Wohnen ohne Kunst? Unvorstellbar! 

4. August 2014, 05:30
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Eigentlich wollte sich die Galeristin Irene M. Zacke mit dem Umzug in die Wiener Innenstadt "reduzieren ". Das Gegenteil ist der Fall

Eigentlich wollte sich die Galeristin Irene M. Zacke mit dem Umzug in die Wiener Innenstadt "reduzieren ". Das Gegenteil ist der Fall. Sie wohnt mit so vielen Exponaten wie nie zuvor. Wojciech Czaja quetschte sich zu Besuch.

"Wir haben früher im neunten Bezirk in der Nussdorfer Straße gewohnt, auf rund 300 Quadratmetern, zwischendurch waren wir ein paar Jahre in Kritzendorf. Nun wohnen wir seit vier Jahren in der Innenstadt, in der Nähe unserer Galerie. Der ursprüngliche Plan war, dass mit dem Umzug eine Reduktion stattfindet, und zwar eine Reduktion in der Wohnfläche und Kunstdichte. Nun, ich würde sagen, Ersteres ist aufgrund der kleineren Wohnung gezwungenermaßen gelungen, bei Letzterem haben wir kläglich versagt.

Irene M. Zacke lebt mit 2000 Kunstwerken auf 140 Quadratmetern. Wenn einmal etwas zerbricht, heißt es Nerven bewahren. (Foto: Lisi Specht; Bildansicht durch Klick vergrößern)

Wenn man all die kleinen Netsuke-Elfenbeinfiguren aus Japan mitzählt, würde ich sagen: Wir wohnen hier mit rund 2000 Kunstwerken auf knapp 140 Quadratmetern. Und damit ist die Wohnung eigentlich voller als jede andere, in der wir je gewohnt haben. Ich kann einfach nicht anders. Sie fragen mich: Wie lebt es sich mit all der Kunst? Ich würde eher fragen: Wie lebt es sich ohne Kunst? Das wäre für mich einfach unvorstellbar!

Wie man sieht, sind die Exponate eine wilde Mischung aus Asiatika und Nichtasiatika. Ich finde, man soll sich damit umgeben, was einem gefällt. Bei uns steht alles nebeneinander: Madonnenbilder aus Frankreich, japanische Katzen, ein 2000 Jahre alter Krug aus der Han-Dynastie, österreichische Bauernkrüge, eine mehr als 3000 Jahre alte Vogelstatue. Auch Bilder meines Mannes Wolfmar Zacken hängen quer verstreut über die Wohnung, denn als wir uns kennengelernt hatten, damals vor 49 Jahren, war er noch Maler.

Besonders angetan hat es mir Burma. Dieser wilde Stuhl neben mir ist ein englisches Kolonialmöbel aus Burma. Auch die vergoldeten Köpfe und Figuren habe ich sehr gern. Sie stammen aus dem 14. Jahrhundert, aber das sieht man ihnen nicht unbedingt an. Die Burmesen haben ihre Kunstwerke immer schon so gepflegt, dass sie aussehen, als wären sie neu. Deswegen ist es im Kunsthandel auch nicht immer so leicht, echte beziehungsweise authentische Asiatika von Fälschungen auseinanderzuhalten. Da braucht man viel Gespür und viel Erfahrung.

Man wird vermutlich keinen Kunsthändler finden, der nicht irgendwann einmal auf eine Fälschung reingefallen ist. Das gehört zu diesem Job dazu. Leider! Auch uns ist das gelegentlich passiert, was vor allem damit zusammenhängt, dass wir in Wien die Ersten waren, die damit begonnen haben, Asiatika zu sammeln. Es gab in Österreich kein Know-how. Wir mussten uns das Wissen aus London, Paris und anderen Kulturstädten zusammensammeln. Das Problem der Fälschung ist enorm. Man muss täglich weiterlernen.

Ab und zu passiert es natürlich, dass im Haushalt ein Kunstwerk zerbricht und dann in Scherben auf dem Boden liegt. Das ist bei uralten Asiatika keine Seltenheit, denn viele davon waren schon einmal zerbrochen und wurden danach wieder sorgfältig zusammengeklebt. Dennoch grenzt es an eine Katastrophe, wenn plötzlich eine Vase zerschellt. Nerven bewahren und das Beste draus machen!

Die Enge in dieser Wohnung ist hier allgegenwärtig. Das Haus wurde um 1700 errichtet, entsprechend klein sind die Zimmer, entsprechend niedrig ist die Raumhöhe. Und eigentlich sind wir mit dieser Wohnung, wenn ich ehrlich bin, auch gar nicht so glücklich. Wenn zumindest der Ausblick schön wäre! Aber nein, wir schauen auf Fassaden und verschachtelte Häuser.

Ich denke, wir werden uns bald neu positionieren. Ich träume von einer etwas größeren Wohnung am Stadtrand, am liebsten mitten im Grünen. Bis es so weit ist, werde ich mich mit unserem schönen Häuschen im Lungau begnügen, wo wir immer den Sommer verbringen." (DER STANDARD, 2.8.2014)

Irene M. Zacke, geboren 1944 in Prag, wuchs in Salzburg auf. Sie studierte Theaterwissenschaft und Japanologie und arbeitete dann zunächst als Gehilfin und interimistische Leiterin der Modern Art Galerie in der Riemergasse. 1968 gründete sie schließlich ihre eigene Galerie am Kohlmarkt – zuerst unter dem Namen Kunstkabinett, ab 1980 dann als Galerie Zacke. Gemeinsam mit ihrem Mann Wolfmar Zacken hat sie hunderte Fachschriften über asiatische Kunstbereiche publiziert. Seit 2005 betreibt die Galerie Zacke nun auch Online-Auktionen.

Link
zacke.at

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