Wochenende der Bewährung

1. August 2014, 18:06
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Unter 16-Jährige wurden vom Traiskirchner Aufnahmestopp ausgenommen

Traiskirchen - Ob die 200 außerhalb des Lagers Traiskirchen zur Verfügung stehenden Asyl-Erstaufnahmeplätze übers Wochenende ausreichen würden oder nicht: Diese Frage stellte man sich im Innenministerium am Freitag, nachdem über das Erstaufnahmezentrum wie berichtet am Mittwoch von der Bezirkshauptmannschaft Baden ein Aufnahmestopp ausgesprochen worden war.

Denn Verlegungen in die Länder finden nur Montag bis Freitag statt. Somit müssen alle Samstag und Sonntag neu ankommenden Flüchtlinge derzeit in Bundesquartieren unterkommen. Im heurigen Juli haben pro Tag zwischen 45 und 130 Menschen in Österreich um Asyl ersucht.

Vor dem "Krisenszenario"?

Sollten die Unterkünfte nicht reichen, soll ein "Krisenszenario" greifen. Wie berichtet, soll in diesem Fall das Rote Kreuz Notquartiere zur Verfügung stellen.

Der Traiskirchner Aufnahmestopp gilt indes nicht zu hundert Prozent. Alleinreisende Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren wurden rückwirkend von ihm ausgenommen, wie der Standard am Freitag erfuhr. Andererseits wurde laut Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck das Prozedere der rechtlichen und medizinischen Erstabklärung von neu ankommenden Flüchtlingen beschleunigt, das nach wie vor im Lager stattfindet: Auf diese Art sollen Zusatz-Übernachtungen vermieden werden.

Meningitis-Opfer litt auch an HIV-Infektion

Die präventive Abgabe von Antibiotika an alle Traiskirchen-Insassen und -Mitarbeiter nach dem Meningitis-Tod eines im Lager untergebrachten 24-jährigen Asylwerbers aus Somalia wurde unterdessen abgeschlossen. Laut STANDARD-Informationen litt der Verstorbene aufgrund einer HIV-Infektion an ausgeprägter Immunschwäche, die den Krankheitsausbruch beschleunigt haben könnte.

In der Diskussion um die Asylwerberunterbringung in den Ländern meldete sich Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien, zu Wort: Aufgrund der Quotenübererfüllung Wiens mit zuletzt 138,59 Prozent gleiche sich die Untererfüllung anderer Länder mit 88 Prozent wieder aus. Aus dem Ministerium kam dazu Widerspruch. (Irene Brickner, DER STANDARD, 2.8.2014)

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