Französischer Milliardär greift nach US-Tochter der Deutschen Telekom

1. August 2014, 17:16
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Französische Iliad bietet 15 Milliarden Dollar für Mehrheit an T-Mobile-US

Die Deutsche Telekom darf auf ein lukratives Bieterrennen um T-Mobile US hoffen: Der französische Telekom-Milliardär Xavier Niel will die Mehrheit an der Telekom-US-Tochter für 15 Mrd. Dollar (11,2 Mrd. Euro) kaufen. Allerdings trifft er auf einen Gegner mit tiefen Taschen.

Hinter den Kulissen

Masayoshi Son, der reichste Mann Japans, arbeitet Insidern zufolge mit seinem US-Mobilfunkableger Sprint hinter den Kulissen ebenfalls an einem Gebot, das sogar noch besser ausfallen soll. Jedoch haben die Kartellwächter bei einem Zusammenschluss der Nummer drei mit der Nummer vier auf dem US-Mobilfunkmarkt bereits Bedenken angemeldet - anderes wäre es bei den Franzosen.

Analysten räumen der Niel-Offerte jedoch keine großen Chancen ein. "Wir sind skeptisch, dass T-Mobile US und ihre Aktionäre inklusive der Deutschen Telekom, das Angebot attraktiv finden", sagte Credit-Suisse-Analyst Joseph Mastrogiovanni. "Jedoch könnte es den Druck auf Sprint erhöhen, sich bald zu bewegen."

Bar

Niel stellt mit seiner Telekom-Firma Iliad 33 Dollar je T-Mobile-Aktie in bar in Aussicht. Insgesamt wolle er sich 56,6 Prozent an dem viertgrößten Mobilfunker der USA sichern. Der Preis für den Anteil würde sich also auf 15 Mrd. Dollar belaufen - die Offerte ist aber unverbindlich. Reuters hatte vor zwei Monate berichtet, dass Son sich mit der Telekom auf einen Preis von 40 Dollar je Aktie bereits geeinigt habe. T-Mobile wäre damit insgesamt 32 Mrd. Dollar wert. Der Kauf sollte aber nicht vor September offiziell besiegelt werden.

T-Mobile bestätige das Eintreffen eines Angebots von Iliad, wollte sich darüber hinaus, ebenso wie die Bonner Konzernmutter, nicht äußern. Die Telekom-Aktien lagen am Freitag zeitweise mehr als 2,5 Prozent im Plus und zählte damit zu den wenigen Gewinnern im Dax.

"Steve Jobs Frankreichs"

Der 46-jährige Niel ist in seiner Heimat als "Steve Jobs Frankreichs" bekannt. In den 80er Jahren programmierte er Software für das Minitel - ein Internet-Vorläufer ähnlich dem damaligen deutschen BTX. In der Zeit gehörte Niel sogar ein erotischer Textservice. Später eroberte er den französischen Markt für schnelles Internet, das er im Paket mit einem Telefonanschluss und Fernsehen anbot. Seit zwei Jahren mischt Niel unter der Marke "Free" zusätzlich auch den Mobilfunkmarkt auf und unterbietet die Tarife von alteingesessenen Anbietern wie Orange deutlich. Seine Firma hat sich mit der Strategie einen Mobilfunk-Marktanteil von 13 Prozent gesichert. Das Vermögen von Niel wird auf 9,5 Mrd. Dollar geschätzt.

Der Griff nach T-Mobile US ist gewagt, da Niels Konzern Iliad einen Börsenwert von gut 16 Mrd. Dollar hat, während T-Mobile US auf etwa 25 Mrd. Dollar kommt. Niel erklärte, es gebe Kreditzusagen internationaler Banken. Dabei handelt es sich nach Reuters-Informationen um BNP Paribas und HSBC. Außerdem sei eine Kapitalerhöhung nötig.

Verhandlungen

Der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter Sprint und sein Besitzer Son verhandeln seit Monaten mit der Telekom über einen Kauf von T-Mobile. Der Bonner Konzern hält rund zwei Drittel an der in den USA börsennotierten Tochter. Der große Unsicherheitsfaktor bei der geplanten Übernahme sind die US-Kartellwächter. Sie haben bereits durchblicken lassen, dass sie ein Zusammengehen skeptisch sehen, da sie steigende Mobilfunkpreise befürchten. Nach Ansicht von Experten dürften die Behörden den Fall zwölf bis 18 Monate unter die Lupe nehmen und erst dann darüber entscheiden. Son sei in klaren Worten deutlich gemacht worden, dass das Justizministerium und die Telekom-Behörde FCC den Kauf nicht erlauben werden, sagte der ehemalige FCC-Leiter Reed Hundt. "Es steht für mich außer Frage, dass die FCC den vorgeschlagenen Deal von Iliad willkommen heißen dürfte."

Der Telekom-Spitze in Bonn sind die US-Kartellbehörden in schlechter Erinnerung. Vor drei Jahren sollte T-Mobile US bereits für 39 Mrd. Dollar an Branchenriese AT&T gehen - allerdings legte das Justizministerium sein Veto ein und schrieb vor, dass es mindestens vier landesweite Mobilfunkanbieter in den Vereinigten Staaten geben müsse. Bis heute hat sich die Vorgabe - zumindest offiziell - nicht geändert. (APA, 1.8. 2014)

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