Studie: Viele Fonds sind ihr Geld nicht wert

3. August 2014, 10:00
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S&P hat tausende Aktienfonds analysiert. Bis zu 90 Prozent scheitern am Vergleichsindex

London/Wien - Viele Fondsmanager sind ihr Geld nicht wert. Das ist kurz zusammengefasst das Ergebnis einer Studie von S&P Dow Jones Indices, einem der größten Indexanbieter weltweit. Deren Analysten haben sich Aktienfonds über ein, drei und fünf Jahre angesehen und mit ihren jeweiligen Benchmarks verglichen, also den Aktienindizes als Vergleichsmaßstab. Europäische Aktienfonds wurden etwa mit dem S&P Europe 350 verglichen. Für verschiedene Anlageklassen und insgesamt tausende Fonds haben die S&P-Experten Wertungslisten (Scorecards) erstellt, die Erträge nach den Fondskosten analysiert.

Die Analysten machen zwar viel Aufsehen darum, dass im vergangenen Jahr, als die europäischen Aktienmärkte eine tolle Performance von 20,97 Prozent abgeliefert haben, die Mehrheit der Europa-Aktienfonds an dieser Vorgabe gescheitert ist (bei Eurozonen-Aktienfonds sogar drei Viertel). Doch Fonds sind aufgrund ihrer Kostenstruktur vor allem für längere Zeiträume gedacht. Auf Sicht von fünf Jahren scheiterten immerhin noch 64 Prozent aller aktiven europäischen Aktienfonds an ihren Messlatten. Noch schlimmer sieht es bei globalen Aktienmandaten aus, dort sind es 90 Prozent.

Auch bei den Schwellenländer-Märkten, die gerne als weniger effizient und daher als gutes Jagdgebiet für Aktienschnäppchen bezeichnet werden, haben sich viele Fondsmanager die Zähne ausgebissen. 87,7 Prozent scheiterten am Schwellenländer-Index in den vergangenen fünf Jahren.

Zusätzlich liefern die S&P-Analysten noch weiteres Datenmaterial. Sie haben etwa die kapitalgewichteten Erträge mit Fonds ermittelt. Dabei haben sie sich angesehen, wie sich der durchschnittliche Investor mit aktiven Fonds geschlagen hat, denn die Erträge wurden mit dem verwalteten Fondsvermögen gewichtet. Die Zahlen zeigen, dass große Fonds tendenziell höhere Erträge hatten (mit Ausnahme von US-Produkten und französischen Fonds).

Das große Fonds-Sterben

Dazu dokumentieren die Analysten ein weiteres Phänomen. "Fonds verschwinden in einer beträchtlichen Zahl", schreibt Keith Loggie, Leiter der globalen Analyseabteilung von S&P Dow Jones Indices. In den vergangenen fünf Jahren hat die hohe Unsicherheit in den internationalen Finanzmärkten zur Fusion oder Liquidierung von 30 Prozent aller europäischen und internationalen Aktienfonds geführt. So haben etwa in Europa von 1662 Fonds vor fünf Jahren heute nur noch 1100 "überlebt". (sulu, DER STANDARD, 1.8.2014)

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    foto: reuters/jackson
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