Argentinien: Nicht nur Hedgefonds wollen Geld

31. Juli 2014, 15:08
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Deutsche und italienische Anwälte kämpfen seit Jahren dafür, dass ihre Mandanten ihr Geld zurückbekommen

Wien - Nicht nur US-amerikanische Milliardäre versuchen, in Argentinien an ihr Geld zu kommen. Auch auf dieser Seite des Atlantiks kämpft man. "Argentinien ist nicht zahlungsunfähig, sondern zahlungsunwillig", sagt der Augsburger Anwalt Jakob Heichele. Er vertritt 120 sogenannte Hold-outs, private Anleger also, die bei den Umtauschrunden 2005 und 2010 nicht auf den von Argentinien vorgeschlagenen Kompromiss eingegangen sind und nach wie vor Altanleihen besitzen. Unter seinen Mandanten befinden sich auch Österreicher.

Die Bandbreite der eingeforderten Assets sei groß, sagt Heichele. Seine Mandanten fordern Anleihen im Wert von 5.000 bis 15 Millionen Euro ein, insgesamt geht es um 100 Millionen Euro. Die meisten Klagsverfahren werden in Frankfurt abgewickelt, bis jetzt gewann Heichele jeden Fall. Doch an der Umsetzbarkeit der Urteile hapere es, so der Anwalt.

Kirchner fliegt nicht privat nach Europa

Bisherige Ergebnisse hätten gezeigt, dass Argentinien diese Entscheidungen nicht einfach schluckt. Theoretisch könne man nach einem Urteil auf Argentiniens Vermögenswerte zugreifen, doch das Land habe diese so abgeschirmt, dass man auch mit einer Vollstreckung nicht an sie herankomme. Das sei der Grund, warum Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner zum Beispiel nie mit ihrem eigenen Flugzeug nach Europa komme, da dieses sonst sofort gepfändet werden könnte, sagt Nicola Stock.

Er ist Präsident der italienischen Anlegergemeinschaft TFA und vertritt 53.000 Klienten gegen Argentinien. Zur Staatspleite 2001 seien es noch 400.000 gewesen, doch der Großteil habe sich auf die Umtauschaktionen eingelassen und dabei bis zu 70 Prozent verloren oder aber die Anleihen in der Zwischenzeit weiterverkauft.

In Italien waren die Argentinien-Anleihen sehr beliebt. Wie Stock erklärt, seien viele Argentinier italienischer Abstammung oder spielen in italienischen Fußballmannschaften, das habe für positive Stimmung gegenüber dem Land gesorgt. Doch die Stimmung kippte. 2007 verklagte die TFA Argentinien über ein Schiedsgericht der Weltbank. Sie fordert mehr als zwei Milliarden Euro. Ein Urteil wird bis Ende des Jahres erwartet.

Sie können, aber wollen nicht

Argentinien behauptet, die Anleihen der Hold-outs beliefen sich auf 11 bis 13 Milliarden Euro. Heichele glaubt, es sind weniger. Und da sich die argentinischen Devisenreserven laut eigenen Angaben weltweit auf mehr als 22 Milliarden Euro belaufen, könne man diese Altschulden mit Sicherheit begleichen. Doch Argentinien will nicht, sagt Heichele.

Er rät seinen Mandanten, auf jeden Fall noch bis zum Ende des Jahres zuzuwarten und die Anleihen nicht zu verkaufen. Dann läuft nämlich die sogenannte Rufo-Klausel aus, die es Argentinien verbietet, bestimmte Gläubiger besserzustellen als andere. Heichele vermutet, dass Argentinien dann ein neues, besseres Abfindungsangebot unterbreiten wird.

Dass seine Mandanten schon beim Kauf der Anleihen auf die Pleite des Landes spekuliert hätten und damit außergewöhnlich hohe Renditen einfahren wollten, glaubt Heichele indes nicht. Zwar sei Rendite etwas über dem Durchschnitt gelegen, um eine Ramschanleihe habe es sich aus damaliger Perspektive aber nicht gehandelt.

Auswirkungen auf Österreich vernachlässigbar

Erst im Mai hatte sich Argentinien mit dem Pariser Club auf eine Schuldenrückzahlung geeinigt. Insgesamt muss das Land 7,2 Milliarden Euro in Raten an die Vereinigung aus Exportversicherern bezahlen. Der größte Einzelgläubiger im Club ist Deutschland mit 2,6 Milliarden Euro. Doch auch bei der Republik Österreich stehe Argentinien mit einem zweistelligen Millionenbetrag in der Kreide, hieß es von der Österreichischen Kontrollbank. Auf die heimische Exportwirtschaft hat die mögliche Staatspleite Argentiniens aber kaum Auswirkungen. (Sonja Spitzer, derStandard.at, 31.7.2014)

  • Argentiniens Präsidentin muss sich in Europa vor Pfändungen fürchten.
    foto: apa

    Argentiniens Präsidentin muss sich in Europa vor Pfändungen fürchten.

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