Politische Krisenherde treffen AUA hart

31. Juli 2014, 18:40
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"Wir sind ein Stück von unserem Steigkurs abgekommen", sagte AUA-Chef Jaan Albrecht angesichts der politischen Krisenherde

Wien/Frankfurt - Die aktuellen Krisenherde versalzen zwar der heimischen AUA die Suppe, Mutter Lufthansa spürt davon wenig: "Russland und Ukraine haben derzeit noch keine spürbaren finanziellen Auswirkungen auf die Gruppe", sagte Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne.

Die Österreich-Tochter AUA sei aber im Vergleich zu anderen westlichen Airlines "überproportional" betroffen. Nach Russland hat die AUA laut ihrem Vorstand Karsten Benz das Flugangebot um rund sieben Prozent reduziert, in der Ukraine fällt der Rückgang mit 40 Prozent noch deutlicher aus.

Umsatz- und Passagierrückgänge

Auch im Nahen Osten gab es Umsatz- und Passagierrückgänge. Die AUA umfliegt seit dem Abschuss eines malaysischen Flugzeugs über der Ostukraine durch eine Rakete die Kriegsgebiete über der Ukraine und Israel. In die jordanische Hauptstadt Amman fliegt die AUA nun über Ägypten. Bei den russischen Destinationen Rostow am Don und Krasnodar wird die Ukraine und die Halbinsel Krim südlich über das Schwarze Meer überflogen.

Die neuen Flugrouten, die an der Ostukraine und Israel herumführen, verursachen um mindestens 20 Minuten längere Flugzeiten. Daher könne es passieren, dass AUA-Passagiere ihre Anschlussflüge am Flughafen Wien versäumen. Flüge nach Asien, etwa nach Bangkok, werden nun nördlich oder südlich an der Ostukraine vorbei geroutet. Der Irak werde hingegen auch weiterhin überflogen, allerdings nur in einer Höhe von 25.000 Fuß oder höher, erklärte AUA-Chefpilot Gerhard Pitsch am Donnerstag.

Einbußen gibt es für die AUA wegen der Flugstreichungen nach Bagdad. Erbil im Nordirak wird weiter angeflogen, allerdings anders als bisher. Der Flughafen Donezk übrigens ist laut Pitsch schon seit Ausbruch der Krise von der Liste der infrage kommenden Ausweichflughäfen gestrichen.

Erfolgreiche Expansion

Angesichts der Krisenherde stieg der AUA-Umsatz im zweiten Quartal nur dank der Expansion an der US-Ostküste um zwei Prozent auf 560 Mio. Euro.

Ein großer Brocken bleibt für die AUA der KV-Rechtsstreit mit dem Bordpersonal. Laut AUA-Chef Jaan Albrecht wurden dafür im zweiten Quartal Rückstellungen im zweistelligen Millionenbereich gebildet. Ohne sie hätte man das Ergebnis gesteigert. So gab es operativ einen Rückgang von 21 auf zehn Mio. Euro. Die Gewinnprognose für heuer wird gesenkt.

AUA-Finanzchef Heinz Lachinger will weitere Rückstellungen nicht ausschließen. Man habe nur für die Klage, über die am 11. September der EuGH urteilen wird, vorgesorgt. Es geht um die Frage, ob der vom Vorstand gekündigte Bord-KV nachwirkt.

"Die juristischen Signale aus Luxemburg haben uns dazu veranlasst, Vorsorgen für den Rechtsstreit mit dem Betriebsrat Bord zu bilden", bisher aber keine Rückstellungen gebildet, weil man sich sicher sei, die Verfahren zu gewinnen. (rebu, DER STANDARD, 1.8.2014)

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