Bau eines Satelliten-Rings um die Sonne vorgeschlagen

1. August 2014, 12:43
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Experten regen Weltraum-Frühwarnsystem für Sonnenstürme an

Bristol - Ereignisse wie die Beinahe-Katastrophe von 2012, als ein schwerer Sonnensturm zum Glück nicht auf die Erde ausgerichtet war, beschäftigen Wissenschafter schon lange. Wie lässt sich verhindern, dass ein Sonnensturm schwere Schäden an irdischen Strom- und Telekommunikationsnetzen auslöst? Eine Gruppe von Experten schlägt nun vor, ein Frühwarnsystem aus 16 die Sonne umkreisenden Satelliten einzurichten.

Diese müssten nur so groß wie Brotdosen sein, schreibt Ashley Dale von der Universität Bristol in Großbritannien in der Zeitschrift "Physics World". Ein solches System würde umgerechnet etwa 370 Millionen Euro kosten, was jedoch nur drei Prozent des jährigen Budgets der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA ausmache, so Dale.

Rechtzeitige Warnung

Das Frühwarnsystem könne einerseits dazu genutzt werden, die Sonne und ihr Magnetfeld besser zu erforschen. Andererseits könnten bei Anzeichen eines solaren Supersturms Hochspannungs-Wechselstrom-Transformatoren und andere neuralgische Knotenpunkte der Stromnetze vorsorglich abgeschaltet werden, bevor sie durch extreme Stromflüsse zerstört würden, erklärt Dale.

Der britische Astroingenieur gehörte 2013 zu der 40-köpfigen Expertenkommission SolarMAX. Sie machte sich an der International Space University in der Nähe von Straßburg in Frankreich Gedanken über den Umgang mit Extremereignissen des Weltraumwetters.

Das Carrington-Ereignis

Dale verwies dabei einmal mehr auf das sogenannte Carrington-Ereignis, benannt nach dem englischen Astronomen Richard Carrington. Dieser entdeckte Anfang September 1859 eine Sonneneruption, die sich auch auf die Erde auswirken sollte.

Polarlichter waren damals auch bis in tropische Regionen sichtbar - weniger schön war der Ausfall der Telegrafennetze in Europa und Nordamerika. Laut Zeitungsberichten von damals sprühten Telegrafenmasten Funken, einige Telegrafenoperateure sollen Stromschläge abbekommen haben.

Probleme wären heute weitaus größer

Die Auswirkungen auf die Zivilisation seien indes gering gewesen, da erst etwa 200.000 Kilometer Telegrafenlinien installiert gewesen seien, schreibt Dale. Ganz anders sehe die Situation heute aus: Da die moderne Zivilisation stark auf die elektrische Versorgung angewiesen sei, könne ein großflächiger, lange andauernder Stromausfall verheerende Folgen haben.

Nicht nur käme das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen, auch die Notstromaggregate der Krankenhäuser funktionierten irgendwann nicht mehr. Gefährdet wären auch die Kernkraftwerke, in denen bei längerem Ausfall der Kühlsysteme eine Kernschmelze drohe.

Satellitenmessungen von zahlreichen Sternen unserer Galaxis hätten ergeben, dass solare Superstürme viel häufiger vorkämen als lange Zeit gedacht, warnt Dale. "Als Spezies waren wir nie verwundbarer durch die unberechenbaren Launen unseres nächsten Sterns, aber es liegt in unserer Fähigkeit, unserem Geschick und unserer Expertise als Menschen, uns selbst zu schützen.", lautet Dales Fazit. (APA/red, derStandard.at, 1. 8. 2014)

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