Argentiniens Pleite im Jahr 2001

31. Juli 2014, 10:04
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Das südamerikanische Land legte vor knapp zehn Jahren die größte Staatspleite in der Geschichte hin

Argentinien kämpft mit dem Erbe aus dem Jahr 2001. Das Land verweigert die Zahlung an zwei Hedgefonds, die argentinische Schulden nach der Staatspleite Ende 2001 billig gekauft hatten und nun den Nennwert geltend machen. Seit Donnerstag gilt Argentinien als offiziell zahlungsunfähig.

Im Jahr 2001 legte Argentinien eine fulminante Pleite hin. Das lateinamerikanische Land gab zu dem Zeitpunkt die wenig segensreiche Bindung an den US-Dollar auf.

Doch was passierte genau in Argentinien: Zwischen Jänner und November 2001 stiegen die Zinsen auf argentinische Anleihen infolge der Schuldenkrise der Schwellenländer und einer tiefen Rezession um 20 Prozentpunkte und machten die Refinanzierung für die Regierung De La Rúa immer teurer. Auch damals versuchte die Regierung eine "freiwillige" Beteiligung privater Gläubiger, von ausländischen Schuldnern, aber auch den heimischen Pensionsfonds. Die Bonitätsprüfer von Standard & Poor's kündigten an, diese Einbindung als Zahlungsausfall zu werten.

Anleihentausch

Zwei Monate später bediente Argentinien die ersten Anleihen nicht mehr. Beim ersten Anleihentausch erhielten Investoren rund 35 Prozent des Nominalwerts ihrer Papiere zurück, doch es dauerte bis 2005, bis ein erheblicher Teil der Schulden im Ausmaß von 60 Prozent des BIPs - also etwas mehr als ein Drittel des griechischen Obligos - umgeschuldet werden konnte. Als Argentinien 2002 zahlungsunfähig wurde, stellte das Land nicht nur Zahlungen für die Staatsanleihen ein, sondern wertete auch massiv die Währung ab.

Vor der Krise war der Schuldenstand zwischen 1995 und 2001 von 35 auf 65 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Doch nach der Abwertung schnellte die Schuldenlast auf über 150 Prozent empor, weil die externe Verschuldung bereits 2000 über die Hälfte des BIPs ausmachte und hauptsächlich in US-Dollar denominiert war.

Auch ein erstes Rettungspaket des Währungsfonds und befreundeter Staaten half nicht. Wegen der tiefen Rezession brachte Buenos Aires das Defizit nicht in Griff. Auch der Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit spielte eine wichtige Rolle, Lohnsenkungen konnten nicht durchgesetzt werden. Während Haupthandelspartner Brasilien abwertete, stand Argentinien mit seiner Dollar-Bindung auf verlorenem Posten. Wie in Griechenland hoben Sparer wegen der Vertrauenskrise Gelder ab und brachten das Finanzsystem in zusätzliche Turbulenzen.

Argentinien ist auch deswegen in die ungeordnete Pleite gerutscht, "weil die Regierung so lange versucht hat, eine Umschuldung abzuwehren," meint etwa Paul Blustein, Ökonom an der Brookings Institution. Auch Bill Rhodes, jahrzehntelanger Banker der Citigroup und involviert in zahlreiche Umschuldungen, etwa jene von Uruguay 2003, betont, wie wichtig der Faktor Zeit ist: "In einer Krise läuft die Zeit immer gegen Dich."

Bei allen Nachteilen ist das Land mit der Zahlungsunfähigkeit nicht so schlecht gefahren. Das Wachstum zog unmittelbar danach kräftig an. Als wesentlicher Nachteil einer Umschuldung gilt der Bann von den Kapitalmärkten, den potenzielle Geldgeber verhängen. Und das Erbe, wie zum Beispiel in Form des Streits mit den Hedgefonds, der Argentinien erneut in die Zahlungsunfähigkeit treibt. (sulu, as, derStandard.at, 31.7.2014)

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