EU überholt USA als größter Weizenexporteur

1. August 2014, 13:46
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Trotz anfänglich schlechter Wetterbedingungen ist die österreichische Getreideernte heuer sehr gut ausgefallen. Folglich sinken die Preise

Das Ernterekordjahr 2013 hat mit der diesjährigen Getreideernte einen würdigen Nachfolger gefunden. Weltweit sind die Erträge im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die EU dürfte heuer erstmals mehr Weizen ausführen als die USA und somit zum größten Weizenexporteur weltweit werden.

In Österreich beträgt die Getreideernte heuer voraussichtlich 3,2 Millionen Tonnen. Das sei eine Steigerung von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr und auch zum langjährigen Durchschnitt, sagte Franz Hautzinger von der Agrarmarkt Austria bei einer Pressekonferenz am Freitag. Österreichweit seien bereits rund 80 Prozent der Ernte in den Silos. Mais wird erst im Herbst eingefahren, hier ist Hautzinger vorsichtig optimistisch.

Sinkende Getreidepreise

Hätte man ihn im April nach den erwarteten Ernteergebnissen gefragt, so wäre seine Antwort sehr negativ ausgefallen, so der Getreidebauer aus dem Burgenland. Das Jahr hat für die österreichischen Bauern alles andere als gut begonnen. Der heurige Winter war der wärmste und trockenste seit es Wetteraufzeichnungen gibt. Gemeinsam mit dem feuchten Mai war dies der ideale Nährboden für Schädlinge und Pilze. Auch die Hitze zu Pfingsten hat der Aussaat zugesetzt. Dennoch kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Aufgrund der guten Ernte erwartet Hautzinger einen Rückgang in den Getreidepreisen. Dieser liege bereits jetzt 40 Prozent unter den Höchstwerten der letzten zwei Jahre, so Christian Gessl von der Agrarmarkt Austria. Insgesamt geht er aber von einem Nullsummenspiel aus. Was die österreichischen Bauern durch die niedrigeren Verkaufspreise verlieren, bekommen sie durch die Mengensteigerung wieder herein. Außerdem gäbe es heuer eine höhere Preisdifferenzierung zwischen den unterschiedlichen Getreidequalitäten.

Österreich ist Getreideimportland

Weizen etwa lässt sich in drei verschiedene Kategorien unterteilen. Der hochwertige Premiumweizen mache heuer nur 20 Prozent der Ernte aus, im Vorjahr waren es noch 70 Prozent. Sprich: Die Preisreduktion wird sich nicht auf alle Getreidesorten gleich auswirken, Österreich werde von den höheren Preisen für Premiumweizen profitieren, so Hautzinger. Mehr als die Hälfte des Getreides wird hierzulande für Futterzwecke verwendet, rund 13 Prozent für Brot und Gebäck und ein Drittel in der Industrie, zum Beispiel für Bier oder Stärke.

Obwohl in Österreich 200.000 Tonnen Getreide mehr importiert als exportiert werden, kommt in Summe durch den Handel Geld ins Land. Das liegt daran, dass die Preise für das exportierte Getreide höher sind. In der gesamten EU wird mehr Getreide ausgeführt als vom Ausland eingekauft. Besonders viel werde aus der Schwarzmeerregion exportiert, daher sei die weitere Entwicklung bezüglich der Ukraine-Krise von großer Bedeutung für den europäischen Getreidemarkt, so Gessl.

Herausforderung Schädlingsschutz

Das Verbot von Neonicotinoiden habe sich nicht auf die Getreideernte ausgewirkt, da das Beizmittel hier nur selten, zum Beispiel bei Mais, angewendet werde. Es sei dadurch jedoch im Vorfeld zu einer Verschiebung bei der Anbaufläche gekommen. Heuer wurden in Österreich 15.000 Hektar weniger Mais angebaut als im Vorjahr, sagte Hautzinger.

Biogetreide hat mit den heurigen Bedingungen keine optimalen Voraussetzungen gefunden. In trockenen Jahren sei der Unterschied zwischen konventionellem und biologischem Anbau weniger groß, sagte Hautzinger. Regnet es aber viel, so seien biologische Getreidesorten weniger ertragreich. Auch, weil diese mehr unter dem Schädlingsbefall leiden. (Sonja Spitzer, derStandard.at, 1.8.2014)

  • Der Verbrauch und die Produktion von Getreide sind in den letzten Jahren weltweit stetig gestiegen.
    foto: apa

    Der Verbrauch und die Produktion von Getreide sind in den letzten Jahren weltweit stetig gestiegen.

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