte verbieten. Die Polizei müsse zudem die Sicherheit der internationalen Hilfsgruppen garantieren.

Für den 6. und 7. August berief die WHO einen Krisenstab ein. Dieser solle darüber entscheiden, ob Ebola als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite erklärt werden solle, was spezielle Maßnahmen nach sich ziehen würde.

Am Vortag hatte die WHO ein Sofortprogramm für die betroffenen Länder im Volumen von 100 Millionen Dollar angekündigt und die internationale Staatengemeinschaft zu verstärkten Anstrengungen aufgerufen.

Möglicherweise Fälle in Nigeria

Nach Guinea, Liberia und Sierra Leone befürchtet nun auch Nigeria einen Ausbruch der tödlichen Seuche Ebola: Zwei möglicherweise mit dem Virus infizierte Menschen sind in dem westafrikanischen Land auf einer Krankenstation isoliert worden. 69 weitere seien unter Beobachtung gestellt, berichtete die nigerianische Zeitung "Punch" am Freitag.

Sie sollen Kontakt zu einem Berater der liberianischen Regierung gehabt haben, der diese Woche in einem Krankenhaus in Lagos an Ebola gestorben war. Der 40-Jährige war mit einem Flugzeug in die Zehn-Millionen-Metropole gereist und dort am Flughafen zusammengebrochen.

Übertragung durch Körperflüssigkeiten

Ein Lufthansa-Sprecher sagte, derzeit gebe es keine Notwendigkeit die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. Die Lufthansa stehe aber in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden wie der WHO. Auch ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport sieht keinen Grund zur Panik. Die WHO stuft ebenso wie Wissenschafter die Gefahr einer Ansteckung während eines Flugs als gering ein. Allerdings besteht laut Wissenschaftern eine Gefahr für Mitreisende, wenn bei einem Infizierten etwa während eines Flugs die Krankheit akut ausbrechen würde.

Nach neuen Angaben der WHO sind seit Februar mindestens 729 Menschen an der Seuche gestorben, darunter 60 medizinische Kräfte. Mehr als 1.300 Menschen haben sich infiziert. Das Virus führt in 60 bis 90 Prozent aller Fälle zum Tod. Eine Übertragung geschieht durch sämtliche Körperflüssigkeiten eines Kranken.

Notstand in Sierra Leone

Am Donnerstag hatte Sierra Leone den Notstand ausgerufen. Die besonders betroffenen Regionen wurden unter Quarantäne gestellt. Das Nachbarland Liberia hat ebenfalls mehrere Regionen unter Quarantäne gestellt. Zudem wurden die meisten Grenzübergänge geschlossen. An den Hauptgrenzübergängen sowie an den Flughäfen werden Reisende auf Anzeichen einer Ebola-Erkrankung untersucht. Auch Nigeria und Ghana verschärften die Einreisekontrollen.

Die US-Regierung will nach Medienberichten im September erstmals einen Ebola-Impfstoff an Menschen testen. Das Präparat habe bereits positive Ergebnisse an Primaten gezeigt, berichteten der Sender CNN und die Zeitung USA Today. Seit längerem forschen Biotechfirmen und Universitäten an Impfstoffen gegen den tödlichen Erreger. (APA, 1.8.2014)

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