Krebskot aus Aquakulturen schädigt die Umgebung

2. August 2014, 17:59
2 Postings

Seegraswiesen werden von Abfällen aus Garnelenzucht und Landwirtschaft stark belastet

Bremen - Ähnlich wie intensive Landwirtschaft bleiben auch intensive Aquakulturen nicht ohne schädliche Auswirkungen auf die Umwelt - und die werden weltweit rasant ausgebaut. Das Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) berichtet von einer deutsch-chinesischen Forschungskooperation, die die Folgen von Ganelenmassenzucht analysierte. Die Forschungsergebnisse wurden im "Marine Pollution Bulletin" veröffentlicht.

Die Forscher untersuchten im Raum der chinesischen Insel Hainan Seegraswiesen in Küstengebieten, die unterschiedlich stark mit Garnelenteichen durchsetzt waren. Seegraswiesen spielen im globalen Kohlenstoffkreislauf eine außerordentlich wichtige Rolle als Kohlenstoffsenke. Sie dienen darüber hinaus als Kinderstube einer großen Anzahl wirtschaftlich wichtiger Fisch- und Schalentiere und sind eine Futterquelle für große Meerestiere wie Schildkröten und Seekühe.

Zu viele Abfälle

"Wir konnten den Weg der Abwässer aus den Zuchtteichen bis ins Zellgewebe der Seegräser einige Kilometer vor der Küste verfolgen“, so der ZMT-Projektleiter Tim Jennerjahn. Während der beiden Expeditionen in 2008 und 2009 stellten die Forscher mit steigender Anzahl der Zuchtteiche eine zunehmende Schädigung der Seegräser fest. Die Wuchsdichte nahm ab, die Artenvielfalt der Gräser sank, an stark belasteten Orten war der Seegrasbewuchs ganz zurückgegangen.

Die Forscher fanden eine große Menge an Schwebstoffen im Meer vor der Küste: organisches Material und Sedimente aus dem Hinterland, dazu Nahrungsabfälle und Exkremente der Zuchttiere aus den Teichen. Den Seegräsern nahmen sie das lebenswichtige Sonnenlicht.

Kleinalgen, die als Epiphyten auf den Gräsern wachsen, hatten sich durch das Überangebot an Nährstoffen rapide vermehrt. "Wie ein dichter Teppich überzogen sie die Gräser und beschatteten sie“, beschreibt Meeresökologin Lucia Herbeck ihre Beobachtungen. Die Wissenschafter konnten außerdem nachweisen, dass die Seegräser giftigen Schwefelverbindungen ausgesetzt sind, deren Bildung durch Aquakulturabfälle angekurbelt wird. (red, derStandard.at, 2. 8. 2014)

  • So sieht eine gesunde Seegraswiese aus.
    foto: katharina schubert, zmt

    So sieht eine gesunde Seegraswiese aus.

  • Diese hier ist im Absterben begriffen: Die Seegräser sind von Kleinalgen überwuchert.
    foto: lucia herbeck, zmt

    Diese hier ist im Absterben begriffen: Die Seegräser sind von Kleinalgen überwuchert.

Share if you care.