Ärztemangel: Hausgemachte Probleme

Kommentar31. Juli 2014, 17:47
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Der drohende Ärztemangel wird sich auf die Schnelle nicht abwenden lassen

Es ist der klassische Braindrain: Ein Drittel aller Jungärzte geht ins Ausland - und kehrt nicht wieder zurück. Es regiert der freie Markt. Gratisstudium in Österreich, das bessere Jobangebot andernorts. Ärzte werden in ganz Europa gesucht - und das schon seit längerem. Jetzt wird reagiert. Viel zu spät, wieder einmal.

Ein Grund für die Abwanderung war die Ärzteausbildung, und da vor allem der umstrittene Turnus. Drei Jahre Blutabnehmen bildet keinen Arzt aus. Das wird nun durch eine neunmonatige Basisausbildung ersetzt. Der drohende Ärztemangel wird sich auf die Schnelle aber nicht abwenden lassen.

Ein Problem wird nämlich weiterhin nicht gelöst: der starke Zustrom an Medizinstudenten aus dem EU-Ausland, vor allem der Numerus-clausus-Flüchtlinge aus Deutschland. Seit 2006 gibt es eine Quotenregelung und Aufnahmeprüfungen. Es müsste längst bekannt sein, dass jedes Jahr ein Viertel aller Studierenden sich in Österreich Wissen aneignet, aber anderswo praktizieren will.

Der Arztberuf hat sich geändert: Lange Arbeitszeiten, Forschung in der Freizeit, kaum Aussicht auf Kassenverträge und wenig Zeit für die Patienten machen den Job nicht besonders attraktiv. Der Arztberuf soll wieder Traumberuf werden. Dazu müssten sich die Strukturen verändern und die Standesvertreter mehr bewegen. An den Jungärzten selbst liegt es nicht. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 1.8.2014)

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