Für eine vernünftige Kolonie im All bräuchte es ein wirklich großes Raumschiff

3. August 2014, 18:33
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Rund 40.000 Aussiedler sind nötig, um eine stabile Basis im interstellaren Raum zu errichten, schätzt ein US-Anthropologe

An der Besiedelung des Weltraums jenseits unseres Sonnensystems wird die Menschheit wohl nicht vorbei kommen: Der Astrophysiker Stephen Hawking hat diese Prognose bei mehreren Gelegenheiten vorgebracht und mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Die Frage, welche Exoplaneten dafür in die engere Wahl kommen könnten, wird vermutlich die nächste und übernächste Generation von Weltraum- und terrestrischen Teleskopen beantworten. Was aber tun, wenn in den kommenden Jahrzehnten eine geeignete Welt in annehmbarer Entfernung erspäht wird? Wie viele Menschen müsste man als Basis für eine stabile Kolonie ins Ungewisse schicken?

Der Anthropologe Cameron Smith von der Portland State University im US-Bundesstaat Oregon hat sich darüber ernsthaft Gedanken gemacht und ist zu folgendem Schluss gekommen: Mindestens 20.000, besser aber noch 40.000 Menschen müssten sich auf den Weg in den interstellaren Raum machen, damit die Menschheit langfristig im fernen All Fuß fassen kann.

Erst eine Population wie diese wäre seiner im Journal "Acta Astronautica" erschienen Studie zufolge umfangreich genug für die genetische Diversität, die nötig ist, um eine mindestens 150 Jahre dauernde Reise durchs All zu überstehen und dann noch eine gesunde Kolonie zu gründen. Ähnliche Reisezeiten postulieren auch Forscher von "Icarus Instellar", einer Organisation, die sich mit zukünftigen Flügen zu fremden Sternen beschäftigt. Ob bzw. wann ein derart großes Raumschiff technisch möglich wäre, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt.

Doch es ist nicht allein die Genetik, die Smith als Grund für eine so große Kolonistengruppe anführt: Mit einer Basis von 40.000 Menschen – etwas mehr als die Hälfte müsste im fortpflanzungsfähigen Alter sein – könnten die folgenden fünf Generationen auch schwerwiegende demografische Veränderungen und zumindest eine große Katastrophe überstehen, ohne unterzugehen. Ähnliche Argumente würden Smith zufolge übrigens auch für eine künftige selbsterhaltende Marskolonie gelten. Weitere Details zu Smiths Studie hat das Weltraumportal "Space.com":

--> Space.com: "Want to Colonize an Alien Planet? Send 40,000 People"

--> Acta Astronautica: "Estimation of a genetically viable population for multigenerational interstellar voyaging: Review and data for project Hyperion"

(red, derStandard.at, 03.08.2014)

  • Konzept für das "Constellation"-Programm der NASA. Derzeit bäckt die US-Raumfahrtbehörde noch recht kleine Brötchen, was die Zukunft der bemannten Raumfahrt betrifft. Für eine dauerhafte Besiedelung des interstellaren Raumes werden wohl etwas größere Raumschiffe nötig sein.
    foto: nasa/john frassanito and associates

    Konzept für das "Constellation"-Programm der NASA. Derzeit bäckt die US-Raumfahrtbehörde noch recht kleine Brötchen, was die Zukunft der bemannten Raumfahrt betrifft. Für eine dauerhafte Besiedelung des interstellaren Raumes werden wohl etwas größere Raumschiffe nötig sein.

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