iPad-Magazin aus Österreich: "Wie aus Science-Fiction-Film"

20. August 2014, 17:48
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"All Things Austrian" erscheint jetzt auch auf Englisch. Mit Österreich-Themen will Gründer Brem auch im Ausland punkten: "Wir spielen in der Oberliga"

Wien - Ein Österreich-Bild abseits von touristischen Klischees vermitteln, das ist das erklärte Ziel der Initiatoren von "All Things Austrian", einem reinen iPad-Magazin, das mit Österreich-Themen auch international reüssieren möchte. Inhaltlich heißt das: Kruder und Dorfmeister statt Mozartkugeln und Lipizzaner. Als "mediales Experiment" bezeichnet Richard Brem das Projekt, er ist Chefredakteur und Mitherausgeber von "All Things Austrian". Experiment deswegen, weil es als "hybrides Magazin" konzipiert ist, erklärt er, also Print- und Onlineelemente vereint, und weil der Erfolg noch in den Sternen steht. Bis jetzt ist erst eine Ausgabe des Magazins erschienen, eine englischsprachige Version ist seit kurzem erhältlich.

Bewegtbild und Sound

"Was derzeit unter dem Begriff iPad-Magazin firmiert, ist im Wesentlichen ein PDF-Reader", sagt Brem zu derStandard.at und meint damit E-Paper-Ausgaben von Verlagshäusern. "Das nützt die Möglichkeiten, die ein iPad bietet, aber nicht aus." Etwa die Integration von Bewegtbild, Sound und Möglichkeiten zu Interaktivität. Elemente, die "All Things Austrian" in einzelnen Artikeln kumuliert. Das Magazin kommt aus der Printtradition, es bietet ein klassisches Seitenformat, spielt aber mit Animation; Text wird mit Sound und Videos garniert. Konkret sieht das zum Beispiel so aus: Bei einem Artikel über Kruder und Dorfmeister lässt sich Sound der DJ-Größen aktivieren.

Video-Technologie

"All Things Austrian" müsse sich im internationalen Vergleich nicht verstecken, sagt Brem und nennt das US-Technologiemagazin "Wired", Richard Bransons "Project" und Axel Springers Mode- und Lifestylemagazin "The Iconist" als Beispiele für gute iPad-Magazine. Sonst ortet er noch viel Luft zum Experimentieren: "International gibt es vielleicht zehn oder maximal 20 vergleichbare Produkte."

Stolz ist Brem vor allem auf die Video-Technologie, die der Software-Architekt und Mitbegründer Gerhard Zeissl für das Projekt entwickelt hat. Textbausteine verwandeln sich in Full-Screen-Videos und vice versa. "Ohne zu ruckeln", so Brem, "daran haben wir sehr lange getüftelt." Das Design entstand in Zusammenarbeit mit dem Wiener Grafikdesignbüro Typejockeys.

10.000 Downloads

"All Things Austrian" gibt es kostenlos zum Download; nach dem Prinzip von Gratiszeitungen setzen die Gründer auf Verbreitung: "Erst bei einer gewissen Auflage sind wir auch als Werbefläche interessant." Eine Umwandlung in ein Kaufmedium sei derzeit nicht realistisch. Die Pilotausgabe, sie ist Ende 2013 erschienen, konnte laut Brem bis dato rund 10.000 Downloads verbuchen - bei der zweiten, sie ist für Herbst avisiert, sollten es noch mehr sein. Künftig dürfte "All Things Austrian" zweimal pro Jahr publiziert werden, Potenzial für eine höhere Frequenz sieht er nicht: "Man muss realistisch sein, es gibt nicht genug Inhalte für ein Monatsmagazin."

Lieber zweimal im Jahr "hochkarätige Geschichten" bieten, als zu beliebig werden, gibt Brem als Devise aus. Zu den "hochkarätigen Geschichten" der ersten Ausgabe zählt er etwa einen Artikel über den österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter, eine Fotostrecke mit Arbeiten des Grafikdesigners Stefan Sagmeister oder eben ein Porträt von Protagonisten aus der österreichischen DJ-Szene wie jenes über Kruder und Dorfmeister. Österreicher von Weltrang sollten auch für ein internationales Publikum interessant genug sein, glaubt Brem.

"Auch Printtexte animieren"

Die Geschichten kommen vom Initiator selbst, er war Journalist bei der "Futurezone" und bei der Ö1-Sendung "Matrix", und von freien Autoren. Den Umgang mit Video müssen sie nicht zwingend beherrschen, aber zumindest mit bewegten Bildern sollten sie spielen können; eine eigene Dramaturgie entwickeln: "Ich kann auch einen Printtext auf dem iPad animieren."

"All Things Austrian" wurde zunächst als Magazin rein fürs iPad entwickelt, weil es technisch gesehen das beste Tablet sei: "Hier sind Sachen möglich, die bei anderen nicht gehen." Eine Version für Android könnte aber folgen, genauso wie eine Variante, die für das kleinere iPhone optimiert ist. Sie ist in Vorbereitung und soll den potenziellen Leserkreis deutlich erweitern. "Mutterschiff", so nennt es Brem, dürfte jedenfalls das iPad bleiben: "Hier funktioniert es am besten."

"Wie aus einem Science-Fiction-Film"

Bei der Gründung von "All Things Austria" ging es Brem um "Eigenregie und Selbstermächtigung", sagt er; und fügt nicht ohne Stolz hinzu: "Wir spielen in der Oberliga mit, es ist wie aus einem Science-Fiction-Film." Dass sich das Magazin irgendwann monetarisieren lässt, davon ist er überzeugt, einen Zeithorizont nennt er aber nicht. Zuversicht schöpft der 45-Jährige von den Signalen, die aus Werbeindustrie kommen. In der englischen Ausgabe wirbt zum Beispiel die Österreich-Werbung mit einer Anzeige.

Vor rascher Konkurrenz auf dem Tablet-Sektor fürchtet sich Brem nicht. Medienhäuser sieht er eher auf dem Rückzug als vom Innovationsgeist beseelt. Und: "So eine Produktion erfordert eben Zeit, Aufwand und Kosten." (Oliver Mark, derStandard.at, 20.8.2014)

  • "All Things Austrian" heißt das iPad-Magazin, das von Richard Brem und Gerhard Zeissl gegründet wurde.
    foto: screenshot/all things austrian

    "All Things Austrian" heißt das iPad-Magazin, das von Richard Brem und Gerhard Zeissl gegründet wurde.

  • Das Design kommt von der Agentur Typejockeys.
    foto: screenshot/all things austrian

    Das Design kommt von der Agentur Typejockeys.

  • Die zweite Ausgabe soll im Herbst erscheinen, schon jetzt wurde eine englischsprachige gelauncht.
    foto: all things austrian

    Die zweite Ausgabe soll im Herbst erscheinen, schon jetzt wurde eine englischsprachige gelauncht.

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