Marke VW bremst Wolfsburger Autokonzern

31. Juli 2014, 12:52
22 Postings

Der Betriebsgewinn der Marke Volkswagen sackt um ein Drittel ab, dennoch bekräftigt der Konzern die Ziele für 2014

Hamburg/Wolfsburg - Für den deutschen Volkswagen-Konzern wird seine Hauptmarke VW zum Sorgenkind. Weil der Betriebsgewinn von VW um ein Drittel sank und die beiden Ertragsstützen Audi und Porsche dies nicht ganz wettmachen konnten, kam Europas größter Autobauer im ersten Halbjahr nur schwer voran. Im zweiten Quartal sank der Betriebsgewinn um 3 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro, wie VW am Donnerstag mitteilte.

Mit soviel hatten auch Analysten gerechnet. Der Umsatz ging um gut 2 Prozent auf 50,1 Mrd. Euro zurück. Bei Anlegern kam vor allem gut an, dass Volkswagen seine Geschäftsziele trotz der Unsicherheiten durch die Ukraine-Krise und Währungsturbulenzen in Schwellenländern beibehielt. Die im Dax notierte Vorzugsaktie legte in einem schwachen Umfeld 1,8 Prozent zu.

Konzernchef Martin Winterkorn hat ein Sparprogramm angekündigt, um die Kosten von VW um 5 Mrd. Euro im Jahr zu senken. Dadurch soll die operative Rendite der Marke Volkswagen bis 2018 auf mindestens sechs Prozent gehievt werden. Im zweiten Quartal lag sie bei 2,3 Prozent nach mageren 1,8 Prozent zu Jahresbeginn.

Preis fürs Wachstum

Der Volkswagen-Konzern mit seinen zwölf Marken zahlt derzeit den Preis für das rasante Wachstum der vergangenen Jahre. Dem Ziel, Toyota in den nächsten Jahren vom Thron als Weltmarktführer zu stoßen, wurde bis vor Kurzem vieles untergeordnet. Seit Winterkorn Anfang 2007 das Steuer in Wolfsburg übernahm, ist der Konzernabsatz um mehr als die Hälfte auf 9,7 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Zur Jahresmitte lagen die Auslieferungen einschließlich der Lkw-Töchter MAN und Scania mit 5,066 Millionen Fahrzeugen nur noch 31.000 Stück hinter dem japanischen Erzrivalen. Toyota hatte weltweit in diesem Zeitraum 5,097 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert.

VW führt gerade mit gewaltigen Investitionen das neue Baukastensystem ein, von dem sich die Wolfsburger hohe Einsparungen erhoffen. Die modulare Technik, durch die verschiedene Fahrzeugtypen mit gleicher Architektur auf einem Band gleichzeitig und somit günstiger produziert werden können, soll den Schub für weiteres Wachstum geben. Die neue Vielfalt hat aber Tücken: Besonders deutlich wird das derzeit in der Golf-Produktion in Wolfsburg, wo VW die Bänder wegen technischer Probleme immer wieder anhalten muss.

Inzwischen steuert Winterkorn um. Statt Wachstum um jeden Preis will er künftig mehr an jedem verkauften Auto verdienen. Damit hofft Winterkorn, nach jahrelanger Gewinnstagnation die Früchte für die kostspieligen Investitionen in das Baukastensystem ernten zu können. (APA/Reuters, 31.7.2014)

Share if you care.