Ohne IBAN geht nichts mehr

1. August 2014, 13:53
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Der Zahlungsverkehr ist künftig neu geregelt. Nach 47 Jahren wird das System von Kontonummer und Bankleitzahl abgelöst. Was es zu beachten gilt

Wien - Es ist so weit. Nach 47 Jahren wurden Kontonummer und Bankleitzahl in Pension geschickt. Ab dem 1. August ist für Überweisungen die 20-stellige IBAN (International Bank Account Number) nötig. Für Auslandsüberweisungen ist bis 2016 auch noch der BIC nötig, der Bank Identifier Code. Ab Februar 2016 genügt auch europaweit die IBAN.

Die alten Kontonummern verlieren ihre Gültigkeit, ebenso die alten Zahlscheine. Daueraufträge werden automatisch umgestellt. Auch Einzugsermächtigungen behalten ihre Gültigkeit. Bankkunden werden über die Umstellungen auf Sepa-Lastschrift informiert. Konsumentenschützer empfehlen aber, die angegebene IBAN auf Richtigkeit zu prüfen.

Tatsächlich sollen die Bankkunden vom einheitlichen Zahlungsraum Sepa (Single Euro Payments Area) viel. Eine Überweisung darf innerhalb der EU nur noch einen Tag dauern und nicht mehr als eine Inlandstransaktion kosten. Dafür muss man in Zukunft IBAN und BIC des Empfängers angeben. Die Änderung hätte eigentlich schon am 1. Februar in Kraft treten sollen, doch die EU-Kommission hat - um ein Chaos zu vermeiden - noch ein halbes Jahr zusätzlich eingeräumt.

Probleme bei Phishing und Fehlern

Doch die Umstellung hat auch Probleme mit sich gebracht. So sind in den vergangenen Wochen professionelle Phishing-Attacken auf die Daten von Bankkunden gestartet worden, die die Unsicherheit um die Sepa-Umstellung zum Anlass nahmen. Auch ist noch nicht klar, welche Spesen und Kosten im Falle von Fehlüberweisungen fällig sind.

"Bei fehlgeleiteten Auslandsüberweisungen können die Spesen und mögliche Kosten sehr hoch sein, hier sollten Konsumenten eine genaue Aufschlüsselung fordern", empfiehlt Benedikta Rupprecht von der Arbeiterkammer.

Bankgeschäfte werden auch abseits der Sepa-Umstellung revolutioniert, technologische Innovationen verändern dabei den Umgang mit Geld.

Eine Studie des digitalen Marktforschungsinstituts Marketagent zeigt, dass rund drei von zehn Österreichern Mobile Payment nutzen, also mobile Bezahlsysteme, die zum Beispiel das Bezahlen von Parktickets mit dem Smartphone ermöglichen.

Eine Reihe von großen und kleinen Spielern stoßen dabei ins klassische Bankgeschäfte vor. So verdichten sich die Gerüchte, dass der US-Elektronikriese Apple an einer "digitalen Brieftasche" arbeitet. Apple führt laut Medienberichten fortgeschrittene Gespräche mit Finanzunternehmen, unter den Partnern soll der globale Kreditkartenkonzern Visa sein, der aus den Apple-Gadgets vollwertige Bezahlungsalternativen macht.

Start-ups bringen Innovation

Doch die Innovation kommt immer öfters von unten. Start-ups haben in den USA bereits Produkte zur Überbrückung von langen Wartezeiten für Überweisungen oder Barbezahlungen auf den Markt gebracht. Das Unternehmen Moven hat sich etwa für die internationale Expansion im Juli mit acht Millionen Dollar an frischem Eigenkapital versorgt. Kernprodukt des Unternehmens ist eine Smartphone-App, die sich mit einer Karte verbinden lässt und den Konsumenten die eigene Budgetplanung erleichtern soll. Das wird vor allem über eine Auflistung und Gliederung der Ausgaben geleistet.

Auch deutsche Start-ups wollen das Bankgeschäft modernisieren. Number26, ein Unternehmen mit Sitz in Berlin, hat sich im Juni mit 2,6 Millionen Euro Finanzierung von Risikokapitalgebern wie Earlybird und Redalpine versorgt und will im Herbst mit einem Girokonto inklusive Mastercard durchstarten. "Banking, aber besser", verspricht Gründer und CEO Valentin Stalf. So soll es möglich sein, Freunden einfach per SMS, E-Mail oder über ein soziales Netzwerk wie Facebook Geld zu senden. Für die Abwicklung dieser "Kernbankerfahrung" arbeitet das Start-up mit einer deutschen Partnerbank zusammen. Die fortschreitende Digitalisierung könnte den Zahlungsverkehr auch nach Sepa beschleunigen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 1.8.2014)

  • Ab 1. August Pflicht: Für Überweisungen in Österreich ist künftig die IBAN nötig, für Auslandsüberweisungen auch der BIC.
    foto: apa/fohringer

    Ab 1. August Pflicht: Für Überweisungen in Österreich ist künftig die IBAN nötig, für Auslandsüberweisungen auch der BIC.

  • Das verbirgt sich hinter IBAN und BIC.
    foto: grafik: der standard; quelle: apa, bankenverband, oenb

    Das verbirgt sich hinter IBAN und BIC.

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