Immobilienspekulation: Punk sticht Politik 

Kommentar31. Juli 2014, 17:48
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Endlich werden die kritikwürdigen Praktiken von Teilen der Immobilienwirtschaft breit diskutiert

Und plötzlich interessieren sich alle dafür. Die Grünen organisieren eine Pressekonferenz, um Forderungen gegen Immobilienspekulanten aufzustellen, Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) macht einen medienwirksamen Lokalaugenschein, bei dem er betroffenen Mietern, die gegen Hausbesitzer vor Gericht ziehen, die Hände schüttelt.

Leistbares Wohnen steht zwar schon länger in den Parteiprogrammen von SPÖ und Grünen. Seit die Punks der "Pizzeria Anarchia" am Montag von der Polizei aus dem Haus in der Mühlfeldgasse 12 in der Leopoldstadt vertrieben wurden, werden die kritikwürdigen Praktiken von Teilen der Immobilienwirtschaft aber endlich breit diskutiert.

Die Einrichtung einer Ethikkommission? Das Drängen auf Änderung der Bundesgesetzgebung, um in Wien mehr Handlungsspielraum zu schaffen? Es ist zu begrüßen, dass die Stadtregierung nun Schritte setzen will. Man fragt sich nur: Spekulanten gibt es nicht erst seit Montag, immer wieder wurde - auch im STANDARD - über Fälle berichtet, wo Mietrecht und Denkmalschutz zugunsten von Investoren hintangestellt wurden. Warum kommen diese Forderungen erst jetzt?

Den Punks der "Pizzeria Anarchia" ist letztlich etwas gelungen, das die Politik seit Jahren verabsäumt hat: Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Die Politik wird man nun an Ergebnissen messen können. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 1.8.2014)

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